Interview: Austrian Apparel

Interview mit dem Electronica Duo Austrian Apparel

Austrian Apparel im Interview - Fotocredit: Benedickt Loebell

Austrian Apparel im Interview – Fotocredit: Benedickt Loebell

Wir haben uns mit dem Electronica-Duo Austrian Apparel im Interview unterhalten.

Ich bin kürzlich auf das Österreichische Electronica Duo Austrian Apparel gestoßen und war vom ersten Moment hellauf begeistert. Nach kurzer Recherche fiel mir auf, dass wir es hier mit einem Duo zu tun haben, die in der Live-Electronica und Techno-Szene in Österreich einen richtig guten Namen haben. Hier in Norddeutschland fehlt das noch ein bisschen und dem wollen wir nachhelfen. Deshalb habe ich Sebastian Wasner und Dominik Traun einige Fragen zu ihrem Projekt gestellt.

Ihr werdet immer wieder als eines der talentiertesten Elektronik-Duos von Wien oder sogar auch von Österreich genannt. Wie ist da aktuell bei euch selbst die Erwartungshaltung nach dem Release der letzten EP im Oktober 2017?

Austrian Apparel: Wow danke für die Props ! Wir haben nicht so einen tollen Überblick über die Szene in Österreich. Eventuell gibts ja schon wen, der mehr Talent hat, hehe. Und Talent ja, aber wir haben unseren Sound aber auch hart erarbeitet. Talent ist irgendwie von Anfang an eine Voraussetzung, aber jetzt ist das eben unser Ausdrucksmittel mit dem wir uns unmittelbar der Welt präsentieren. Wir haben ein paar Tracks schon parat und werden die dieses Jahr noch veröffentlichen. Wir haben hohe Qualitätsansprüche an unsre eigene Musik, was den Sound betrifft haben wir somit ein große Erwartungshaltung nach dem Release der letzten EP. Das hat aber jetzt mal nichts mit Verkäufen/Downloads zu tun. Wir wollen das, was wir in unserer Soundsprache dazugelernt haben auf den Tracks gut rüberbringen und eventuell die ein oder andere Person damit berühren. Wer uns live erlebt kann das dann noch auf einer zusätzlichen Ebene miterleben.

Euer größtes Vorbild ist u.a. Boards of Canada. Wie wichtig ist euch selbst die künstlerische Freiheit und wann kann während der Karriere ein Stück Selbstbestimmung eines Künstlers verloren gehen?

Austrian Apparel: Bis jetzt haben wir es geschafft unseren Sound unbeeinflußt von Labels oder Agenturen durchzuziehen.
Wenn wir jetzt bei einem Riesenlabel plötzlich unter Vertrag genommen werden und ob sich das dann ändert, können wir nicht wirklich beurteilen. Und vielleicht hat ja WARP Records auch mal gemeint: naja die Bassline ist aber bissl zu naiv oder zu laut und BoC habens dann geändert. Wer weiß.

Dass mit Plattenverkäufen/Downloads in unsrer Nische nicht mehr viel Geld verdient werden kann, ist eine Realität die man akzeptieren muss und andere Wege finden um davon leben zu können.

Bei euren Live-Perfomances geht ihr gerne mal bis an die Schmerzgrenze. Gab es schon mal Live-Momente bei denen ihr selbst an eure Grenzen gestoßen seid und wenn ja, wie habt ihr diese unmittelbar nach dem Gig wahrgenommen?

Austrian Apparel: Am Tanz durch den Tag 2014 (~5 000 Menschen), bei einem von den aufregendsten Gigs für uns habe ich mir mal die Lippe Wund gebissen. Das war auf jeden Fall eine Grenzerfahrung. Ich habs während dem Gig gar nicht gemerkt und beim gemeinsamen Jubel erst das Blut gesehen. Schmerzen hab ich komischerweise keine gespürt. In Kautzen haben wir auf einem Festival bei einem Gewittereinbruch auf einmal vor genau 0 Leuten gespielt. Die ganze Bühne hat im Sturm geschaukelt und nicht mal der Techniker ist da geblieben. Wir haben einfach weiter gespielt und es war ein super Gig gegen Ende sind dann die Leute wieder gekommen und haben noch mit uns gedanced.

