New Found Land

New Found Land Interview „Ich sehe Musik nicht in Genres.“

New Found Land Albumreview "Lore"

New Found Land Albumreview „Lore“

Das Soundkartell hat der Musikerin New Found Land einige Fragen gestellt. Das ganze Interview zum Release ihres neuen Albums lest ihr hier.

Am Freitag erscheint das neue und vierte Studioalbum „Lore“ der mittlerweile in Berlin lebenden Pop-Musikerin New Found Land. Das Soundkartell hat mit der Musikerin über das neue Album, ihre Wurzeln, die Mythen und vieles mehr gesprochen.

Soundkartell: Du bringst jetzt am 27. Mai dein viertes Album “Lore” raus. Wo siehst du dich selbst mit diesem Release?

New Found Land: Ich habe mich recht hart und lange mit diesem Album beschäftigt, und während des Prozesses viel über Sachen, die für mich noch unbekannt waren, gelernt. Sowohl Dinge, die mich für die Texte inspiriert haben als auch produktionstechnischer Kram. Es ist ein schönes Gefühl endlich alles in der Hand zu haben und wenn ich Leute in den Prozess reinhole, ist es nur weil ich es möchte, nicht weil ich es muss. Ich bin über mich selbst und über „Lore“ recht stolz.

Du hast deinen Stil mehr ins Elektronische gewechselt. Aber du hast dir immer noch den gewissen “Pop­Appeal” behalten. Vor allem in deinem Track “Chateau” ist das Pop­Element immer noch stilprägend. Wie groß war die Angst dich zu weit von deinem ursprünglichen Sound und deinem “älteren” Pop­Style zu entfernen?

Oh, wenn ich Songs schreibe und produziere ist sehr wenig Angst im Umlauf. Da geht es eher Richtung Größenwahn. Ich versuche in einen Modus reinzukommen wo sich alles möglich anfühlt und stelle mir vor, dass alles was ich mache abgefeiert wird. Bei dem Lied „New Found Land“ hatte ich zum Beispiel einen großen, dampfigen Club, wo ich auf der Bühne bin, im Kopf. Und das Lied ist dann eine Art Ode an das Publikum und das was zwischen Künstler und Publikum entsteht und fast psychisch werden kann. Zudem sind die meisten Popsongs heutzutage weniger als „Band­Band“ aufgenommen und eher durchproduziert mit vielen Samples, Synthies und anderen elektronischen Elementen. Die Herausforderung ist, finde ich, immer im Kontakt mit dem Boden, dem Dreck zu bleiben, so dass Musik sich immer organisch anfühlt. Deswegen mische ich zum Beispiel einen Synthesizer mit einem Saxophon oder nehme Percussion immer live auf (es gibt einen geilen Welt­Percussionsladen in der Nähe von meinem Studio, da gehe ich immer wieder vorbei und kaufe mir irgendeine Schamanenrassel, die meinen Arrangements noch mehr Charakter geben kann).

Du sagst selbst, dass du dich jetzt mit Themen auseinandersetzt mit denen du dich vorher persönlich noch nicht beschäftigt hast. Wie schwer ist es denn sich mit Themen dann auch tiefer in den Songs zu beschäftigen, die dir nicht vertraut sind?

Schwer wäre eher genau das gleiche zu machen wie vorher. Viele Künstler benutzen ja das Songwriting als ein Art Therapie, und das habe ich auch fast zu 100% auf meinen früheren Alben gemacht. Diesmal hat es nicht immer bei mir selbst angefangen, auch wenn die meisten Songs, wie Charaktere eines Schriftstellers, am Ende doch immer ein bisschen von mir enthalten. Dazu benutze ich meinen Künstlernamen als eine ständige Erinnerung für mich selbst, neue Wege zu finden und nie zu bequem zu werden.

 

„Ich finde es immer spannend mit neuen Personen zu arbeiten, dann strengt man sich einfach ein bisschen mehr an, weil man sich nicht so bequem fühlt und noch keine eingespielten Rollen hat, sondern man die anderen noch eher beeindrucken will. „

 

Was ist eine deiner prägenden Charakteristika, damit du dir die Fähigkeit behältst dich mit komplett neuen Themen zu beschäftigen?

Jede Stimme hat Charakter, und meine Stimme hat, auch wenn sie sich über die Jahre ändert oder entwickelt hat, durchgehend auf all meinen Songs einen zentralen Platz. Zudem sind Rhythmus und Melodie die für mich wichtigsten Bestandteile wenn ich Songs schreibe, so war es von Anfang an, und so ist es auch auf „Lore“.
New Found Land Albumreview "Lore"

New Found Land Albumreview „Lore“

Mythen sind ein wichtiger Bestandteil deiner Songs. Hast du einen bestimmten Lieblings­Mythos von dem du auch heute noch beeindruckt bist? Und warum?

