Im Plausch mit Say Yes Dog – Luxemburg und der Synthie-Pop-Potpourri-Topp

Im Plausch mit Say Yes Dog

Say Yes Dog im Plausch mit Nele

Say Yes Dog im Plausch mit Nele

Nele hat sich mit Say Yes Dog zum intensiven Plausch verabredet.

Heute wollen wir Euch eine kulinarische Spezialität aus dem Kochtopf der Synthie-Suppenküche präsentieren! Trommelwirbel bitte für die drei Burschen, die weder Fisch noch Fleisch noch Tofu sind und einem locker-flockig-leicht wie Tetrapacksekt in der strahlenden Mittagssonne auf der Zunge zergehen – Hallo an die Luxemburger Spatzen von Say Yes Dog! Applaus, Applaus! Wobei wir direkt gestehen müssen, dass die Guten lediglich zu 33,333 % aus Luxemburger Genen bestehen … Also genauso kulinarisch wie Krebsfleischimitate in Inside-Out-Rolls beim Sushi-Laden um die Ecke. Luxemburg klingt eben cooler als Berlin, in dem Land der Mehrsprachigkeit gibt es keine weiteren sechs Synthie-Pop Bands in Deinem Treppenhaus! Da gibt es Käse und käsig klingende Dialekte, womöglich sogar mehr Sprachen als Synthie-Pop-Bands … Man macht also tierisch den Stecher, wenn man Say Yes Dog heißt und sich dort mal für‘n Stündchen auf den Marktplatz stellt. Und auch Punkt zwei in Sachen Coolness geht an Luxemburg, denn das kleine, feine Land zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland, da, wo der Goldtopf am Ende des Regenbogens steht, man Senf auf seinen hochgeschätzten Kochkäse schmiert und sich diesen – wenn es denn sein muss – sogar per Post ins Ausland nachschicken lässt, hat ordentlich Knete unter der Musikförderungs-Matratze versteckt! Schwupp, da wird ’ne Band mal eben mir nichts dir nichts mit ’nem Säckchen Kleingeld um die Welt geschickt! Südkorea, Japan, Vietnam, Indien, Ghana. Alles Länder, in denen die drei Burschen der Band bereits gewesen sind. Im Namen Luxemburgs versteht sich. Falls Ihr also jemals vorhaben solltet, eine Band zu gründen, sorgt dafür, dass eine/r von Euch aus Luxemburg kommt! Reicht schon, wenn der Pass das suggeriert. Das klingt erstens viel hotter und zweitens, ja zweitens hat das nur Vorteile! Ominöserweise könnte es allerdings passieren, dass Ihr in Ghana im Gefängnis landet, Euch irgendwie vor dem King of Accra aus der Affäre ziehen müsst und in Indien an italienischer Pizza zugrund geht. Das passiert allerdings nur, wenn Ihr fester Bestandteil der Band Say Yes Dog seid und ’nen chronischen Hang zu verkrachten Existenzen habt …

Wir haben uns mit den Dreien, Limo schlürfend und Bierchen zischend, zu einem Plausch getroffen und Nachforschungen dahingehend angestellt, wieso, weshalb, warum die Boys eigentlich so sweet sind, 30 das neue 20 is’ und wie man es eigentlich überhaupt schafft, mit ’nem vorgehaltenen Maschinengewehr aus ’nem Taxi gezogen zu werden. Oh, und kein Grund zur Beunruhigung – die bellen nur, die beißen nicht!

Zwischen Späti, Spezi und Spelunke

Dunkel war‘s, die Grillen zirpsten, Menschen lachten und pöbelten. Ein lauer Donnerstagabend im Park, beim Späti des Vertrauens, zusammengekauert auf der nächstbesten Bordsteinkante. Ja, Say Yes Dog und meine Wenigkeit dachten, dass wir’s den Abend stillvoll angehen lassen (…) Und dazu gehört eben auch ein ordentlicher Kater, übertriebener Schlafmangel, Dreck an der Hose, am Hemd, in den Schuhen und im Schlüpper. Die drei Jungs wirkten ein wenig sediert – zugegebenermaßen waren wir alle ein wenig drüber. Das Interview, welches nun neben einem Sechserpack Bier und bayrischen Medizinstudenten stattfand, die sich lautstark über Leberzirrhose und Prostatakrebs unterhielten, sollte ursprünglich in aller Frische früh morgens in einem gemütlichen Café hier in Hamburg passieren! Was allerdings dazwischen kam, war der Tour-Auftakt von Fil Bo Riva einen Abend zuvor in der Großen Freiheit. Dort waren die Lieben nämlich einerseits Support, andererseits führt der gute Aaron ein Doppelleben als Bassist bei Fil Bo Riva!

