William`s Orbit

Interview der Woche: „Das Jahr 2014 war ein riesengroßer Startschuss“

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Am 26. September erschien mit EURYDICE die erste EP der Band William`s Orbit aus Weiden. Kurz nach dem Release haben wir mit der Band gesprochen. Dabei haben wir uns über Wald und Wiesen, ihre Highlights des Jahres und vieles mehr gesprochen.

Soundkartell: Als Indie­Rock oder auch Folk­Band, die sich viel mit dem Thema “Liebe” befasst, wird man doch recht schnell in die Schublade “Schnulze” geworfen oder?

William`s Orbit: „Das Schnulzending hat uns ehrlich gesagt noch niemand so richtig vorgeworfen, die Musik ist ja doch eher “unschnulzig”. Wir verbinden den Begriff eher mit “seicht” und “ausgedacht”, als mit einem amtlichen Indie-Rock-Song über eine Geschichte, wie sie dir immer passieren könnte.“

Soundkartell: Mittlerweile wiederholt sich vor allem im Genre Folk und Indie ja so ziemlich alles Jahr für Jahr. Wie schafft ihr es herauszustechen?

William`s Orbit„Ob wir herausstechen, das müssen Andere beurteilen, doch grundsätzlich fühlt man sich natürlich immer mit einem Sound dann wohl, wenn er eine gewisse Eigenständigkeit aufweist, es dein eigener wird. Die Wurzeln mögen die gleichen sein, egal ob Folk, Indie oder Rammstein, aber wenn man sich aufmacht, einen neuen Song zu schreiben, hat man die wunderbare Möglichkeit dem Ganzen seine Gefühle, sein Empfinden von Melodien und Akkorden whatever überstülpen. Wenn man am Ende dann die Eckpfeiler Indie und Folk erkennt, haben die Leute eine Defintion und wir Genres mit denen wir dem Großcousin dritten Grades unseren Sound beschreiben können.“

Soundkartell: Warum zieht Eurer Meinung nach das klassische Konzept, so wie ihr es aufzieht noch immer?

William`s Orbit: „Vielleicht weil man in Zeiten von MacBook-gepflasterten Bühnen den Anblick einer feinen E-Orgel in Holz mehr als entspannend findet *Smile* Es ist eben ein direkter Weg Musik zu machen. Fünf Typen, fünf oder ein paar mehr echte Instrumente, ein paar Mikros, eine Bühne und Songs, fertig. Natürlich gibt es aktuell auch viele coole Sachen, aber wir wollen da keinen Trend hinterherlaufen, nur des Trendes wegen. Bei uns steht im Mittelpunkt die Musik und du als Zuhörer, der sich einfach reinfühlen kann, wenn er Bock darauf hat. Deswegen zum Beispiel funktionieren unsere Songs ja auch unplugged. Das funktioniert mit einem programmierten Track nicht so einfach.“

Soundkartell: Welchen Stellenwert hat für Euch Musik aus Bayern? Hättet ihr in Berlin oder Hamburg den großen Durchbruch nicht schon längt geschafft?

William`s Orbit: „Wir kommen ja aus einer mehr als schönen Region, umgeben von Wald, Wiesen und vielen grummeligen, aber sehr besonderen Menschen. Es gibt so viel interessante Musik von kleinen lokalen Künstlern zu entdecken, egal ob in Mundart, Deutsch oder Englisch. Die Annahme, nur weil man sich in einer großen Stadt rumtreibt hört sich immer ein bisschen einfach an, glaube ich. Klar bewegt sich eine Musikszene in einer großen Stadt ganz anders, aber wie hat meine Englischlehrerin früher gesagt: ”Am Land, da liegen die Rohdiamanten. Man muss sie nur kräftig schleifen, dann wird’s vielleicht was.”“

Soundkartell: Vollendet den Satz: Wärt ihr fünf als Band ursprünglich aus London, Manchester oder Liverpool, dann wärt ihr heute…

William`s Orbit: „William’s Orbit. Eine der größten Veranstaltungsagenturen aus unserer Region hat unser Debüt angehört und die erste Reaktion war: “Nicht schon wieder so eine Band aus Manchester!”. Wir finden das cool, dass die Leute uns und unsere Musik als authentisch wahrnehmen, auch wenn wir die Songs in Englisch schreiben und aus Bayern sind. Rock ist ja schon seit jeher auf dem ganzen Globus verbreitet. Unsere Eltern haben schon Rock gehört und Schallplatten von den Beatles gesammelt. Die Musik ist universell, deswegen gibt es auch bestimmt auf dem ganzen Globus freshe Rockbands aller Stile. Aber ja, vermutlich würden wir Milch in unseren Tee schütten wenn wir aus London, Manchester oder Liverpool wären.“

Soundkartell: Beginnend mit eurem Konzert im Februar in Weiden, über das Konzert in München und weiteren Auftritten in Köln, Duisburg, Erlangen,…welches war so gesehen das Highlight in diesem Jahr oder kommt das erst noch mit eurer Release-­Party?

