EP-Review: Linn Koch-Emmery – „Waves“

Gastbeitrag: EP-Review: Linn Koch-Emmery – „Waves“

Linn-Koch-Emmery EP Review - Fotocredit: Jasmin Storch

Linn-Koch-Emmery EP Review – Fotocredit: Jasmin Storch

Gastautor Babak hat sich in die neue EP „Waves“ von Linn Koch-Emmery reingehört.

Breaking News: Der Sommer 2018 endet erst in drei Jahren. Zumindest lässt darauf ein aktuelles Plattencover aus Schweden schließen: Linn Koch-Emmery veröffentlichte letzten Freitag die „Waves“-EP auf popup-records. Zuvor machte die schwedische Singer-Songwriterin 2017 durch ihre „Boys“-EP und eingängigen Singles wie „Under The Sun“ auf sich aufmerksam. Erst vor wenigen Monaten durfte sich das Publikum des Reeperbahn Festival 2018 ein eigenes Bild vom jungen Talent machen. Mit im Gepäck waren damals bereits Titel aus „Waves“, welche seit dem 9. November erstmals auch als Studioversionen erhältlich sind.

Auf „Waves“ lässt die Schwedin kaum Raum für Winterdepression und Melancholie, verschwendet die knappen 13 Minuten Spielzeit mit keinerlei Platitüden zur dunklen Jahreszeit. Kaum auf „play“ gedrückt, brettert aus dem Opener mit „Don‘t Sleep On My Luv“ ein derart gewaltiger Uptempo-Hit, als hätten The Strokes einen mehrwöchigen Urlaub in der Karibik hinter sich und nun zur Hymne über die schönsten Urlaubserinnerungen angesetzt. Auf „You & I“ werden die Töne hingegen nachdenklicher, schon das anfängliche Riff lässt Erinnerungen an Fury in the Salughterhouse wach werden. Eine interessante EP soweit.

Doch auch diese Scheibe ist trotz kurzer Spieldauer alles andere als perfekt. Kleinere Abstriche müssen vor allem bei der verträumten Pop-Rock-Nummer „Wires“ gemacht werden, bei der man sich nie wirklich sicher ist, nicht doch bei einer B-Seite von Of Monsters & Men gelandet zu sein – nur um einige Fabelwesen ärmer, versteht sich. Der Titeltrack macht auf den letzten Metern wieder einiges wett, lässt Koch-Emmerys Stimme zwischenzeitlich im Mix versanden, um sie zum feierlichen Klimax wieder hervorzuholen. „When the waves start rolling in“ heißt es dann – und trifft genau ins Auge.

Wie zuvor auf „Boys“-EP, präsentiert sich Linn Koch-Emmery zwar als Solokünstlerin, könnte aber ebenso als eingespielte Dream-Rock-Band durchgehen. „Waves“ macht auf Anhieb Spaß, zeigt dabei, dass zuvor geäußerte Vergleiche mit Kolleginnen wie Courtney Barnett langsam in den Hintergrund rücken und Platz machen für einen eigenen melodischen Indie-Sound. Bitte mehr davon – ganz bald! Und wer weiß: Vielleicht scheint bis zur ersten LP die Sonne bis dahin auch wieder hierzulande. Ich ziehe mir erstmal Handschuhe über und drücke fleißig die Daumen.

Babak Khajehcoolacky ist Redakteur bei noisiv.de und moderiert u.a. die Radiosendung „St. Pauli Sound Canteen“ auf dem Hamburger Radiosender TIDE.radio. Auf Instagram ist er unter https://www.instagram.com/le_kidney/ zu finden.

 

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