„Kennengelernt haben wir uns bei ’ner Listening-Session im Studio für das neue Faber-Album. Da waren wir unten im Hof, Felix hat gefurzt und ich konnte ihm sagen, was für’n Ton das war. So sind wir Freunde geworden.“, erzählt Aaron, Vocals und Keys der Band.

Ja, das Leben schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten! Doch noch bevor Zuckerschnute Aaron auf Felix (Fil Bo Riva) traf, lernte er den lieben Paul kennen, der ihn heute on stage, live und in Farbe tatkräftig mit dem Bass unterstützt und immer ein verschmitztes Lächeln parat hat. Diesen traf er – Obacht, Klassiker – auf der Schule! Pascal wiederum, der Süße an den Drums, schlich sich dann irgendwann im Laufe ihres Musik-Studiums in Den Haag dazu. Und dann passierte, was an dieser Stelle eigentlich immer passiert und irgendwann gezwungenermaßen passieren muss – das übliche Tamtam! Na, Ihr wisst schon … Band-Gründungen verlaufen schließlich überall auf diesem Planeten gleich. Man nehme zwei bis sechs total schräge Charaktere, drückt denen im Verlaufe ihrer bewegten Jugend ’ne Gitarre in die Hand und sperrt sie zusammen mit den Beatles in einen Raum. Und schwupp erblickten Say Yes Dog im Jahre 2012 das Licht der Welt! Also, so ungefähr. Aber auf jeden Fall nichts anders.

Zwei, drei Loops auf der Achterbahn clubbiger Clubsounds

Wenn man nun den Sound der Dreien beschreiben will, sollte man auf jeden Fall vermeiden, in der Indie-Schublade zu wühlen. Am besten einfach gar nicht wühlen … Gelegentlich kramen Menschen nämlich Depeche Mode aus ihrer Kommode der musikalischen Ergüsse und fangen dann an, Thesen aufzustellen, dass Say Yes Dog und zuvor Genannte aus dem selben Stoff geschneidert seien! Das is’ ungefähr so, als würde man sich seine Socken über die Arme ziehen wollen.

„Wir haben jetzt nach den Jahren herausbekommen, dass wir irgendwie in Holland immer so von älteren Männern angesprochen werden, die uns dann mit denen vergleichen. Witzigerweise immer in Holland und immer von so Typen um die 40/50.“

Say Yes Dog im Plausch mit Nele

Say Yes Dog im Plausch mit Nele

Vielleicht ist es hin und wieder an der Zeit, auszumisten und an der Altkleidersammlung musikalischer Werke vorbeizufahren… Say Yes Dog kommen nämlich ursprünglich aus der Richtung „Clubbige Club-Musik“, wie Aaron sie selbst so schön beschreibt! Tracks zum Tanzen, smoother Groove, damit auch der letzte Musikmuffel auf der Tanzfläche mit dem Hüftchen schwingt und sich die Schmalzlocke, die sich über’s Gesichtchen kringelt, nach oben biegt. Mittlerweile ist aus dem Ganzen wieder ein Bandprojekt geworden, was man nicht zuletzt auf ihrem neuen Album „Voyage“, welches am 10. Mai raus in die Welt katapultiert wurde, deutlich heraus hören kann!

„Zum Beispiel ‚Deep Space‘, so’n relativ schönes Lied, so ein schöner Song einfach (…) Ich weiß nicht, ob wir sowas früher gemacht hätten und nicht gesagt hätten: öh ne, das is’ uns irgendwie zu schön“, so Aaron.

Say Yes Dog haben sich weiterentwickelt, ohne Eile, frei aus dem Bauch heraus und ohne großartig darüber nachzudenken. Auf dem neuen Album kommen nun endlich auch wieder echte, erwachsene Instrumente aus ihrer Versenkung gekrochen! Da gibt’s klirrende Gitarren, liebliche Melodien und, pssst, ja, manche Zungen würden vielleicht sogar behaupten, dass man dem Ganzen einen Hauch der Heiterkeit entnehmen könne! Diejenigen unter Euch, die mit einem ausgezeichneten Musikgeschmack gesegnet wurden und bereits in ihr Vorgänger-Album „Plastic Love“ gehorcht haben, werden feststellen, dass die Jungs Verfechter eines doch sehr loopbasierten Clubsounds sind! Lasst Euch nur mal „A Friend“ durch die Öhrchen rieseln. Leicht und seicht, verspielt, ein wenig melancholisch, launisch, mit ’nem Takt, der quer von A nach B durch die Weltgeschichte hüpft und sich für die nächsten 78 Stunden in Deinem Kopf einbrennt. Beide Alben, „Voyage“ und „Plastic love“, jung und weniger jung, sind quadratisch, praktisch, tanzbar, gut! Platten, auf denen ein schwingendes Tanzbein hin und wieder im Brei der Emotionen herumstampft.

