Rezension: Sons of Raphael Debüt-EP “A Nation Of Bloodsuckers“

Sons of Raphael Debüt-EP “A Nation Of Bloodsuckers“

Sons of Raphael Debüt-EP Rezension

Sons of Raphael Debüt-EP Rezension

Ein Londoner Brüder-Duo überrascht die Musikwelt mit einer künstlerischen Art von Musik und Videos, gepaart mit Lyrik, Gitarren und vielen Haaren.

Hier ist eine Weigerung, Gewalt und Zärtlichkeit als binär zu sehen, aber schmerzhaft und eng miteinander verwoben – genau wie der Gott, den wir verehren, der sowohl eine Kriegerin als auch eine pflegende Mutter sein könnte. Tiefgreifend erklären die Brüder Loral und Ronnel ihren Titelsong. Gedreht vom Regisseur Manuel Alberto Claro (Melancholia, Nymphomaniac) erööfnet uns das Video eine surreale Welt aus Bildern und Gesang, die erst nicht zusammen passen wollen, sich aber auch nicht gegenseitig ausschließen. Eine Gedichtstrophe eröffnet das Video, der Mann nimmt eine Waffe in die Hand und schießt sich in den Kopf. Musikalisch beginnt für mich ein Lied, dass mich stark an die psychedelischen 60er Jahre erinnert. Alles erinnert mich daran, die Stimme, die Machart, die Atmosphäre. Gedichte und Sprache, vermischt mit pop-rockiger Musik, viel Echo im Gesang und schon ziemlich strangen Bildern, lässt für mich Filme wie “The Doors“ wieder zum Leben erwachen.

Alles was man über dieses Duo findet, klingt schon ziemlich weird und nicht von dieser Welt. Es sind zwei abgedrehte Gestalten, mit irren Haaren und eigenem Lebensstil. Unbeeinflusst von irgendetwas auf dieser Welt, scheinen sie gar nicht zu wissen, was sie da gerade veröffentlicht haben, und möchten es vielleicht auch gar nicht wissen. Sie können ihren eigenen Sound nicht beschreiben und leben in einer anderen Dimension. Genau diese haben sie Ihren Hörern nun aus Musik aufgenommen und präsentieren uns eine der geilsten Neuentdeckungen dieses Planeten. Voller Lyrik und Tiefsinnigkeit gewinnen Sie die Aufmerksamkeit sofort aber das Verständnis erst spät, vielleicht auch nie.

Kunst würde ich es nennen, aber nicht diese völlig unzugängliche Kunst, sondern eine, mit der man sich intensiv beschäftigen muss und will, um in sie hineinsehen zu können, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was die beiden Londoner uns zu sagen haben. Im zweiten Song “Rio“ gehen die beiden dann schon gut nach vorne. Schnelle, laute und schranzlige Gitarren begleiten schreienden Gesang und man beginnt schon kräftig an der Ernsthaftigkeit dieses Songs zu zweifeln und dann ist er schon zu Ende.

Sons of Raphael Debüt-EP Rezension

Sons of Raphael Debüt-EP Rezension

“Eating people“ lässt die Gitarren glühen und nimmt unerwartet das Tempo raus und zählt den Takt vor, begleitet von erstaunlich klarem und hellem Gesang. Das Video zeigt eine englische Schule mit dazugehöriger Kirche. Es beginnt ein Gottesdienst mit Orgel und Gesang und der Priester spricht einen Psalm zu den Schülern, bis der den Schüler Ronnel und seinen neuen Song ankündigt. Auch hier wird der Hörer und Seher wieder in eine selbst-geschaffene Realität geworfen und den Bildern und der Musik allein überlassen. Macht man sich etwas schlau, so kann man lesen, dass Ronnel auf genau dieser Schule war, was ihn dann doch menschlicher und anfassbarer macht.

Es ist alles ganz frisch und neu, die Brüder sind anscheinend sehr unterschiedlich und geplant war das hier wohl auch nicht. Sie sind in die Musik hineingerutscht und haben hups eine richtig heavy EP hingelegt. Der letzte Song heißt “Jesus“ und schließt sich somit nahtlos an die Gedanken und die Lyrik und die Religion der anderen Songs an und überrascht auch musikalisch nicht. Drei der vier Songs sind kaum länger als 2:30 min. Nur “Nation of Bloodsuckers“ fällt mit 4:33 min. raus. Für mich ist es auch das stimmigste Lied, dem ich am ehesten etwas abgewinnen kann und woraus sich für mich eine musikalische Logik schließen lässt.

Nichtsdestotrotz lege ich Euch die EP ans Herz und schaut Euch die Videos an. Es ist mal was ganz anderes, es regt zum nachdenken an und wer Spaß daran hat, kann sich auch gerne tiefgreifendere Gedanken über das Brüder-Duo machen. Ich denke, davon wird viel geredet in nächster Zeit!

 

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