Rezension: Mica Millar „A Little Bit of Me“

Mica Millar – A Little Bit of Me

Mica Millar „A Little Bit of Me“ Albumrezension; Fotocredit: Jasmine Allcock-Fox

A Little Bit of Me ist kein Soul-Album, das seine Unabhängigkeit demonstrativ vor sich herträgt – es klingt vielmehr nach der Konsequenz einer Künstlerin, die gelernt hat, ihrer eigenen Stimme zu vertrauen. Mica Millar schreibt, produziert und veröffentlicht ihre Musik weiterhin komplett selbst, doch auf ihrem zweiten Album geht es weniger um Selbstbehauptung als um Selbstfindung. Es ist eine musikalische Rückkehr zu sich selbst, entstanden nach Jahren intensiver Reflexion, persönlicher Herausforderungen und einer schweren Rückenmarksverletzung.

Die Zeit, die Millar allein in Südfrankreich verbrachte, prägt das gesamte Album. Zwischen Weinbergen, Flüssen und langen Tagen fernab des gewohnten Umfelds fand sie neue Perspektiven auf ihr Leben und ihre Kunst. Diese innere Reise spiegelt sich in den Songs wider, die sich Zeit nehmen dürfen und von einer bemerkenswerten Ruhe und Klarheit getragen werden. Inhaltlich bewegt sich A Little Bit of Me zwischen Ehrgeiz und Selbstfürsorge, Sehnsucht und Erkenntnis, Verletzlichkeit und Selbstermächtigung. Besonders eindrucksvoll gelingt dies in „Times Like These“, das den Blick auf das eigene jüngere Ich richtet und die Frage stellt, welche Opfer ein Leben für die Kunst mit sich bringt. „Oh Freedom“ fängt das Gefühl von Aufbruch und Befreiung ein, während „See You On the Other Side“ emotionale Übergänge und persönliche Veränderungen mit großer Offenheit thematisiert.

Musikalisch bleibt Millar dem Soul treu, erweitert ihren Sound jedoch um Einflüsse klassischer Girlgroup-Aufnahmen der Sechzigerjahre. Songs wie „It’s You“, „The Boardway“ und „A Little More Time for Love“ versprühen Wärme, Leichtigkeit und zeitlose Eleganz. Gleichzeitig beweist sie mit „Under My Skin“ ihre Fähigkeit, persönliche Themen wie Selbstbestimmung und Körperlichkeit sensibel und selbstbewusst zu verarbeiten. Der Titelsong „A Little Bit of Me“ bildet das emotionale Zentrum des Albums. Hier verdichtet Millar die zentrale Botschaft des Werks: den Versuch, jene Teile von sich selbst wiederzufinden, die über Jahre von Erwartungen, Anpassung und Leistungsdruck überlagert wurden. Die Erkenntnis, dass man sich selbst letztlich nie ganz verlieren kann, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album.

A Little Bit of Me ist ein reifes, ehrliches und atmosphärisch dichtes Soul-Album. Mica Millar verzichtet auf große Effekte und setzt stattdessen auf starke Songs, emotionale Wahrhaftigkeit und eine Produktion, die ihren Kompositionen Raum zum Atmen gibt. Das Ergebnis ist ein Werk voller Wärme, Verletzlichkeit und Selbstbewusstsein, das zeigt, warum sie zu den spannendsten Stimmen des modernen britischen Soul zählt. Es ist ein Album über das Zurückfinden zu sich selbst – und gerade deshalb ihr bislang stärkstes Statement.

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