Innen hui, außen hui

Ach, und dann gäb’ es da noch zu sagen, dass sich das neue Album wirklich ausgesprochen gut auf dem Sammler-Schrein schnuckelig aussehender Platten macht! Die Artworks sind wie ihr Sound sehr minimalistisch gehalten und können im Falle eines Falls, selbst wenn man die Burschen absolut furchtbar finden sollte, immer noch als stylisches Deco-Accessoire neben die drei Topfpflanzen und den Katzenbaum im Wohnzimmer gestellt werden (…) Hinsichtlich des Prozesses der musikalischen Befruchtung, hat sich seit „Plastic Love“ eigentlich nicht so viel geändert. Jede Say Yes Dog Platten-Geburt verläuft wie folgt: Ideenschnipsel werden in den Synthie-Pop-Potpourri-Topp geschmissen, dann setzen sich alle zusammen hin und mischen so lange an der Pampe herum, bis sie nach guter Mucke schmeckt und einem ordentlich einheizt! Bei „Voyage“ war es so, dass sie einige der Zutaten, sprich diverse Songs, schon lange mit sich rumtrugen und manche erst dann entstanden sind, als die Suppe schon fast fertig war. So als letzte Prise Salz, um dem Ganzen nochmal ordentlich Pfiff zu verleihen!

„Wir haben nich’ so viel darüber nachgedacht, sondern es eigentlich meistens bei der Grundidee, diesem ersten Vibe belassen. Zum Beispiel ‚Lies‘, der neue Song, der jetzt gerade herauskam (…) Der is‘ super, der is’ wieder genau da, wo er eigentlich ganz am Anfang war, bei dieser Grundidee, und is’ auch die stärkste Nummer auf der neuen Platte“, so Aaron.
Speziell an diesem haben die drei unheimlich lange rumgebastelt, doch mussten dann mit Entsetzen und nach unten gekrümmtem Mundwinkeln feststellen, dass das Anfangsgefühl der Begeisterung irgendwie verflogen war (aus diesem Grund kocht man auch nicht mit Koriander). Also wurde direkt ein Schritt zurückgelegt.
„Der rumpelt jetzt wieder schön“, sagt Paul grinsend und fügt hinzu: „Ich meine, wir sind schon alle irgendwie perfektionistisch genug,und ich glaube, jeder von uns hat exakt genau den Klang in den Ohren, wie er’s gerne hätte, wie es dann schlussendlich klingen muss. Und manchmal bringt einen das erstmal drüber…“
Er meint, dass es vermutlich die beste Entscheidung gewesen wäre, einen Gang zurückzulegen! Say Yes Dog sind drei Burschen, welche mit sehr viel Leidenschaft, Esprit, Witz und Charme eine Band auf die Beinchen gestellt haben, welche mehr Dreiecksbeziehung als Band ist, die durch dick und dünn und steinig geht und interessantere Stories zu erzählen hat als die Gebrüder Grimm.

Voyage, Voyage

…Womit wir wieder bei Luxemburg und dem Gold pupsenden Esel wären! Interessante Stories, ja davon haben die Drei so einige in ihrem Interview-Köfferchen gelagert. Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang, was den Titel „Voyage“ des neuen Albums und ihrer Vorvergangenheit als Vollblut-Luxemburger betrifft! Dieses wurde nämlich durch all die Reisen und Erlebnisse inspiriert, die sie so getätigt haben, tätigen wollten und stellenweise mussten… Tja, und dann war das eben so, dass sie sich irgendwann im Namen Luxemburgs in ein Flugzeug setzten und in Ghana wieder von der Tragfläche stolperten! Dort angekommen, rein ins Taxi, Handy gezückt und’n bisschen das Land und die Leute gefilmt! Nur blöd, dass auf einmal die amerikanische Botschaft durch’s Bildchen laufen musste und die Leute dort den lieben langen Tag mit ihrem Näschen an der Scheibe kleben. Ganz, ganz richtig! Da wird man dann eben mal mit ’nem Maschinengewehr aus dem Taxi gezogen, oh huch… Aber alles halb so schlimm! Schlimmer war eigentlich nur die Pizza beim Italiener des Vertrauens in Indien. ‚Des Vertrauens‘ deshalb, weil Aaron zuvor das World Wide Web nach Ausschlusskriterien und Totschlagargumenten durchforstete, die darauf hindeuten könnten, dass der Italiener eine ganz, ganz falsche Wahl sei. Pascal murmelt: „Aaron is’ vor allem sehr leicht beeinflussbar von Bildern.“ Der Reißwolf der Kundenbewertungen. Und was dann passierte, war ein viereckiges Brot mit Tomatensoße und drei verkrusteten Scheiben Salami on top. Warum ich Euch das erzähle? Um aufzuzeigen, dass das Künstler-Dasein eben nicht nur aus Larifari besteht und man gelegentlich auch Helden-Tode sterben muss! Watt mutt, datt mutt, wie Omi immer so schön sagt.
„Ich hab’s dann gegessen. Ich hatte mega Hunger. Ich hatte halt auch schon andere schlechte Pizzen in meinem Leben, krieg’ ich die halt auch noch runter, dacht’ ich“, so Paul. Aaron und Pascal mussten lautstark lachen, die Tränchen kullerten (…) Nur zwei kleine, feine Ausschnitte ihrer erlebnisreichen Einmal-Um-Die-Welt-Trips. Wer hätte dort nicht zu gern mal Mäuschen gespielt.

