Albumkritik des Soundkartells: Tall Ships – Everything Touching

Tall Ships – Everything Touching (VÖ 9.11.2012)

Das Soundkartell hat endlich mal wieder eine Plattenkritik für euch geschrieben. Die heutige Platte kommt von den aufstrebenden Briten der Tall Ships! Das Album „Everything Touching“ erschien bereits am 09.11.12 und die Kritik hat das Soundkartell mal wieder in Kooperation zusammen mit dem Valve Online Music Magazine geschrieben! Lest euch rein und hört euch das Album an, es lohnt sich. Es ist mitunter eines der besten des Jahres.

Tall Ships – Everything Touching (VÖ 9.11.2012)

Lange musste man auf den Moment warten, bis die hochgelobten Briten aus dem schnuckeligen Seestädtchen Brighton endlich ihr Debüt veröffentlichten. Sehnsüchtig wurde diese Platte erwartet und jetzt werden diese 10 Tracks auf die Hörerschaft losgelassen. Ein gut gemeinter Tipp: Man sollte sich festhalten.

Festhalten, wieso? Allein deshalb, weil die drei Briten der Tall Ships so dermaßen vielschichtige Songs produziert haben, dass diese den Hörer zu Beginn fast schon überfordern. Auffällig ist – mitunter -, das auf den ersten Blick recht trist wirkende Cover des Albums. Doch mit Erklingen des Openers „T=0“ klärt sich der Blick und man bekommt einen ersten Eindruck, wohin die Reise mit den Tall Ships auf ihren zehn Tracks gehen soll. Ausufernd und wahnsinnig melodieverliebt. Mitreißend ist das Album allemal – und (schweiß)treibend.

Eigentlich sind es ja lediglich neun Titel auf der Platte, denn das 58 sekündige Zwischenspiel nach „T=0“ kann man so nicht als vollwertigen Track gelten lassen. Dafür wird dieser von „Phosphorescene“ perfekt aufgefangen – der Track ist bombastisch weitläufig gestaltet. Spätestens jetzt ist man von den Briten mehr als überzeugt. Sie präsentieren einem nämlich keinen 0815 Brit-Pop/Rock; ihr Sound steht vielmehr komplett auf eigenen Füßen. Das klingt an manchen Stellen nach Foals oder – wenn man an die Weitläufigkeit der Songs denkt -, sogar an Sigur Rós.

Auffallend schön und kreativ haben Tall Ships vor allem ihre Gitarrenriffs gestaltet; diese werden dann immer wieder im Laufe der Songs wie z.B. bei „Oscar“ oder in „Books“ progressiv umgewandelt. Aber nicht nur das, auch die Vocals und vor allem die Drum-Begleitung füllen die Songs mit energiegeladenen Momenten, die man sonst nur von den ganz großen Bands kennt – wobei man hier dazu sagen muss, dass Tall Ships absolut nicht massentauglich sind. Und das ist gut so.

Wie impulsiv sie ihre Songs geschrieben haben, zeigt unter anderem auch „Gallop“ – und beweist mit seinem Namen, wo der Song hinführt. Sehr treibend aber dennoch tanzbar, so gibt das Schlagzeug die Marschroute vor. Dass sie mit ihren Songs sehr atmosphärisch ans Werk gegangen sind, beweisen sie vor allem mit den Tracks „Murmurations“ und „Idolatry“. Insbesondere bei „Murmurations“ ist es so, dass man anfangs gar nichts hört – bis Minute 1:28. Erst dann ertönen einzelne Gitarrenriffs und so langsam ergibt sich mit jedem neuen Instrument ein Song. Ein Hiddentrack zu Beginn eines Titels? Sehr ungewöhnlich, aber das passt irgendwie perfekt zusammen.

Sobald man hört, wie sich dann Stück für Stück ein wunderschön anmutender Song aufbaut, dann staunt man am Ende dieser 9:13 Minuten über die musikalischen Fertigkeiten der Band. Es baut sich hier mit jeder Minute noch mehr Spannung auf, die dann in Minute 6 seine Spitze findet – auf diesem spannungsgeladenen Moment verweilt sie dann auch erst mal. Bis auf ein paar chorale Stimmen kommt der Track vollkommen ohne Stimmanteil aus. Benötigt er auch gar nicht. „Idolatry“ ist nur wenige Minuten kürzer, beginnt allerdings nicht ganz so minimalistisch wie „Murmurations“. Auch hier bekommt man experimentierfreudige Klanglandschaften geliefert, die im Song einfach nicht enden möchten.

Der eine wird jetzt bestimmt sagen, dass das doch alles vollkommen überladen klingt und übertrieben in die Länge gezogen wird. Doch dem kann man beim Hören des Debüts von Tall Ships nicht zustimmen. Es ist geradezu erfrischend und inspirierend zuzuhören, da man endlich in der Hoffnung bestätigt wird, dass man immer noch gute und vor allem einfallsreiche Musik geliefert bekommt – und das bei all der Massenproduktion auf dem Markt.

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