William`s Orbit: „Wir hatten ja bereits eine Releaseshow im April in einem ausverkauften Club mit 230 Zuhörern bei der wir die CD den Leuten aus unserer Heimatstadt vorgestellt haben und da kann man schon von einem Highlight sprechen. Wir hatten aus der Bühne mit Deko und Birkensträuchern einen “Nymphenwald” gebaut, das Ganze gefilmt und mitgeschnitten, das alles bei maximaler Hitze und viel Schweiß, so wie es sein muss. Es ist einfach wunderschön zu beobachten, wenn die Leute anfangen die Songs zu kennen und dann an manchen Stellen einfach mit einsteigen.
Ganz viele Highlights kommen da aber auch noch. Die offizielle Release-Party, wieder in der Heimat, auf dem Schafferhof. Ein besonderer Ort, in dem schon ganz viele besondere Künstler gespielt haben – das Ganze vor unseren Fans. Ab da ist unsere Musik auch weltweit erhältlich! Sonst fahren wir noch zwei mal nach Berlin, einmal davon sogar mit Auftritten das ganze Wochenende. Hamburg steht auch auf dem Plan. Kleinere unplugged Auftritte in ganz Bayern. Tourleben ist halt das beste Leben. Und wir planen was Ausgefallenes: Ein unplugged Konzert in einer entweihten Kirche kurz vor Weihnachten.“

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Soundkartell: Das letzte Konzert spielt ihr also wieder in Weiden. Wieso schließt sich eurer Meinung dort der Kreis und wie habt ihr selbst das Jahr 2014 im Schnelldurchlauf wahrgenommen?

William`s Orbit: „Unsere Heimatstadt ist die Zentrale unseres ganzen Schaffens. Von dort stammt unser Management-Kumpane, mit dem wir all’ die Pläne schmieden, die Jungs mit denen wir die Videos, Fotos etc. konzipieren, Techniker, die uns immer wieder begegnen, unser erstes Label, deren Jungs und Mädels alles gute Freunde geworden sind und noch eine ganze Stange mehr Weggenossen, die uns bei dem unterstützen, was wir tun. Deshalb ist es ein Ort, an den wir immer wieder gerne zurückkehren, um dort Konzerte aufzuziehen. Dort haben wir auch die Freiheit uns immer etwas ganz Besonderes einfallen zu lassen und dann ist umso schöner eine stetig wachsende Anzahl von “Heimatfans” bei unseren Konzerten zu sehen. Es gibt nichts schöneres als das Jahr dann mit genau diesen Leuten bei einem unplugged Konzert auf besondere Art und Weise zu verabschieden.Das Jahr 2014 war halt ein riesengroßer Startschuss. Wir haben Ernst gemacht und uns Unterstützung ins Boot geholt. Waren das erste Mal in einem großen Studio. Erste eigene Musik auf Scheibe gepresst. Erstes Mal bei einem Label unterschrieben. Erste Tourerfahrungen. Die ersten richtigen Videoclips gedreht. Das ist alles verdammt viel Arbeit, aber macht auch ganz viel Lust auf mehr…“

Soundkartell: Eure EP EURYDICE wurde in Würzburg in den so genannten Audiolodge Studios live eingespielt. Welchen Effekt hat das auf eure Aufnahmen und inwiefern grenzt sich eure EP dabei bewusst von anderen Aufnahmen anderer Bands ab?

William`s Orbit: „Die Idee kam von unserem dortigen Soundengineer Sven, als wir die Guidespuren aufgenommen haben und er die schon so fett fand, dass er meinte wir sollten es gleich so aufnehmen. Wir lieben es live zu spielen, die Interaktion untereinander zu haben, deinen Kollegen anzuschauen, wenn du zbsp. einen höllischen Part beginnst. Dadurch ist eine sehr direkte Platte geworden, keine Overdubs bis zum Abwinken, keine Samples, einfach die Musik und wir, die Band. Zack, fertig.“

Soundkartell: Der Release war für den 26.09 angesetzt. Das sind jetzt gute sieben Monate seit eurem ersten Konzert im Jahr. Warum hat das jetzt letztlich doch so lange gedauert?