Von der Schulbank hin zu Geheimratsecken

Die Frage der Fragen, welche im Laufe unseres Abends zur Sprache kam, möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten! Und zwar war das die Frage nach der Frage, welche Frage sie denn momentan am meisten bewegen würde! Anbei also ein kleiner Ausschnitt aus den wirklich wichtigen Themen des Lebens:

Aaron: „Ich glaube, jetzt is so der Moment, so Anfang 30, da fragt man sich einfach Sachen, die man sich vorher nicht gefragt hat.“

Paul: „Ja, wie lange habe ich noch Haare auf’m Kopf, wann geht’s wirklich spürbar bergab…“

Aaron: „Wann geht das mit den Rückenschmerzen lo…-„

Pascal: „ – weg“

Paul: „Wann geht’s endlich wieder weg, haha“

(Lautes Lachen, Bordsteinkante bebt)

Es war nie so richtig ihr Plan, ’ne Band zu gründen, die – zack, peng – die Bühnen der Welt bespielt! Bodenständig sollte das Ganze sein, aber stetig besser werdend, stetig wachsend, und wenn man dann in vier bis fünf Jährchen mehr Leute, als nur die eigenen Eltern, Freunde und deren Arbeitskollegen erreicht, is’ das sicherlich auch ganz nett! Jetzt sind sie alle Anfang 30, wissen, was sie wollen und waren immer mehr DIY-Projekt als ein fremdbestimmter zusammengekochter Mainstream-Brei. Ein Manager, der von Anfang an dabei war, sich immer nur das Nötigste herausnahm und auch nur sweete Leute, mit denen sie nun zusammenarbeiten. Unterm Strich ist das auch alles ganz schön harte Arbeit für die Burschen, dass es jedoch irgendwann ein Label gibt, das dann mitbestimmt: „Das wird nicht passieren“, so Paul.

Hätte man den Dreien damals in ihrer bewegten Jugend erzählt, dass sie eines Tages von Festival zu Festival streunern und reihenweise Frauen- und Männerherzen zum Schmelzen bringen würden (wir reden hier in erster Linie von mir), so hätte der liebe Paul vermutlich einfach nur verschmitzt gelacht und würde nun auf einem Müll-Auto quer durch die Straßen tingeln. Aaron wäre laut eigenen Angaben „Helle-Wurst-Esser“ geworden und Pascal, ja Pascal … Das weiß wohl niemand so genau.

Was die Drei allerdings wissen, ist, dass sie mehr als zufrieden mit der momentanen Situation sein können – wie ein kleines, gnubbeliges Kind, das den Eiswagen um die Ecke biegen sieht! „Wir erfahren gerade wieder eine kleine Welle von >Ey, die Leute kommen noch, die haben Bock auf uns, die Songs laufen und irgendwie finden die die neuen Sachen auch cool<. So lang das noch so is’, kann das auch noch ein paar Jahre so weitergehen“, schluchzt Aaron, setzt die Flasche an und trinkt den letzten Schluck.

Ende des Jahres werden die Spatzen dann mit ihrem neusten Werk „Voyage“ auf einen weiteren Streifzug gehen und sich durch Deutschland, Frankreich, Holland und unser allseits geliebtes Luxemburg schlagen! …Wer weiß, mit welchen Stories sie uns dann beim nächsten Plausch beglücken werden, hehe. 

 

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