Feature: EVERDEEN

EVERDEEN im Interview und Review über neue Single

EVERDEEN mit neuer Single „This Place“ im Interview & Feature

Warum nicht einfach hier bleiben? Wo gehöre ich hin, was ist meine Bestimmung? Welchen Weg soll ich einschlagen? “This Place”, die neue Single der Indie-Pop Band Everdeen. Sie behandeln in ihrer neuen Single somit ein Thema das so ziemlich jeden von uns betrifft. Jeder steht in seinem Leben mindestens einmal vor dieser schwierigen Entscheidung. Was wird aus mir? Dazu muss man meist erstmal wissen, wer man überhaupt ist und welche Bedürfnisse ich habe. Dass sich EVERDEEN diesen Fragen stellt und sie in ihrem Track verarbeiten, machen sie wirklich vortrefflich.

Die Band lebt Internationalität. Das tut sie nicht nur weil die Bandmitglieder aus unterschiedlichsten Himmelsrichtungen kommen, sondern auch indem sie Songs mal wie in diesem Fall in London produzieren lassen oder für ihr kommendes Album einen schwedischen Einschlag einbringen. Im Vordergrund steht die Sängerin Sümeyra, die halb türkisch, halb deutsch ist und eine Weile in London und auch in San Francisco gelebt hat. Dort lernte sie Ian Stahl kennen. Es ging als Paar nach Stuttgart und es stieß Schlagzeuger Thommy dazu.

Der Sound tendiert stetig wie ein Pendel zwischen hoffnungsvoll erleuchtend und hell und sehr düster, neblig und eher matt grau. Bei “This Place” klingen EVERDEEN allerdings ungewöhnlich hell und klar in ihrer Struktur. Gut gefällt mir auch die Reduziertheit. Es braucht hier lediglich Synthies, Gitarren und eine klare Struktur durch das Schlagzeug und es entsteht eine Indie-Pop Symbiose wie sie zeitgemäßer kaum sein könnte. Wie das kommende Album klingen wird? Es wird ein jedem Fall einen starken skandinavischen Touch haben. Das ist schon mal klar. Und dass die Skandinavier_innen den Trend in den letzten Jahren vorgegeben haben, ist wohl klar. EVERDEEN könnten sich mit gutem Recht zu einem neuen Indie-Pop Export für die deutsche Musikszene entwickeln.

Um noch mehr über “This Place” zu erfahren, haben wir der Band ein paar Fragen gestellt.

In eurer neuen Single geht es ums Ausbrechen aus alten Gewohnheiten. Aber auch darum, dass man seinen eigenen Bedürfnissen nach handelt. Das ist in der heutigen Zeit schwieriger als gedacht und hat im Zuge von Egoismus doch immer einen faden Beigeschmack oder wie begegnet ihr dieser Problematik?

EVERDEEN: “Why do you stay here when you want to leave?” Es geht grundsätzlich darum sich selbst die Frage zu stellen: “Was tut mir gut? Was will ich überhaupt? Wo will ich hin?”. Das soll natürlich keineswegs bedeuten nur noch vollkommen egoistisch zu handeln. Ganz oft ist sogar das Gegenteil der Fall, nämlich dass man als Gemeinschaft viel eher seine eigenen Wünsche und Ziele erreichen kann. Und nicht zuletzt auch die aktuelle Krise hat uns gezeigt, dass es oftmals unerlässlich sein kann die eigenen Bedürfnisse im Zuge des Allgemeinwohls – was einen ja wiederum am Ende auch zugute kommt! – zurückzustellen. Es gilt also, unter Berücksichtigung des Wohl des Anderen, das eigene Wohlergehen aber nicht zu vernachlässigen. Man sollte die Dinge anpacken, die einen persönlich ausbremsen, ohne Andere zu beeinträchtigen. Es geht auch darum, sich aus seiner Komfortzone zu wagen, sowohl auf der innerlichen emotionalen Ebene als auch auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene. Sich zu trauen, wagemutig zu sein und das Bewusstsein zu entwickeln, den Tatsachen ins Auge zu blicken, das ganz allein ‚du‘ die Kraft hast, Sachen in Bewegung zu setzen und dass niemand anderes für dich Entscheidungen treffen kann.