William`s Orbit: „Um als Band wahrgenommen zu werden, reicht es ja lange nicht einfach eine Platte aufzunehmen. Ausser Mastering und Pressung müssen zuerst einmal Videos zu den Songs aufgenommen werden. Man schickt die Songs an Radios und Redakteure, die alle auch ellenlange Vorlaufzeiten haben und organisiert im Optimalfall dann zeitnah zum Release eine kleine Tour. Das braucht alles sehr viel Energie und dauert seine Zeit. Ausserdem hat man ja auch noch sein normales Leben.“ 🙂

Soundkartell: Wie sehr juckt es Euch als Band nach so zahlreichen Auftritten und in einem so fortgeschrittenem Jahr endlich die Katze aus dem Sack zu lassen?

William`s Orbit: „Es ist verrückt, aber mehr noch als das “Katze aus dem Sack lassen” der EP juckt es uns wieder ins Studio zu gehen. Wir haben die Songs ja schon im Januar aufgenommen, über das Jahr und zwischen den vielen Auftritten aber wieder ganz viel neuen Output gehabt, der auch schon wieder ganz anders klingt. Wie die Leute die Platte aufnehmen können wir eh nicht mehr ändern, aber auf die nächste Platte, und das soll dann ein ganzes Album werden, sind wir schon alle wahnsinnig heiß.“

Soundkartell: Dass Eure Live-­Shows fesseln, durften wir am eigenen Leib erfahren. Welchen Moment nehmt ihr bei Euren Live­Auftritten mehr wahr: Den wenn ihr für den ersten Song die Bühne betretet oder den, wenn ihr nach der Zugabe abtretet?

William`s Orbit: „Da kann ich nur aus meiner persönlichen Perspektive berichten: Stellst du mich vor die Entscheidung, wäre es wahrscheinlich das Verlassen der Bühne. Da bin ich so vollgepumpt mit Energie und – das klingt fast schwächlich – Gefühlen, dass ich einen wahnsinnigen Fokus habe. In disem Moment ist es das schönste auf der Welt ein Publikum vor sich zu haben, das dich spüren lässt, die Minuten/Stunden auf der Bühnen waren gut angelegte Zeit. Für beide “Parteien”. Spitzen Sache.“

Soundkartell: Die Veränderungen innerhalb der Musikbranche durch das Streaming mit Spotify & Co habt ihr auch miterleben dürfen. Was hat sich Eurer Meinung nach am gravierendsten im Konsumverhalten verändert, wenn wir tagtäglich Musik hören?

William`s Orbit: „Der Input ist einfach riesengroß, besser gesagt der “mögliche” Input. Streaming verschafft dir wahnsinnige Möglichkeiten, du kannst dir minütlich neuen Kram reinpfeifen. Dabei schwingt natürlich der bittere Beigeschmack des “einfach unbewusst Durchklicken” mit. Ich finde es gut, aber man muss sich über die Möglichkeiten bewusst sein und und nicht nur die “Top 50 Viral Hits” anwerfen.“

Soundkartell: An Spotify & Co führt als Band wohl kein Weg dran vorbei. Wie schwierig ist es vor allen Dingen auch als junge Band riskante, vielleicht unübliche Wege zu gehen?

William`s Orbit: „Man hat wohl gar keine andere Wahl als seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Der vorgestampfte Weg ist halt mittlerweile zu Matsch geworden. Aber wir sind alles Abenteurer im Herzen, begeben uns gern in den Dschungel der Musikwelt und hoffen, dass sich andere uns anschließen werden.“ 🙂

Soundkartell: Warum ist heute dadurch schwieriger eine neue Lieblingsband zu finden?

William`s Orbit: „Weil es auch einfacher ist, eine neue Lieblingsband zu finden. Die Auswahl ist größer. Klar gibt es immer noch einen großen Einheitsbrei, aber es gibt auch so viel fernab davon. Unglaublich gutes Zeug auf das man früher ohne Streaming und Internet nie im Leben gestoßen wäre.“

Soundkartell: Eurer Rezept, wie ihr euch direkt in die Herzen neuer Zuhörer spielt.

William`s Orbit: „Wir selbst sein und das lieben was wir tun. Was dann passiert hängt von den Leuten ab. Aber meistens ist der ehrliche Weg auch der Beste.“

Soundkartell: Drei Gegenstände, die Eure Musik treffend beschreiben.

William`s Orbit: „Ein verschwitztes T-Shirt, ein Buch mit vielen Geschichten und die glänzenden Augen einer schönen Frau.“

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