Austrian Apparel im Interview - Fotocredit: Benedickt Loebell

Austrian Apparel im Interview – Fotocredit: Benedickt Loebell

Musik ist mittlerweile ein wahnsinnig emotionales Gut geworden. Spotify errechnet hingegen durch einen Algorithmus deinen Musikgeschmack. Wie absurd ist das Hören und Konsumieren von Musik mittlerweile aus eurer Sicht geworden?

Austrian Apparel: Wenns mir nutzt und Spotify mir gute Sachen vorschlägt, warum nicht. Wir laden mittlerweile keine Songs herunter sondern benutzen Apple Music oder Beatport, etc.. Das Konsumieren von Live-Musik hat sich nicht wirklich geändert. Es wird immer wichtiger und hilft auch unsrer Meinung nach den Menschen oft ihrer Realität zu entfliehen und neue Momente zu erleben. Dass mit Plattenverkäufen/Downloads in unsrer Nische nicht mehr viel Geld verdient werden kann, ist eine Realität die man akzeptieren muss und andere Wege finden um davon leben zu können.

Inwiefern seht ihr Austrian Apparel bei all der Digitalisierung als antizyklische Bewegung eurerseits?

Austrian Apparel: Das ist eigentlich gar kein Kriterium bei uns. Wir machen einfach den Sound mit den Geräten die wir auf die Bühne karren und könnens jetzt eigentlich gar nicht anders. Wir wollen einfach Kontrolle über alle Elemente des Gesamtsounds haben und das ist der Grund warum wir so spielen wie wir spielen. Wir verwenden keinen Laptop, ua. weil der Screen auf eine Art immer eine Barriere zwischen dem Publikum und unsrer Performance ist. Wir sehen alles eher pragmatisch.

Wie geht es in diesem Sommer für euch live noch weiter?

Austrian Apparel: Immer wieder paar Clubgigs und Festivals:
9.5. Red Bull Music Festival Wien (Konzert in einer Gondel vom Riesenrad)
30.5.-3.6. Lighthouse Festival (CR)
13.7. Labryrinth Festival (CR)

Werden uns im Sommer aber auf die Fertigstellung unsres Debüt-Albums konzentrieren und darauf wird in der nächsten Zeit das Hauptaugenmerk liegen. Release (hoffentlich noch) 2018.

Aktuell befindet ihr euch gefühlt noch in einer kleineren Blase und euer Bekanntheitsgrad ist sicherlich noch ausbaufähig. Wie schwer und einfach zugleich ist es heutzutage, seine musikalisch-soziale Blase noch weiter ausbauen zu können?

Austrian Apparel: Wir denken, dass es gleich schwer oder leicht wie es immer schon war seine Blase auszubauen. Heutzutage sind die Möglichkeiten natürlich einer sehr breiten Masse zugänglich. Dadurch gibt es aber natürlich wiederum mehr Wettbewerb, es hält sich also irgendwie die Waage. Wir haben bis jetzt auch alles vom Booking und Promo/Social Media selber gemacht und sind eigentlich im Moment auf der Suche nach Booking Agenturen, neuen Labels und Partnern und natürlich hoffen wir bald mal mit unserm Synthie Raumschiff auch in Hamburg andocken zu können..

Halbzeit im Jahr 2018. Der bisher schrägste Moment für euch in diesem Jahr?

Austrian Apparel: Der war wohl gleich zu beginn des Jahres: am 2.1. ca 18.00 am Anfang unsres Sets auf der Sisyphos nye party hat ein Mädchen aus dem Publikum in der ersten Reihe ihre Decke ausgebreitet und mitten am Dampferfloor eine Art von Yoga gemacht. Sie hat dann aber bald zum Tanzen gewechselt als unser Sound treibender geworden ist.

Merci für das Interview und hoffentlich bis bald mal live dann in Echt in Hamburg! Bässte Grüße, ^ustrian  ^pparel

 

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