OK KID Interview

Soundkartell: Was hat sich seit eurem Debüt innerhalb der Band verändert? Seid ihr “erwachsener” geworden? Musstet ihr schon jetzt alte Rituale über Bord werfen?

Jonas: Wir sind mittlerweile echt so froh, dass wir zu dritt sind. Es ist ja teilweise auch nicht alles cool gelaufen bei den Trennungen teilweise aber auch schon, aber wir haben einfach gemerkt, dass wir drei krass gut funktionieren. Es gibt überhaupt gar keinen Streit mehr. Wenn dann mal kurz „Hey halt mal`s Haul du nervst mich grad!“ Das war`s dann aber auch und wir sind mittlerweile auch sehr offen, was vorher einfach nicht so war. Mit dreien kannst du keine Demokratie haben. Du kannst nicht zwei gegen einen abstimmen, weil dann ist der eine immer am Arsch. Deswegen ist bei uns immer viel mehr Empathie, dass man sich einfühlt in den anderen und dass du auch immer guckst, wie wichtig ist dem ein oder anderen die konkrete Sache. Das funktioniert super.

Soundkartell: Also wenn ihr mittlerweile schon so harmoniert und gesetzt des Falles einer müsste aus persönlichen Gründen aussteigen, dann würde es OK KID auch nicht mehr geben oder?

Jonas: Das kann man so nicht sogen, denn das ist auch noch so weit weg alles. Es kriegt von uns in den nächsten zwei Jahren auch noch keiner ein Kind! (Raffi, Moritz und Jonas lachen)

Moritz: Die Entscheidungen sind eigentlich jetzt so auch für die Band getroffen. Das war ja genau das Problem in der Band davor, dass andere eben vorhatten einen anderen Lebensweg zu gehen. Und das lässt sich halt gerade nicht vereinbahren, wenn jetzt einer von uns ein Kind bekommen würde.

Jonas: Wird sich aber auch in drei bis vier Jahren, wenn wir schon weiter sind nicht ausschließen.

Raffi: Es ist aber auch so, dass wir darüber noch nicht nachgedacht haben und in der Konstellation würden einfach darüber reden.

 

 

Soundkartell: Das Image der Stadt Gießen kennt ihr bestimmt und besingt ihr ja auch. Wurde auch mal als die hässlichste Stadt Deutschlands bezeichnet. Inwiefern ist Gießen aber trotzdem für euch persönlich eine immanent wichtige Stadt?

Jonas (lachend): Haben die mal so ein Ranking gewonnen oder wie?

Soundkartell: Es gab sogar mal so ein Ranking mit Foto auf der Bild!

Alle zusammen lachend: Jetzt ohne Scheiß? Krass!

Soundkartell: Ja ihr lebt in der hässlichsten Stadt Deutschlands!

Jonas: Ach da gibt es doch bestimmt noch so ne Stadt im Ruhrpott…

Moritz: Hagen soll ganz schlimm sein!

Jonas von OK KID live beim Konzert; Quelle: Markus Joachim

Jonas von OK KID live beim Konzert; Quelle: Markus Joachim

Soundkartell: Ja, beim Ruhrpott heißt das halt dann immer noch „Ruhpott-Charme“.

Jonas: Ja, Gießen…das ist die Prägung! Alles, das was in der Stadt passiert ist, hat dich geprägt. Irgendwann entfernt man sich allerdings davon. Also die meisten aus meinem Umfeld wollten zumindest raus aus der Stadt nach dem Abi und wollten was anderes sehen. So ist das ja auch mit der Familie. Man koppelt sich ab und nähert sich später wieder an. Die Stadt ist Teil von dir aber natürlich gab es da erstmal eine Abneigung, weil du dir denkst alles zu kennen und sagst dir: Ich will hier raus. Zehn Jahre bin ich jetzt nicht mehr da und dann fängt jetzt in meinem Alter – ich bin ja jetzt schon 30 (lacht) – so langsam die Rückbesinnung wieder an, dass man zu seinen Wurzeln wieder zurück kommt. Gießen ist einfach Teil von uns, Homebase der Band…hatten dort ja auch unsere ersten Aufritte, die erste Fanbase gehabt. Gerade als wir irgendwie rumgetourt sind, vor 5 Leuten gespielt haben und mit dem Sprit draufzahlen mussten, dann war das immer doch so „geil, das funktioniert ja doch!“ Und die Leute finden das ja gut, was wir machen.

Soundkartell: Gab es denn schon den Moment in dem ihr euch gesagt habt „Geil, wir können jetzt von dem leben, was wir gerne machen!“?

Jonas: Ja, wir verdienen mit der Musik unser Leben. Moritz und Raffi giben halt nebenher noch Unterricht, aber das ist schon auch…

Soundkartell: Komisch ist das schon, denn Friska Viljor können trotz ihrer sechs produzierten Alben immer noch nicht davon leben!

Jonas: Krass!

Raffi: Ja, also kam die Entscheidung genau das jetzt zu machen voll ins Blaue. Wir sind vor zwei Jahren nach Köln gezogen, da stand ja noch gar nichts. Noch nicht mal, dass irgendwann mal ein Label plant mit uns ein paar Platten aufzunehmen oder, dass ein Verlag interessiert ist. Sondern wir haben uns einen Zeitrahmen gesetzt und uns gesagt “So, wir machen das jetzt mal ein Jahr” und gucken eben jetzt, wie weit wir es in einem Jahr bringen können. Und letztendlich war das eigentlich so die Entscheidung, die das möglich gemacht hat.

Moritz: Es geht auch gerade nebenher gar nichts mehr. Also wie gesagt ich und Raffi haben noch ein zwei Unterrichtstage, aber ich merk` auch schon, dass das absolut am Limit verläuft. Also ich werde nach dem Sommer höchstens noch einen Unterrichtstag schaffen, weil das halt auch Zeit in Anspruch nimmt. Auch für den musikalischen Bereich, das geht eben nicht so aus dem Handgelenk geschüttelt.

Raffi: Wir produzieren auch sehr viel neben der Band und schreiben für XY!

Soundkartell: Gerade in Zeiten von Social-Media ist es doch heutzutage leicht vor allem in der Musikszene bekannt zu werden. Was leisten die sozialen Kanäle wie Facebook, Twitter, Google Plus usw. für euch als Band und das Management? Macht ihr das überhaupt selbst?

Jonas: Doch! Das machen wir alles selbst. Das ist halt der direkte Austausch mit den Fans. Youtube ist zum Beispiel Fluch und Segen zugleich, weil du halt auf der anderen Seite Leute hast, die meinen sie müssen dort ihre Meinung kundtun und so hast du eben auch teils einen Haufen Scheiß-Kommentare drunter. Aber so ist das eben und es ist ja auch geil, wenn uns Leute selbst anschreiben können und das die sich denken “Krass, die sind ja greifbar und schreiben auch zurück!”. Diesen Austausch gab es früher nicht.

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