Feature: Charli Adams „Bullseye“

Album der Befreiung: Charli Adams „Bullseye“

Charli Adams löst sich von ihrer Vergangenheit mit „Bullseye“; Fotocredit: Slater Goodson

Charli Adams feiert ihr Debüt und damit auch einen großen Neuanfang in ihrem Leben und ihrer Musikerinnen Karriere. Denn “Bullseye” hält viele Geschichten aus ihrem früheren Leben parat, welches nicht gerade gesät war von schönen Erinnerungen. Im Gegenteil: Sie wuchs in einem sehr toxischen Umfeld auf und sagt sich jetzt in den 11 Songs komplett von ihm los. Die Lösung kommt einer Erlösung und einem Erwachen gleich.

Bereits im Vorfeld habe ich über ihre Leadsingle “Cheer Captain” erzählt und darüber wie sie mit ihrem Leben als Cheerleaderin und Gottesdienst-Leiterin abschließt. Diese Zeit hing wie ein Damoklesschwert über ihr und über allen Entscheidungen, die sie getroffen hat. Dass es dafür 11 Songs braucht, ist beachtlich und bewundernswert. Dieser Prozess, sich aus dem Umfeld zu lösen, den beschreibt sie in ihren Songs und er ist es, der eine so heilende Wirkung entfaltet. Der irre Kernpunkt in ihren Songs: Wenn du immerzu versuchst diejenige Person zu sein, die allen gefallen möchte, wirst du nie du selbst sein.

So entsteht Selbsthass und Selbstzerstörung und dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, ist für uns als Außenstehende natürlich nachvollziehbar. Sich einem toxischen Umfeld zu entziehen bedarf aber eines Kraftaktes. Dass wir als ZuhörerInnen Teil dieses Prozesses sein dürfen und ihn Revue passieren hören, ist schlichtweg bewegend.

Charli Adams Debütalbum „Bullseye“

Den Titel „Bullseye“ verlieh ihr Justin Vernon (Bon Iver) beim Dartspielen in einer Spelunke in Nashville. Produziert wurde das Album von Dan Grech (Lana Del Rey) und Brian Kierulf (Lady Gaga), gemischt von Patrick Dillett (St. Vincent). Auf dem Album ist auch ein wunderbares Featuring von Novo Amor zu hören. Die Mitarbeit und Einflüsse lassen allein schon auf eine große Platte einer Songwriterin schließen, die viel zu erzählen hat.

Es dominieren definitiv die ruhigen Balladen wie in “Headspace” oder eine etwas pulsierende Nummer wie “Didn’t Make It”. Bei mir löst hier allein die Intonation ihrer Stimme Gänsehaut aus. Tief, durchdringend und einfühlsam. Teils sind die Songs dann auch einfach produziert. “JOKE’S ON YOU (I Don’t Want To)” zum Beispiel. Einfach, aber sie gehen tief rein. So auch der Titelsong ihrer Platte: Hier merkt man regelrecht wie sich alles aufbauscht. Am Anfang hört man Charli Adams noch recht klein und schmallippig. Doch dann entfacht sich ein kraftvoller Indie-Rock Song, der durchaus den Hang zur starken Melancholie hat, aber wie ein starker reinigender Regenguss wirkt. Alle Spuren von früher verwischt.

„Bullseye“ ist ab sofort überall erhältlich.

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