Case Conrad

Case Conrad „A Tightrope Wish“ Rezension

Case Conrad Rezension von Ariane Seidl

Case Conrad Rezension von Ariane Seidl

Die Redakteurin Ariane Seidl hat sich das neue Album von Case Conrad angehört, das am 30. September erschienen ist.

Manchmal laufen Dinge ein bisschen anders als ursprünglich geplant. Manchmal laufen Dinge aber auch gleich komplett aus dem Ruder. Plötzlich entwickelt sich die Suche nach „diesem einen Lied“ auf YouTube zu einer Odyssee, bei der man erst drei Stunden und sechs Dokumentationen über tibetanische Forstwirtschaft später wieder zu sich kommt.

So ähnlich war das bei Case Conrad aus Schweden/Spanien – nur mit weniger Forstwirtschaft: Gustav Haggren, Robert Johansson und Petter Bengtsson hatten bei der Gründung 2009 eigentlich gar keine Lust aufs typische Band-Dasein. Alle waren sie schon zuvor in verschiedenen Musikgruppen tätig gewesen und nun gelangweilt von den üblichen Strukturen einer Band. Als sie The Case of Conrad (später kurz: Case Conrad) gründeten, hatten sie ein Projekt im Sinn, bei dem nach einem Album und, sofern es gut läuft, einer Tour auch wieder Schicht im Schacht ist.

Gut, dass ist jetzt ein bisschen eskaliert. Neben zwei zusätzlichen Mitgliedern, Per Henrik Adolfsson und Vasco Batista, können Case Conrad sieben Jahre später auch bedeutend mehr Tourerfahrung vorweisen als ursprünglich vorgesehen. Nicht zu vergessen die Veröffentlichung der beiden Alben “Dew Point” (2010) und “Leikko” (2013). Am 30.09.2016 erschien mit “A Tightrope Wish” ihr nunmehr drittes Album.

Aufgenommen wurde das gute Stück im Sauerland, wobei der Großteil schon nach fünf Tagen Live-Aufnahme in Sack und Tüten war. Trotzdem klingt das Album keinesfalls so, als hätte man es lieblos zwischen Tür und Angel zusammengeschustert. Das Gegenteil ist der Fall: Bereits die erste Singleauskopplung, “Heavy Metal Bars”, ist ein sorgsam arrangierter, flüssiger Song der bedeutend Lust auf mehr macht.

Überhaupt bleiben Case Conrad ihrer wunderbar individualistischen Art treu und lassen sich auch diesmal in keine strenge Formation pressen: Genau wie beim Vorgänger “Leikko” teilen sich Haggren und Adolfsson den Posten des Leadsängers. Eine etwas ungewöhnliche Vorgehensweise, die aber bestens funktioniert.

“A Tightrope Wish” sind zwei Jahre voller Gefühle und Themen, die tief reichend und kompliziert sind. Es geht um private und Tournee-Erlebnisse, Tod, Religion, Macht und den Umgang damit. Trotzdem ist es kein deprimierender Brocken, der einen nach unten zieht; kein Kloß, der einem im Hals stecken bleibt. Die elf Songs bieten einen angemessenen Rahmen um sich mit all dem auseinanderzusetzen. Ein rauchiges Album, das ernst genommen werde möchte.

Ernst nehmen sollte man Case Conrad auf jeden Fall. Allein schon, weil sie uns zeigen, dass man es immer ein bisschen anders machen kann als der Rest.

Text von Ariane Seidl

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