Feature: Native

Feature mit Native + Interview

Native im Interview über seine EP

Ich kenne viele Musiker*innen die im gewissem Sinne sehr redselig sind. Sie wollen unbedingt allen mitteilen, worum es in den Songs geht und wieso sie ihn geschrieben haben. Das ist auch verständlich, so ist das doch auch mitunter die Existenzberechtigung der Musiker*innen. Es gibt auch diejenigen, die wie Native eher unter dem Deckmantel ihres Künstlernamens Musik machen. Niemand soll oder darf erfahren, wer dieser Schweizer ist und nein er möchte auch nicht unbedingt darüber sprechen, wieso er jetzt auf seiner neuen EP “I See You In The Distance” welchen Song wie konzipiert und geschrieben hat. Die Musik soll für sich selbst stehen und sich selbst zum Ausdruck bringen.

Native war für die EP in Los Angeles . Für die Aufnahmen und Produktion wurde ein Haus im Süden von Los Angeles gemietet und dort gemeinsam mit Jordan Ruiz aufgenommen. Dadurch entstand ein sehr natürlicher und roher Sound, da Jordan und Native viel mit den Räumlichkeiten des Hauses gearbeitet haben. Was direkt auffällt sind wie angekündigt die Gegensätze in den Songs. Mal sehr expressiv wie im Opener “My Empire” und dann direkt ruhig, getragen und eher romantisch.




Es ist nicht gerade so, dass Native unwahrscheinlich komplexe Songs schreibt und schräge, disharmonische Melodien verwendet. Er vertraut eher dem sehr ursprünglich klingendem Songwriter Gen. Alles wirkt recht organisch, aber auch sehr konzeptionell. Mit Bedacht verfolgt er meist mit seiner Gitarre ausgestattet Melodieverläufe und Pickings, die durch seine teils wirklich gut emotionalen Vocals mitgetragen werden.

Native muss auch gar nicht über seine Songs sprechen. Das wird mir beim Hören der EP immer mehr bewusst. Niemand verlangt darin eine Rechtfertigung oder Begründung seiner Songs. Wir hören hier vielmehr einen Songwriter, der durch seine zahlreichen Reisen und Aufenthalte außerhalb der Schweiz geprägt wurde und lässt uns automatisch daran teilhaben. Jeder, der diese EP hört, sollte für sich das herauspicken, das ihn weiterbringt. Die EP bietet uns durch die unterschiedlichsten emotionalen Stadien ein breites Spektrum an wirklich toll austarierten Songwriter Perlen.

Wir haben dem Schweizer in diesem Feature noch drei wichtige Fragen zur EP gestellt.

Du sagst bewusst, dass du dich als Person nicht in den Vordergrund stellen möchtest. Ist das als Solo-Musiker nicht ein Widerspruch? Du musst dich doch mit deiner Musik und jetzt mit den neuen Tracks im Gepäck in den Vordergrund rücken oder?

NATIVE: Klar das gehört dazu. Es fängt ja auf der Bühne an und dort fühle ich mich wohl. Ich gebe bei meinen Konzerten sowie in den Songs ziemlich viel von mir Preis. Abseits der Musik vermeide ich es, meine eigenen Überzeugungen und meine Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Ich denke, diese spürt man in meinen Songs und ich kann mich so über meine Musik ausdrücken. Vielleicht ist auch eine gewisse Feigheit oder ein Selbstschutz dabei, aber ich bin auch in meinem Privatleben eher zurückhaltend.

Deine Songs sollen für sich selbst sprechen. Da mutest du den Zuhörern viel zu oder kann man immer verlangen, dass die Zuhörer ohne Support vom Künstler die Songs verstehen?

NATIVE: Für mich geht es nicht darum, dass die Zuhörer die Songs aus meiner Perspektive verstehen. Eine Interpretation ist immer subjektiv, selbst meine eigene. Von daher mute ich es dem Zuhörer lediglich zu, seine eigene Interpretation in den Songs zu suchen. Wie weit die von meiner entfernt ist, spielt dann ja keine Rolle.

Mit deiner Musik und dadurch, dass du an Orten wie Los Angeles, Berlin, London und Zürich gelebt und Songs geschrieben hast, hebst du den Begriff der Heimatzugehörigkeit gewissermaßen auf oder?

NATIVE: Absolut. Was bedeutet Heimat und Zugehörigkeit? Dies ist eine Frage, die ich für mich zurzeit nicht beantworten kann, die mich aber stark beschäftigt. Los Angeles fühlt sich am stärksten nach Heimat an, obwohl ich da nicht aufgewachsen bin. In Zürich wiederum lebt meine Familie und hier habe ich zurzeit mein Studio. Es ist schon so, dass ich mich in den letzten Jahren nie richtig zugehörig fühlte, egal wo ich war. Es fühlt sich eher so an, als wäre ich ein Besucher, wo auch immer ich bin. Diese Gefühle haben sich sicherlich auch in die Songs eingeschlichen.

 

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