The Horrors – „V“

The Horrors Albumrezension „V“

The Horrors "V" Album Rezension

The Horrors „V“ Album Rezension

Silke Knauer hat sich das neue Album von The Horrors angehört.

 

Euch erwartet feinster Shoegaze, gepaar mit einer elektronischen Klangwelt und psychedelischen Elementen. Redakteurin Silke Knauer wurde hier alles abverlangt.

“The Horrors“ klingt ja schonmal spektakulär. Und beim Recherchieren rausfinden, dass es bereits das 5. Album der fünfköpfigen Garage-Rock-Band aus Great Britain ist, wundert mich noch mehr. Wieso ist wieder einmal so eine Band an mir vorbei gerutscht?

Nunja, es lässt sich nicht ändern und so begebe ich mich in die Diskografie dieser schwarzen Gestalten und beginne mit dem ersten Album “Strange House“ das am 5. März 2007 erschien. Die Band ist noch richtig mit weißer Schminke und toupierten Haaren unterwegs und vergleichen sich allzugerne mit den Sex Pistols. Sie machen aufregende Musik und bringen Nervenkitzel in ihre Shows. Sie rütteln die brittische Musiklandschaft mal ordentlich wach mit ihrem Garage-Punk-Surf-Mix.

Aber das ist ja nun schon 10 Jahre her. Kann man es schaffen diesen Ruf über die Zeit zu bringen und wie haben sie sich musikalisch entwickelt? In diesem Fall ändert sich alles schon 2009 mit dem zweiten Album “Primary Colours“. Kein geringerer als der Portishead Pionier Geoff Barrow hat hier produziert und das klingt schon nach Veränderung. Das Horror-Outfit ist gewichen, das schroffe Auftreten ist weg und dafür haben eine große Atmosphäre und melodische Klänge Einzug gehalten. Viele bezeichnen diese Platte als ihr bestes Werk.

Die folgenden zwei Alben möchte ich nur kurz erwähnen mit: alles ist geblieben, sie haben sie ständig weiter verändert! The Horrors stehen für kontinuierliche Veränderung und Neuerfindung und überraschen ihre Fans immer wieder gern. Und so kommen wir nun zum Album Nr. “V“ und sind gespannt, was uns nun wieder erwartet:

Zusammengearbeitet wurde hier mit dem Produzenten Paul Epworth, der für Größen wie Adele, U2 und London Grammar steht. Jeder Song ist länger als 5 Minuten und auf Tour waren sie als Vorband von Depeche Mode. Das klingt alles ziemlich groß! Der Start ist mit dem Song “Hologram“ ziemlich gut gelungen. Wir haben hier elektronischen Sound mit leicht verzerrter Stimme und absolut eingängiger Musik. Der Refrain brennt sich schnell in den Kopf und man summt ihn dann und wann vor sich hin.

The Horrors "V" Album Rezension

The Horrors „V“ Album Rezension

Was ich aber noch sagen muss zu diesem neuen Werk: Ich glaube schon, dass die gesamte Band um den Frontmann und Sänger Faris Badwan genau wusste was sie hier tat. Ich brauchte einige Anläufe um mich mit dem Album vertraut zu machen, die Musik wirken zu lassen und vielleicht ansatzweise zu verstehen, was “The Horrors“ mir mitteilen möchten. Es ist keine Band für Zwischendurch. Dafür haben sie auch zuviel Erfahrung, gerade auch mit verschiedenen Musikrichtungen. Das Ausprobieren über all die Jahre hat ja auch etwas Gutes: Irgendwann findet die Band ihren Style und ich kann mir gut vorstellen, dass die vier Briten mit “V“ schon ganz nah dran sind. Wobei ich aber auch sehr gerne offen lassen möchte, dass das nächste Album nicht wieder völlig anders klingen könnte.

Auf jeden Fall verlangen sie einem Musikredakteur so ziemlich alles ab aber einfach kann ja jeder. Mit “Press Enter To Exit“ haben sie ein fast fröhlich startendes, an Brit-Pop erinnerndes Stück geschaffen, was ich mit jedem Hören besser finde. “Machine“ haut mit der vollen Bandbreite der Band rein. Es beginnt psychedelisch und abgehakt, der Gesang kommt trotzdem voll raus und das Stück entwickelt sowas wie einen richtig gut tanzbar verzerrten Rhythmus. Es wird laut und schräg und es klingt gut “Yeah, you will never, never be mor than a machine…“

Ruhig und voller shoegaze-Charme kommt “Ghost“ daher. Mein absoluter Favorit auf dieser Platte. Kein Wunder für jemanden, der mit The Cure groß geworden ist. Da kann man dieses Lied nur lieb haben und aufsaugen und düster langsam tanzend die Klänge annehmen.

Mich überzeugt nicht jedes einzelne Stück auf diesem Album, mich überzeugt hier das Gesamtpaket. Es ist eine Musik, die man nicht täglich findet, die man lieben lernen muss und die einen fordert. Aber wenn man sich auf “The Horrors“ einlässt, wird man auch nicht enttäuscht. “Weighed Down“ ist wieder so ein sympathischer Song, eine Ballade, die noch einmal die schöne Stimme herauskristallisiert und die manchmal doch zu strange Musik in ein melodisches Bündel bringt. Das Schlagzeug lässt uns wieder an The Cure denken, aber auch Depeche Mode-Elemente sind nicht fern.

Jeder Song beginnt anders und nimmt ein mit in eine andere Welt. Bei “Gathering“ startet plötzlich eine Akustikgitarre und drumherum wird mit etwas Synth eine psychedelische Atmosphäre geschaffen. Die Stimme klar und unverzerrt wirkt auf dieses etwas bizarr wirkende Bild mit ein. “World Below“ kommt schneller daher und bringt wieder etwas Fahrt in die Sache. Hier klingen sie wieder typisch brittisch mit dem Hauch der Weite einer elektronischen Klangwelt. Mit schöner tiefer und klarer Stimme nimmt uns Faris mit in eine fast zu normale Welt für “The Horrors“. Die Art erinnert mich an The Editors zeigt einmal mehr die Bandbreite, die die vier Jungs zu bieten haben.

Zum Schluss geben sie uns noch einen Electro-Beat basierten Song “Something To Remember Me By“ mit auf den Weg. Wer sagt, dass diese Band nicht fröhlich kann, hat vielleicht in Teilen Recht – aber hört mal hier her. Gar nicht so düster, oder?

Eine Band, die regelmäßig eine Metamorphose durchlebt und dabei doch sie selbst bleibt, das klingt schon etwas seltsam. Aber seltsam ist auch das passende Adjektiv für diese Band. Ich ziehe den Hut vor soviel musikalischer Kreativität, die nicht in einem völligen Stil-Chaos endet und eine Platte hervorgebracht hat, die sich nach mehreren Anläufen als ein sehr gutes Werk entpuppt hat und die ich auch nicht mehr so schnell aus meiner Playlist lassen werde. Also, nehmt Euch Zeit, ein/zwei Bierchen und hört mal was “The Horrors“ Euch zu sagen haben.

 

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