Review: Big Society
80s Pop-Rock Entdeckung Big Society aus Manchester
Wir stellen dir heute die Band Big Society aus Manchester im Review vor. Auf die Band gestoßen bin ich über deren Track „Feel“, der im Jahr 2020 erschien. Also mitten in Corona. Der Sound der Briten ist sehr robust gezeichnet und aberwitzigerweise wirkt der Song wie hier z.B. sehr leicht. Sie packen das emotionale Minenfeld des Teenagerdaseins in dreieinhalb Minuten Musik – voller Leichtigkeit, Melancholie und Euphorie. Produziert von Pete Robertson (Ex-The Vaccines) und geschrieben im ländlichen Worcestershire, ist „Feel“ eine starke Nummer aus ihrer Debüt-EP. Der Song lebt von einem raffinierten Spannungsfeld: glitzernde Gitarrenläufe treffen auf fuzzige Riffs, enge Schlagzeuggrooves umspielen eine Stimme, die fast schwerelos wirkt. Trotz der dichten Produktion bleibt der Track durchlässig, fast schwebend – ein Sound, der gleichzeitig robust ist wie eine Erinnerung und leicht wie ein Tagtraum.
Textlich tauchen Big Society tief in das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein. „The daft loneliness of teenage life“, wie die Band es selbst beschreibt, wird hier nicht verklärt, sondern mit bittersüßer Ehrlichkeit erzählt. Zeilen wie „Come play outside“ wirken dabei wie eine offene Tür – ein Ruf nach draußen, nach Freiheit, nach echter Nähe, besonders stark in Zeiten von Lockdown und Isolation. Musikalisch lassen Big Society 80er-Pop-Rock-Einflüsse in ihr modernes Soundgewand einfließen, ohne dabei retro oder kalkuliert zu wirken. Es ist melodischer Indie-Rock mit Pop-Appeal, wie man ihn selten so unangestrengt und gleichzeitig durchdacht hört. Fans früherer Singles wie „Marine Club Party“ oder „17“ werden sofort das Wiedererkennungszeichen hören: Dieses warme, flirrende Gefühl im Bauch, das nur Musik hervorrufen kann, wenn sie die eigenen Erinnerungen trifft.
Seit ihrem Debüt 2018 haben sich Big Society als Meister des Midtempo etabliert – Live at Leeds, The Great Escape, Support für Bob Dylan und Neil Young in Hyde Park – die Referenzen sprechen für sich. Doch „Feel“ ist kein bloßes Abarbeiten von Indie-Standards, sondern ein eigenständiges, charmantes Statement einer Band, die weiß, wie sich Jugend wirklich anfühlt.
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