Warum ist es eurer Meinung nach in der heutigen Zeit so schwierig seinen Platz zu finden und ihn dann auch mit all seinen Aufgaben, Chancen und Verpflichtungen einzunehmen?

EVERDEEN: Wir sehen es nicht unbedingt so, dass es heutzutage schwieriger ist, seinen Platz zu finden als früher. Früher gab es vielleicht konservative Erwartungen von der Gesellschaft oder den Eltern, dass man einen bestimmten Weg gehen, oder in einer vorgeschriebenen Rolle zu leben hat. Das heißt jedoch nicht, dass man dann seinen Platz gefunden hat, nur weil man macht was von einem erwartet wird. Auf der anderen Seite gibt es heute vielleicht mehr Toleranz dafür, alternative Wege zu gehen. Allerdings können die unzähligen Möglichkeiten, die es in der jetzigen Zeit gibt, auch zu Überforderung führen – wenn ich alles machen und werden darf, ist es unter Umständen schwieriger seinen Platz zu finden?! Egal ob man bleibt wo man ist, oder beschließt einen neuen Weg einzuschlagen, ist doch jede Entscheidung mit Konsequenzen und neuen Herausforderungen verbunden. In unserem Song ‘This Place’ geht es nicht zwangsläufig darum wegzurennen und den Verpflichtungen zu entfliehen. Denn egal wo man hingeht, die Probleme verfolgen einen bis man sie löst. Wenn man seinen aktuellen Platz akzeptiert und die Probleme anpackt, die es dort gibt, kann auch genau das das positive Handeln sein, das wir in „This Place“ beschreiben.

Manchmal haben Menschen gar keine Chance in ihrem Leben ihren Weg zu finden und ihn entsprechend einzuschlagen. Was gebt ihr ihnen mit eurem Song mit auf den Weg?

EVERDEEN: Dennoch niemals aufzugeben! Auch wenn die Ausgangslage leider nicht bei allen dieselbe ist, lohnt es sich immer sein Bestes zu geben und mit vollem Herzblut in die Dinge zu investieren, die einem wirklich wichtig sind und richtig erscheinen. Man sollte sich bewusst sein was einen davon abhält das zu erreichen was man gerne erreichen möchte! “Under the weight of the dust that’s been clouding your eyes” der Staub in den Augen symbolisiert die Last. Staub an sich, wiegt zwar nichts, er hält einen aber davon ab zu erkennen, dass man mental gefangen ist. Die Sinne sind also benebelt. Wenn man den symbolischen Staub weggewischt, dann öffnet das einem buchstäblich die Augen. „And it’s here that you see that your fate’s not the thing that decides“- Mit „This Place“ möchten wir den Menschen auch Hoffnung schenken. Hört auf euer Inneres und verliert auch in schweren Lebenslagen niemals den Mut.

Corona hat den Werdegang von etlichen Newcomern stark beeinflusst. Meist eher im negativen Sinne. Welchen Einfluss wird die Zeit auf euer Schaffen haben und inwiefern fügt sich euer Prinzip eure Songs mal in London, mal in Schweden etc. zu produzieren perfekt in diese Zeit?

