Review: Miloe
Miloe – Zwischen Bedroom Pop und kongolesischem Erbe
Mit seiner EP „Gaps“ beweist Miloe alias Bob Kabeya, dass Bedroom Pop längst nicht mehr nur Lo-Fi-Klänge und Tagträume in Teenagerzimmern bedeutet. Der 21-jährige Musiker, der im Kongo geboren wurde und seit seinem achten Lebensjahr in Minneapolis lebt, macht Musik, die weit über seine Umgebung hinausreicht – bis zurück zu seinen Wurzeln.
Schon früh war Musik für Kabeya mehr als bloße Begleitung: Die sonntäglichen Chorgesänge der Eltern in der Kirche hallten stundenlang in seinem Kopf nach – und ließen ihn erste Melodien mit dem Mund nachahmen. Diese kollektive Kraft des Gesangs, das gemeinsame Erleben, prägt ihn bis heute. Und genau das hört man. „Where U Are“, die Lead-Single der neuen EP, ist mehr als ein melancholischer Indiepop-Song – sie ist Klang gewordene Erinnerung. Mit einer Fender Acoustasonic imitiert Miloe Marimba-Klänge, Gospel-Harmonien und spontane Ad-Libs lassen den Song wie ein modernes Gebet klingen.
Doch Gaps ist kein nostalgisches Zurückblicken, sondern ein bewusster Brückenschlag. Miloe setzt sich mit dem musikalischen Erbe seiner Kindheit auseinander – mit Klassikern von Tabu Ley Rochereau oder Lokua Kanza – und filtert sie durch eine intime, aktuelle Indiepop-Ästhetik. Dabei gelingt ihm das Kunststück, seine persönliche Geschichte universell hörbar zu machen. Seine Musik klingt nach westlicher Popkultur, aber auch nach der Sehnsucht, wieder Anschluss zu finden – an das, was war und was ihn geprägt hat.
Miloe schafft es, kulturelle Identität nicht als Gegensatz zu Pop zu inszenieren, sondern als dessen Bereicherung. Gaps ist introspektiv, warm, verspielt – und vor allem ehrlich. Ein kleines, großes Werk eines jungen Künstlers, der dabei ist, seine ganz eigene Sprache zu finden – zwischen Marimba und MacBook.
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