Downhill Willows

Downhill Willows Interview – „Wir sind Fans einer klaren Melodiestruktur.“

Im Interview: Downhill Willos aus Berlin; Fotocredit: Robert Paul Kothe

Im Interview: Downhill Willos aus Berlin; Fotocredit: Robert Paul Kothe

Am 04. März kam mit „Downhill Willows“ die erste und selbst betitelte EP der Berliner Noise-Pop Band Downhill Willows raus. Das Soundkartell hat der Band ein paar wichtige Fragen gestellt.

Mit ihrer ersten EP wollen sie den Noise-Pop mehr ins Zentrum rücken. Und zwar so, dass vielleicht in absehbarer Zeit nicht nur noch Indie-Sender die Musik der Berliner spielen. Der eine mag sagen, dass das ein Spiel mit dem Feuer ist. Noise-Pop ist immer noch ziemlich nischig um es mal vorsichtig auszudrücken. Doch völlig zu Unrecht wie ich finde. Denn die EP der Berliner kann was. Sie kann das Genre in eine andere Position rücken. Sie können mit ihrer Herangehensweise etwas Besonderes schaffen. Zeit also, dass wir uns mit der Band unterhalten. Wir haben mit ihnen über ihren Noise, das Internet und vieles mehr gesprochen.

Soundkartell: Ihr steht mit Downhill Willows noch ganz am Anfang Eures Projekts. Welche Ziele habt ihr Euch konkret für dieses Jahr gesetzt?

Downhill Willows: In erster Linie wollen wir unsere aktuelle Debut EP „Downhill Willows“ den Leuten vorstellen. Das bedeutet für uns im Moment so oft wie möglich live vor einem Publikum zu spielen und uns Gehör zu verschaffen. Für den Herbst planen wir dafür eine kleine Club-Tour durch Deutschland.

Von welchen Faktoren ist das Erreichen der Ziele denn abhängig?

Von uns selbst in erster Linie. Wir erleben jeden Tag, wie notwendig es ist auf die Leute zuzugehen. Sowohl im „real life“ als auch online. In einigen Fällen kommen diese Leute dann auch wieder auf uns zurück, um uns zu sagen, dass sie mögen was wir tun und ein paar von ihnen äußern sich sogar als Fan. Das aktuell zu erleben ist ein unglaublicher Antrieb für uns.

Noise-Pop ist meiner Meinung nach immer noch ein Nischen-Genre in Deutschland. Meint ihr, dass sich das Genre in den nächsten Jahren in Deutschland auch medial breiter durchsetzen könnte?

Nun, wir zielen nicht darauf ab eines Tages in den Deutschen Charts aufzutauchen. Im Internet zeigt sich gerade, dass unsere Hörer eher aus dem Ausland kommen, darunter Brasilien und Amerika. Im deutschen Radio hört man Noise-Pop, Dreampop und Shoegaze nur auf den Indie-Sendern. Wir sehen schon, dass der deutsche Markt um dieses Genre auch immer mehr wächst. Nur eben eher im Underground.

Inwiefern fühlt man sich als neue Band vielleicht etwas überfordert im großen und von Musik gesättigten Berlin?

Als internationale Metropole hat Berlin tatsächlich ein großartiges Entertainment Angebot für die unterschiedlichsten Geschmäcker. Darunter fallen Shoegaze-Noisepop Konzerte eher rar aus. Eine große, vielseitige Stadt hat aber glücklicherweise eine Zielgruppe für solche „Nieschen“. Deshalb ist es gar nicht so dramatisch, wie viele immer sagen. Wichtig ist nur, dass das, was man macht, Qualität hat und das man den Leuten rechtzeitig Bescheid sagt. Dann steht man auch nicht allein ohne Publikum auf der Bühne.

Ich habe mittlerweile auch das Gefühl, dass immer mehr Bands, die ihr Debüt feiern ein gewisses Kalkül für Erfolg haben. Alles konkret durchplanen und das funktioniert meist sogar. Die eigentliche Grundlage, dass Musik ein Gefühl ist und man sich dadurch von bestimmten Bands angesprochen fühlt geht irgendwie verloren. Seht ihr das auch so?

Von Musik mitgenommen werden, kann man doch erst, wenn irgendjemand sie zu Ohren bekommt. In Zeiten des Internets kann jeder, der Musik macht, diese hochladen und mit anderen teilen. Da ist es nicht verwunderlich, dass es mehr auffällt, dass Musiker versuchen ihre Musik einem Publikum zu präsentieren. Das taten sie doch schon vor Zeiten des Internets. Wenn du Musik nicht nur als Hobby machen willst, musst du nach wie vor auf dich aufmerksam machen, ansonsten gehst du wohl oder übel ungehört unter. Und was wäre Musik schon, wenn sie niemand hört?

Wie geht ihr da als unbekannte, neue Band vor?

Unsere erste gemeinsame Demo „Trauma“ haben wir mit all seinen Makeln hochgeladen. Wir liebten den Song samt seiner lärmige Attitüde und scheuten uns nicht, ihn der Öffentlichkeit zu zeigen. Man konnte nun unseren Bandnamen lesen und einen Song hören. Mehr war uns für den Anfang nicht wichtig. Die Leute bekamen dadurch die Möglichkeit zu wissen, dass es uns gibt und auf dieser Grundlage können wir heute aufbauen.

Wie kam es dazu, sich im Songwriting dafür zu entschließen, dass man schon auch bewusst auf klare Melodie-Strukturen verzichtet?

Ist es denn so? Eher sind wir große Fans klarer Melodie Struktur. Poppige Strukturen findet man bei uns sowohl in den Gesangs-, Bass als auch in den Gitarrenlinien wieder. Aber kläre uns gern auf, vielleicht irren wir da nur einer Fantasie hinterher. (lachen)

Warum ist das so genannte “Noise”-Element nicht einfach nur ein Störgeräusch, das sich in Eurem Track “Machines” die ganze Zeit über alle anderen Instrumente legt?

Im Grunde ist es das. Es gab schon Leute, die gedacht haben, da wäre was kaputt. Andere wiederum lieben diesen kratzigen Sound. Das besondere daran ist, dass der Hall auf der Gitarre über einen Effekt umgekehrt wird, also rückwärts abgespielt und dieses Signal wird dann verzerrt. Es ist ein Stilmittel, dass uns sehr wichtig ist. Oft sind unsere Songs sehr poppig angehaucht und das ist auch so gewollt. Doch unser Sound soll eine andere Seite zeigen und vielleicht sogar manchmal etwas provozieren.

Das Video zu “Machines” ist irgendwie sehr lethargisch und auf gewisse Weise auch traurig. Welche Aussage wollt ihr damit treffen?

Worum es genau in dem Song geht, wollen wir nicht verraten. Im Grunde ist der Text ziemlich eindeutig. Bisher hat noch niemand heraus gefunden, was der Rubiks Cube in dem Video symbolisiert. Er ist eine Art Zeitmaschine, soviel vorweg… aber er steht für mehr als das. Doch mehr wollen wir nicht verrraten. Kunst sollte für sich selbst sprechen, sonst hätten wir verfehlt, was uns daran so reizt.

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