Kino-Tipp: LETO

Rock-Idole sterben immer zu früh: LETO – Rock, Love & Perestroika

LETO - Rock, Love & Perestroika. Ab dem 8.11.2018 im Kino

LETO – Rock, Love & Perestroika. Ab dem 8.11.2018 im Kino

Für das Soundkartell durfte Redakteur Wolfgang Baustian vorab das russische Rock-Biopic sichten. Hier seine Eindrücke ohne großen Spoiler-Alarm:

Bis heute ist es der russischen Musik nicht gelungen, zu uns durchzudringen. Dafür gab es verschiedene Gründe: der kalte Krieg, starre Strukturen, bewusste Abschottung, aber auch das sprachliche Problem. Doch auch der tiefe Osten hat seine musikalischen Idole – oder in der Vergangenheit gesprochen, hatte seine Idole. Eins davon war der rebellische Wiktor Robertowitsch Zoi samt seiner Band Kino, die sich zwar bereits 1974 gegründet hatte, aber erst durch Gorbatschow sowie der Perestroika 1996 den ganz großen Ruhm erreicht haben.

Wiktor sowie der Band Kino ist der Film LETO gewidmet und spielt in Leningrad in den Achtzigern, wo unter anderem ihr erstes Konzert im dortigen Rock-Club stattfindet. In den überwiegend schwarzweißen Bildern wird dem Zuschauer ein Einblick in die damalige Underground-Szene gegeben, die im Versuch sich den aufgezwungenen Regeln entgegen zu stemmen und mit ihrer Musik Sprachrohr der Jugend zu werden, oft an Politkommissaren oder sonstigen Sittenwächtern scheitert.

Jedoch schafft LETO auch die typisch wilde und aufbegehrende Jugend aufzuzeigen, zwischen vertanen Chancen, falschen Idolen, unglücklicher Liebe und frustrierenden Realismus. Denn selbst in Russland gilt: steter Tropfen höhlt den Stein. Auch wenn der Wind von Glasnost und Perestroika längst in den Steppen der Tundra entschwunden ist, kann sich auch das heutige Russland nicht gänzlich den modernen Ideologien der westlichen Welt verschließen. Sonst würde es wohl auch keine Filme wie LETO geben, der übrigens eine russisch-französische Co-Produktion ist.

Dem Regisseur Kirill Serebrennikow ist es hervorragend gelungen, gerade durch den fast durchgängigen Schwarz-Weiß-Look sowie authentisch aufbereiteten Locations, das Gefühl der pulsierenden Underground-Rockszene Russlands so hautnah wie möglich wiederzugeben. Aber auch das beklemmende Gefühl, dass zu der Zeit nichts ohne Zustimmung der herrschenden Obrigkeit geschieht und der Einfluss sowie die Kontrolle allgegenwärtig sind. Nichtsdestotrotz hat es Wiktor Robertowitsch Zoi mit seiner Band Kino geschafft, alle Ketten zu sprengen und ihren kritischen als auch kontroversen Texten den Nerv einer ganzen Generation zu treffen.

LETO - Rock, Love & Perestroika: Mike und Wiktor im Rock-Club Leningrad (Foto-Credit Margaritta Ivanova)

LETO – Rock, Love & Perestroika: Mike und Wiktor im Rock-Club Leningrad (Foto-Credit Margaritta Ivanova)

Bis zu seinem frühen Tod 1990, wo Wiktor bei einem Autounfall viel zu früh verstarb. Eines der wenigen Dinge im Auto, die unbeschadet den Unfall überstanden hatten, war eine Demo-Kassette mit unveröffentlichten Songs, die posthumen zu einem letzten Album verarbeitet worden sind. Wie gesagt, auch der Osten hat/hatte seine Idole. Das zu mindestens ist in dem Teils schon unkonventionellen Film die Grundlage für eine Geschichte, die aus einer Tragödie einen Helden macht. Auch wenn der Film für russische Kinobesucher bestimmt einen ganz anderen Stellenwert haben wird, als für uns „Westler“, bleibt er dennoch ein sehenswerter Einblick in eine für uns (fast) verschlossene Welt. Vielleicht nicht so schillernd wie aktuell Bohemian Rhapsody (Link), eben anders … aber bestimmt nicht schlechter!

LETO kommt am 8.11.2018 in die deutschen Kinos und das Soundkartell verlost dafür 2×2 Karten. Schreibt dazu eine Email mit dem Betreff LETO bis spätestens den 09.11.2018 um 15.00 Uhr an soundkartell@gmail.com – viel Glück – счастья!

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