Konzert: THOM YORKE in Berlin

Thom Yorke live im Tempodrom

Thom Yorke live im Tempodrom in Berlin - Credit: MCT Agentur

Thom Yorke live im Tempodrom in Berlin – Credit: MCT Agentur

Letzten Freitag war der Radiohead-Frontmann zusammen mit Produzent Nigel Godrich für ein exklusives Konzert im Berliner Tempodrom zu Gast. Wie Yorkes Solo-Ausflüge im Live-Kontext funktionieren, könnt ihr hier lesen.

Cellist Oliver Coates eröffnet den Abend

Wer es an diesem schwülen Sommerabend überhaupt auf sich nimmt, sich in das ausverkaufte Tempodrom zu schieben, hat von vorn herein schon mal Respekt verdient. Für Thom Yorke nimmt man das aber gerne auf sich, auch ohne seine Band. Bevor seine Jünger aber in den Genuss einer Deutschland-exklusiven Performance des Radiohead-Frontmanns kommen, gibt es erst einmal eine gute halbe Stunde minimalistische Beats und atmosphärische Cello-Klänge von Oliver Coates. Wem die Musik des Briten entfernt bekannt vorkommt, hat nicht Unrecht. Schließlich war er auch am letzten Album von Radiohead, „A Moon Shaped Pool“ beteiligt. Leider geht sein Set heute etwas unter. Coates ist in erster Linie Filmkomponist und für die bereits von der Hitze ausgelaugten Yorke-Fans fordern die Kompositionen dann doch etwas mehr Aufmerksamkeit, als sie an diesem Punkt noch aufbringen können.

Mehr Rave als Rockkonzert

Als Yorke dann endlich gemeinsam mit dem langjährigen Radiohead-Produzenten und Atoms For Peace Bandkollegen Nigel Godrich auf die Bühne geht, wird schnell klar, dass man hier Zeuge von etwas Besonderem wird. Das Publikum ist ähnlich euphorisch wie bei Radiohead-Konzerten aber irgendwie deutlich entspannter. Man fühlt sich eher wie bei einem Rave, als bei einem Konzert. Yorke eröffnet den Abend mit Songs aus seinem letzten Solo-Album „Tomorrow‘s Modern Boxes“. Das Album ist zwar schon vier Jahre alt, steht aber trotzdem im Zentrum des Abends und ist Anlass für die Tour. Besser spät als nie!

Er weiß aber auch, dass die meisten Fans auf Songs seines ersten Solo-Werks „The Eraser“ warten. Dem Album, mit dem er 2006 bereits gezeigt hat, dass er auch ohne Johnny Greenwod und Co. im Rücken einiges zu bieten hat. „Black Swan“ löst im Publikum dann alle noch vorhandenen Krämpfe und selbst auf den Rängen wird getanzt. Aber nicht so schön und in scheinbarer Selbstvergessenheit wie Yorke selbst. Dass er durchaus tanzen kann, weiß man ja spätestens seit dem grandiosen Musikvideo zu „Lotus Flower“.

Thom Yorke live im Tempodrom in Berlin - Credit: MCT Agentur

Thom Yorke live im Tempodrom in Berlin – Credit: MCT Agentur

Hypnotisierende Visuals

Abgerundet wird die Performance von Tarik Barri, der mit seinen stimmungsvollen Visuals den Hintergrund für Yorke und Godrich stellt. Seine Kunst wird zu einem wesentlichen Bestandteil der Show. Die Kombination aus seinen wabernden Formen und Farben und Yorkes Selbstinszenierung ist absolut hypnotisierend. Oft denkt man sich bei Konzerten, dass es auch ein einfacher Backdrop getan hätte, anstatt den uninspirierten und stumpf auf den Beat angepassten Projektionen. Heute ist das anders. Ohne Tarri wäre die Show nur halb so gut.

Drückende Beats statt andächtige Balladen

Als vorerst letzten Song gibt es dann „Default“ vom Atoms For Peace Album, in einer noch drückenderen Version als auf Platte. Ein perfekter Abschluss für einen großartigen Abend.

Um die Fans „in den Abend zu entlassen“, wie Yorke es formuliert, haut er dann doch noch einen Radiohead-Song am Klavier raus. „Spectre“ war ursprünglich als James Bond Titeltrack gedacht. Den Verantwortlichen war der Song dann aber doch etwas zu getragen um den Martini schlürfenden Geheimagenten zu repräsentieren. Auch wenn es wahrscheinlich als Fan-Service gemeint war, ich hätte lieber noch einen Song lang mit Yorke weitergetanzt. Die tieftraurigen Klavierballaden darf er dann gerne wieder bei der nächsten Radiohead-Tour auspacken.

2 Antworten zu “Konzert: THOM YORKE in Berlin

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