EVERDEEN: Natürlich hat die Corona-Krise auch für uns als Band ziemlich große Auswirkungen. An erster Stelle natürlich der Ausfall unserer Tour, die im April hätte stattfinden sollen. Ebenso alle Festivals im Frühjahr und Sommer.
Die Möglichkeit mit unserer Musik Menschen live zu erreichen, wurde uns damit auch zu einem großen Teil genommen. Single und Album-Releases mussten verschoben werden. Das hat uns, wie viele andere Newcomer Bands und Künstler, hart getroffen und war wie ein Schlag ins Gesicht. Natürlich ist es auch finanziell gesehen nicht einfach, weil die wichtigste Einnahmequelle, das Live-spielen, einfach weggefallen ist. Das betrifft nicht nur uns Musiker in der Band, sondern auch das ganze Team wie bspw. Ton- und Lichttechniker, die bei Konzerten ein wichtiger Teil sind. Hinzu kommt die Ungewissheit darüber wann es wieder “normal” weitergehen kann. Auf der anderen Seite haben wir trotzdem versucht nicht in Stillstand zu verfallen und haben Vollgas weiter an unserem Album gearbeitet und verschiedene Livestreams gemacht, in deren Zuge wir auch neue Kontakte knüpfen konnten, die sonst vielleicht gar nicht zustande gekommen wären. Solche Kollaborationen mit anderen Künstlern und kreativen Menschen haben wir als unglaublich wertvoll erfahren. Wie du schon angesprochen hast, findet das bei uns auch auf länderübergreifender Ebene statt, wodurch man oft auch nochmals einen anderen Blick auf bestimmte Dinge in der Produktion bekommt. Das Arbeiten mit anderen Produzenten im Ausland, egal wo sie auf der Welt sitzen, klappt Dank der modernen Medien wirklich problemlos und sollte unserer Meinung nach auch weiter genutzt werden, denn wie man so schön sagt kennt Musik ja keine Grenzen 😉 Dadurch sind wir als Band nicht nur an den Ort gebunden wo wir leben. Darüber hinaus spiegelt diese Zusammenarbeit mit Produzenten aus anderen Ländern unsere Internationalität wider.

Wie erlebt ihr die derzeitigen Entwicklungen in den USA? Wie positioniert ihr euch und wie kann eine Band wie ihr sie seid einen Beitrag dazu leisten, dass bestimmte Dinge gesehen, gehört und verstanden werden?

EVERDEEN: Unser Gitarrist, Ian Stahl, gebürtiger Amerikaner hat die Ereignisse der vergangenen Woche sehr mitgenommen und die derzeitige Entwicklung der USA beschäftigt uns alle, da wir Familie und Freunde haben, die auf den Straßen in Amerika protestieren und für Gerechtigkeit kämpfen. Unseren Beitrag als Band sehen wir darin, uns ganz klar gegen die systemische Ungerechtigkeit in den USA zu positionieren, mit der die Afroamerikaner zu kämpfen haben. Durch unsere Stellungnahme wollen wir ein Bewusstsein schaffen und unsere Hörer dazu auffordern sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Es gibt viele Bands, die vermeiden politisch zu sein oder sich auf Bühnen politisch zu äußern. Inwiefern ist diese Zeit der Neutralität vorbei und warum sollte sich eigentlich jeder gegen Rassismus, Sexismus etc. positionieren

EVERDEEN: “Rage Against The Machine” sind wir nicht – also politische Aussagen sind nicht der Hauptinhalt unserer Musik – trotzdem glauben wir fest daran, dass man Musik sowie Kunst generell nicht gänzlich von der Gesellschaft und Zeiten trennen kann, in denen die Musik entstanden ist. Daher kann eine Band sich heutzutage nicht als neutral präsentieren. Wenn wir Stellung nehmen zu Themen, an die wir fest glauben, dann setzen wir ein Zeichen, dass Rassisten bei unserer Musik nicht willkommen sind. Auch wenn wir die Thematik der aktuellen sozialpolitischen Situation in unseren Songtexten nicht explizit aufgreifen, haben wir als Privatpersonen eine klare Meinung dazu und geben unser Bestes danach zu handeln und leben und diese Einstellung auch gegenüber unseren Mitmenschen zu repräsentieren.

 

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