Ostermontags-Interview: Jonathan Kluth

Jonathan Kluth im Gespräch: „Alles soll schneller und besser funktionieren.“

Jonathan Kluth mit seinem Debütalbum; Credit: Thorsten Dirr

Jonathan Kluth mit seinem Debütalbum; Credit: Thorsten Dirr

Am 11. April war es endlich soweit und der Singer-Songwriter Jonathan Kluth hat mit „Ophelia“ sein Debütalbum herausgebracht. Das Soundkartell hat sich exklusiv zum Release mit dem Künstler unterhalten. Ein schönes Ostermontag-Geschenk. Dabei ging es um die Band Abby, sein altes Auto und natürlich um sein Album.

Soundkartell: Jonathan, du hast ja in Mannheim an der PopAkademie studiert. Ein Teil der Band Abby hat dort auch studiert. Das Album hat nie wirklich eingeschlagen. Warum wird dein Debüt ein Erfolg?

Jonathan Kluth: “Abby ist eine fantastische Band und ich glaube, das Debüt ist für sie ein super Start gewesen. Es gibt so viele Dinge, die den Erfolg oder Misserfolg eines Albums beeinflussen. Je länger man an seinem ersten Album arbeitet und feilt, desto schwerer wird das Gewicht, das es bekommt. Alles soll noch schneller und noch besser funktionieren. Ich glaube, dass das nicht der Sinn eines authentischen Albums ist, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen und ein Künstler die Möglichkeit haben muss, sich zu entwickeln.”

Soundkartell: Bist du mit diesem Release nun genau dort, wohin du dich seit deiner ersten EP gewünscht hast?

Jonathan Kluth: “Ja. Es ist ein ehrliches, freies Album geworden. Es hat alle Seiten und Facetten, die zu meiner Musik gehören, die sich über das letzte Jahr in Songs zusammengefunden haben. Und alles bleibt in der Familie. Wir haben unser eigenes Label, sind unabhängig und brauchen uns von niemandem was sagen lassen. Das ist ein gutes Gefühl und auf jeden Fall das, was ich mir für dieses Album gewünscht habe, ja.”

„Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren.“

Soundkartell: Dein größter Wunsch war es damals im Interview niemals einsam sein zu müssen. Hast du nicht ein wenig Angst, dass dich bei dem anstehenden Trubel nicht doch danach sehnst, mal für dich sein zu dürfen?

Jonathan Kluth: “Klar, so Momente gibt es immer. Aber die Zeit für sich selbst muss man sich nehmen, egal was man macht. Das ist auch ohne Trubel und ohne Album wichtig.”

Soundkartell: Worum geht es in “Getting There”? Und inwiefern ist das ein guter Vorbote für dein Album “Ophelia”?

Jonathan Kluth: “Der Song handelt vom Durchdrehen und Erwachsen werden. Je älter man wird, desto mehr Fragen und Herausforderungen stellen sich einem. Man darf davor keine Angst haben und sollte gleichzeitig auf keinen Fall vergessen, wer man ist. Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren und ich habe mich oft gefragt, wie die Welt und das, was im Hier und Jetzt stattfindet, wohl in zehn oder zwanzig Jahren aussieht. Das entscheiden wir jeden Tag mit und darüber sollten wir uns bewusst sein und nicht davor zurück schrecken. In „Getting There“ steckt viel von dem was ich mit meiner Musik machen will, er ist abwechslungsreich und schnell. Es sind auch viele Sachen aus dem ersten Demo drin geblieben, weil irgendwie alles direkt stimmte. Deshalb ist er auch der erste Song geworden, mit dem wir rausgehen wollten.”

Jonathan Kluth mit seinem Debütalbum; Credit: Thorsten Dirr

Jonathan Kluth mit seinem Debütalbum; Credit: Thorsten Dirr

Soundkartell: Welches dieser unter dem Namen deines Album auftauchenden Phänomene kommt deiner Platte am ähnlichsten: Ein Hurrikane 2005 in in den USA oder kommt es doch eher einer der seltenen Rosensorten gleich? Oder beides?

Jonathan Kluth: “Ich würde sagen, beides ist dem Album ähnlich, allerdings nicht der schreckliche Schaden, den der Wirbelsturm angerichtet hat. Ophelia ist der Name meines Albums, ich wollte weder eine Anspielung machen noch auf etwas Bestimmtes abzielen. Es gibt aber viele Parallelen, die sehr gut zu den Songs und zu der Stimmung passen. Ganz nah dran ist auch die Figur „Ophelia“ aus Hamlet, ein liebeskrankes, emotionales und tragisches Wesen. Es gibt ein paar Stellen auf dem Album, die sehr gut zu Ihrer Geschichte passen.”

Soundkartell: Welche Themen verarbeitest du in deinem neuen Album?

Jonathan Kluth: “Die meisten Songs sind letztes Jahr entstanden, ich habe mir viel Zeit genommen, um zu reisen, zu grübeln und zu schreiben. Die meisten Themen in meinen Songs kommen direkt aus meinem Leben oder aus dem Leben meiner Freunde und Familie. Komplexe und undurchsichtige Situationen, Gefühlswirrwarr, Wut und Lebensfreude, Lust, Spaß, tiefe Melancholie und Stille. Manche Songs sind in 5 Minuten entstanden, an anderen habe ich mehrere Tage und Wochen geschrieben.”

Soundkartell: Du hattest mal in einem anderen Interview (Juli 2013) gesagt, dass du schon gespannt bist, welche Titel es auf dein erstes Album schaffen. Bist du vollkommen zufrieden damit, so wie das Album jetzt steht?

Jonathan Kluth: “Ich bin sehr zufrieden mit dem Album! Es sind noch einige Songs dazugekommen, alte Sachen wurden wieder ausgegraben.. Wir hatten eine unvergessliche Zeit im Studio, haben wenig geschlafen und viel Spaß gehabt. Die Grundsteine haben wir im Trio in zwei Tagen live aufgenommen und danach mit ein paar zusätzlichen Sounds und Elementen fertig produziert. Das Ganze hat dadurch einen eigenen Charakter bekommen und reicht von leisen, zerbrechlichen Momenten bis zu lauten Ausbrüchen. Mir war sehr wichtig, dass wir viel Dynamik auf dem Album haben, viel Leises und viel Lautes. Ich glaube, das ist uns auch gelungen.”

Soundkartell: Letzte Frage: Bist du immer noch im Besitz deines VW Polos Jahrgang 1990 und deinem VIP-Ausweis vom Southside?

Jonathan Kluth: “Leider nicht, er hat letztes Jahr beschlossen, nicht mehr anzuspringen. Sein Nachfolger ist ein zwei Jahre jüngerer Polo in Knallgrün und hat sich direkt in den Autoszenen im Video zu „Getting There“ verewigt.” 🙂

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