Es ist am Ende kein Lied geworden, aber ich finde die (wahre) Geschichte aus dem Antiken Rom über die Vestalinnen sehr spannend. Der Vestalinnen waren alle Jungfern und ihre Hauptaufgabe war das Hüten des Herdfeuers im Tempel der Vesta, das niemals erlöschen durfte. Wegen ihres Amtes hatten sie auch eine für Frauen ungewöhnliche Rolle in der Römischen Gesellschaft, denn sie durften sich alleine (ohne Chaperon) in der Stadt bewegen und sie waren oft bei politischen­ oder Gerichtsfragen nach ihrer Meinung gefragt. Während ihrer Dienstzeit waren die Vestalinnen zur Keuschheit verpflichtet. Wenn sie mit jemanden geschlafen haben oder das Herdfeuer erlusch, mussten sie sterben. Aber da sie heilig waren, durfte der Staat sie nicht töten. Deswegen war es sehr clever gemacht, dass die durch einen Schacht in ein kleines Zimmer abgesenkt wurden, da gab es eine Chaiselongue, eine Kerze, Essen und Getränke für ein paar Tage. Dann sind sie da im Unterirdischen langsam verhungert, ohne dass der Staat seine Hände schmutzig machen musste.

Auf deinem Album hast du mit Stefan Wittich und Patrick Reising von Tele aus Berlin zusammengearbeitet. Aber auch mit deinen Landsmännern Simon Nordberg und Per Eklund. Gibt es von beiden Seiten jeweils ein divergierendes Element, also ein Schwedisches und ein Deutsches, die du beide vereint auf deine neue Platte gebracht hast?

Die Frage ist schön formuliert, aber eigentlich ist das alles nicht so kompliziert. Stefan und Patrick spielen seit 2012 beide mit mir wenn ich Live auftrete. Die sind beiden tolle Musiker und es war super, dass ich während der Produktion Sachen mit ihnen ausprobieren und aufnehmen könnte. Mit Per und vor allem Simon, der für mich im Produktionsprozess eine Art Mentor war, war das eine ganz neue Zusammenarbeit. Ich finde es immer spannend mit neuen Personen zu arbeiten, dann strengt man sich einfach ein bisschen mehr an, weil man sich nicht so bequem fühlt und noch keine eingespielten Rollen hat, sondern man die anderen noch eher beeindrucken will.

Es gibt mittlerweile so unfassbar viele Pop­Künstler im Musikuniversum. Wie erklärst du dir die Tatsache, dass wir aber immer noch nicht satt sind an Pop-Musik?

Ja ich kann nur für mich selbst sprechen, ich bin ewig am „Sucken“ nach guten Melodien. Zudem sehe ich Musik nicht wirklich in Genres. Es gibt unfassbar viel Musik, und ein Teil davon klingt in meinen Ohren gut oder bewegt mich, alles andere versuche ich einfach auszublenden. Was aber extrem wichtig ist, ist dass wir bald eine Lösung finden mit der Künstler und Urheber geschätzt und fair bezahlt werden, in Bezug darauf wie wichtig Musik in unserem Leben und für die Gesellschaft ist.

Welche Rolle spielt New Found Land mittlerweile in deiner Heimat Schweden (Musikszene) und jetzt in Berlin? Fühlst du dich etabliert?

Ich kam 2007 als Austauschstudentin nach Berlin, habe meinen Mann Moritz kennengelernt und wir kehrten nach meinem Studienabschluss in Schweden, zusammen nach Berlin zurück. Das heißt ich habe seit Anfang meiner Karriere nur in Deutschland gewohnt. Ein Grund warum wir geblieben sind, ist sicher dass wir beide als Künstler einen Platz in Deutschland gefunden haben. In Schweden haben wir zwar auch Fans, aber da kann man die 3 Großstädte spielen und das war es dann. Es gibt nicht so viele Levels, entweder bist du BIG und spielst überall. Das sind dann so 3 Künstler pro Jahr, die das schaffen, oder du bist halt KLEIN und musst um diese 3 Shows sehr hustlen. In Deutschland gibt es mehr Möglichkeiten zu touren und Airplay zu haben, und das macht einfach mehr Spaß.

Welcher ist dein persönlicher perfekter Ort in Berlin an dem sich sowohl deine schwedische wie auch deine mittlerweile deutsche Seite wohl fühlen?

Ich habe ein paar sehr gute schwedische Freunde in den letzten Jahren in Berlin kennengelernt, und dass war für mich sehr wichtig. Als Ausländerin werde ich immer ein bisschen anders sein, mich ein bisschen schief ausdrücken, oder nicht immer alles Geschehene verstehen oder mithalten können. Dann ist es einfach sehr schön eine schwedische Fika (Nein, das geht nicht ums Nackig sein, das ist zusammen über einen Kaffee & etwas Gebäck ein bisschen zu ventilieren) mit einem/r schwedischen Freund/in zu machen, und mich auf schwedisch mit allen Nuancen und gemeinsamen Referenzen ausdrücken zu können.

 

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