Charter

Wie aus der Gussform Alternative-Indie von Charter

Von Helsinki nach Berlin: Charter mit zweitem Albumrelease "Times"

Von Helsinki nach Berlin: Charter mit zweitem Albumrelease „Times“

In fünf Tagen, also am 01. September erscheint mit “Times” das zweite Album der Berliner Alternative-Indie Band Charter. Das Soundkartell hat sich das Album angehört und hier lest ihr wie es mir gefallen hat.

Ein Umzug kann so einiges bewirken. Er kann neue Motivation freisetzen, kann aber auch lähmen. Neue Motivation, weil man ein komplett neues Umfeld um sich hat. Alles ist neu und aufregend. Man vergisst schnell wie trist das Leben davor an dem anderem Ort war. Oder aber es verhält sich genau andersrum. Man will nicht so recht warm werden mit der neuen Umgebung. Der Neustart verläuft zäh und man kommt nicht wirklich rein in das neue Leben.

Müsste ich den Werdegang der ursprünglich aus Helsinki stammenden Band beschreiben, dann gilt für die vierköpfige Band in jedem Fall der erste Weg. Aus Helsinki zog es Frontman Antti Koskinen nach Berlin. Ganz begeistert von den neuen Möglichkeiten und der Musikszene der Hauptstadt suchte er sich mit Levin Siert (Lead Gitarre), Thomas Stieger (Bass) und Bernhard Range (Schlagzeug) drei neue Weggefährten und so ging es mit Charter erst so richtig los.

Es lief von Anfang an rund. Berlin tat ihnen gut und so wurde auch sofort an einem ersten Album “Impossible You” gebastelt. Dazu holten sie sich den Produzenten John Fryer ins Haus, der schon Künstlern wie HIM, Depeche Mode oder den Nine Inch Nails zusammen gearbeitet hat. Die Arbeit fruchtete und so entwickelte sich nach und nach der Sound weiter. So weit, dass sie uns in ihrer Ankündigung sogar als Hybrid aus Placebo und den Editors angepriesen wurden. Naja, also von Placebo halte ich persönlich nicht mehr allzu viel, aber die Editors haben bei mir aus den 2006er und 2007er Jahren doch noch einen hohen Stand.

Wobei ich persönlich den Vergleich nicht allzu passend finde und auf das Namedropping sowieso nicht mehr viel gebe, haben mich Charter auf ihrer neuen Platte “Times” überzeugt. Der Opener “Moment” rief aber anfangs eher Bauchschmerzen hervor. Es gibt da mit Charter eine 100.000te Indie-Band, die ihre Songs genau nach Schema F aufbaut. Toll. Nichts Neues. Auch wenn der Song nicht gerade vor Überraschungsmomenten sprüht, gilt es ja, dass sich eine Band innerhalb des Albums entwickelt. Sozusagen wie ein Wein seine Note entfaltet. Und das tut Charter in jedem Fall.

Krachende Gitarrenriffs, die Charter ganz eindeutig in die Alternative-Ecke treiben passen ebenso gut zu ihnen wie die ein oder andere gefühlvolle Ballade. Das Album kann man so ziemlich gut laufen lassen. Das mag despektierlich klingen, ist aber nicht so gemeint. Es läuft von Anfang bis Ende in einem Fluss. Es lebt nicht gerade von sonderlichen Ausbrüchen und bestätigt allerdings nach und nach den Eindruck, dass Indie auch wenn er hier in Alternative-Form gegossen wurde, nur schwer zu verkaufen ist. So müssen sich Charter dem Vorwurf gefallen lassen, wieso sie sich ausgerechnet für diesen Sound entschieden haben. Sie werden ihn im Laufe des Albums nicht neuerfinden, aber sie passen sich gut hinein in diese Gussform. So hat das Album Licht und Schatten. Diejenigen, die mal etwas Neues hören möchten, werden schon etwas enttäuscht. Aber für alle “Indie-Füchse” ist das ein gefundenes Fressen. Ob es Euch schmeckt oder ist eben Euch überlassen

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