Videopremiere: Sultans Court “Disembodied“

Sultans Court zeigen dir exklusiv das neue Video „Disembodied“

Sultans Court Videopremiere "Disembodied"

Sultans Court Videopremiere „Disembodied“

Ein Indie-Ensemble der besonderen Art feiert seine Debüt-EP „From Afar“ und die Videopremiere von „Disembodied“. Die vier Berliner beschreiben sich mit „Melancholy Disco“ was diesem unvergleichbaren neuen Style nicht ganz gerecht wird. Ich zeige Euch, wie viel Potenzial hier schlummert, während sich in den ersten Auskopplungen schon die vibrierende Energie gezeigt hat, die sich nun auf uns entlädt.

2014 wollte es das Schicksal, dass sich die beiden musikbegeisterten Jungs Julius Klaus (Gesang) und Konstantin Hennecke auf einer ereignisreichen Fahrt zum Dockville Festival kennen lernen und sich direkt so verbunden fühlten, dass sie – kaum in Berlin angekommen – ihr eigenes Musikprojekt starteten. Sultans Court war geboren. Konstantin war zuständig für Instrumente und Elektronik und Julius steuert mit seiner außergewöhnlichen Stimme kreative Texte bei. Während dieses ersten Jahres ließen sich die Zwei von vielen namenhaften Bands inspirieren und stießen so nach und nach auf ihren eigenen Sound. Am meisten vergleichbar ist Sultans Court somit bis heute mit Alt-J, eine britische Alternative Folk-Band, die sich sogar in ihrer Entstehung ähneln.

Als ernstzunehmendes Musikensemble muss man sein Können auch auf den Bühnen dieser Welt präsentieren und das stellte die nun vier Jungs – Verstärkung von Leander Kohn (Drums) und Markus Hartung (Keys) – vor kurzweilige Probleme. Wie bekommt man die Vielfalt an Instrumenten, gepaart mit der Elektronik auf eine Bühne und bringt live denselben Sound wie im Studio. Ich kann Euch nicht sagen, wie sie es gemacht haben, aber es kann nicht schlecht gewesen sein. Das Musiklabel Filter Records wurde auf die Newcomer aufmerksam und nahm sie direkt unter Vertrag. Mit ein bisschen Luft unter den Flügeln war es für Sultans Court nun leichter die ersten Singles auszukoppeln und wir konnten uns dann am Video “Haunted“ das Indie-Herz wärmen. Selten hört man von Anfang an einen so unvergleichbaren Sound, der basslastig und groovig den Song voran treibt, und es schafft, mit der teilweise glaskalten Stimme von Julius eine erstaunlich warme Atmosphäre hervorzubringen. Diese Gegensätzlichkeit ziehen sich durch die Lieder der Berliner und kreieren damit eine immer wieder neue teils düstere teils treibende Energie, der man sich tanzend entgegenstellen muss um nicht vollständig eingesogen zu werden.

Sultans Court Videopremiere "Disembodied"

Sultans Court Videopremiere „Disembodied“

Mit „Disembodied“ hauen sie nun ihr nächstes Video raus, gemeinsam mit der Veröffentlichung ihrer ersten EP „From Afar“. Das Video steigt sacht ein, zeigt eine hell beleuchtete Bar mit einem Barkeeper, der Gläser reinigt und mit sich in der Bar völlig alleine ist. Hell beleuchtet scheint er nicht zu sehen, was sich vor der Bar abspielt. Er wirkt in Gedanken, abwesend und mit sich im reinen, während draußen eine einzelne Tänzerin zuerst wartend und dann mit einem starken Ausdruckstanz die Musik begleitet, sie gar unterstützt und verstärkt in ihrer Betonung. Und noch etwas hat meine Aufmerksamkeit erregt. Die Tänzerin ist schwanger. Es entstehen unwillkürlich Gedanken rund um das Thema: Kann man so tanzen in der Schwangerschaft? Die Bewegungen sind schnell und teilweise ruppig aber im Ganzen in einem Fluss und schön anzusehen. Während der ganzen Zeit, lässt sich der Barkeeper in seinem Handeln nicht beirren und bleibt bei sich und seiner Arbeit.

„Disembodied“ behandelt das Thema der Identität in der heutigen Zeit. Wie verhält es sich mit dem eigenen Körper und der eigenen Identität während man im Internet unterwegs ist und sich eigentlich völlig anonym bewegen kann. Der Barkeeper symbolisiert hier sehr schön die Anonymität, versteckt hinter Glas, völlig mit sich alleine, während draußen das körperliche versucht, Aufmerksamkeit zu bekommen. Menschen, die Identitätslos durch einen künstlich geschaffenen Raum bewegen, immer anonym und in Unsicherheit des Gegenübers können auch keine Körperverständnis mehr entwickeln. Der Mensch kann nicht unterteilt werden in Identität und Körper. Nur zusammen kann dieses System funktionieren und die Menschheit ist dabei, sich in arge Probleme zu stürzen, in dem sie mit ihrem Körper nicht mehr die Umgebung spüren können und sich daraus resultierend in Identitätskonflikte stürzen, die durch die multiplen Persönlichkeiten im WWW geradezu monströs verstärkt werden.

Musikalisch bewegen sich Sultans Court eher in einem stetigen Klang, einem gleich bleibenden Puls, der zuerst musikreduziert sich auf Julius Stimme konzentriert. Klatschend und mit vibrierenden Synth wird ein Spannungsbogen angefangen während Julius gebetsartig wiederholend fragt: „Pen name to disembody, change it to lose your walls, Pen name to disembody, share it with us all.“ (Pen = Pseudonym). Langsam erhebt sich die Musik, Gitarre und Klang bäumen sich auf, der Druck verstärkt sich, die Fragen werden lauter und unterstützt durch. „Don’t you wonder, I could be anybody!“ Eine wohl berechtigte Frage und Feststellung in der heutigen Zeit, die die Festigkeit der eigenen Identität in Frage stellt und gleichzeitig an den menschlichen Verstand appelliert, wieder zu hinterfragen, was wir für selbstverständlich halten. Mit elektronisch seichten Klängen begleiten uns die Jungs aus ihrem Song und lassen uns mit unseren Gedanken alleine. Text und Musik sind in diesem Stück sehr fein aufeinander abgestimmt. Fast wie eine Geschichte schaffen es Sultans Court mit purem Elektro-Indie-Rock die Zuhörer mit in ihre Welt zu nehmen und ihnen nachdrücklich zu zeigen, was ihnen wichtig ist.

 

Natürlich hatte ich Gelegenheit mir die ganze EP anzuhören und ich bin schier begeistert von dieser Debüt-EP. Die Indie-Welt kann sich über fünf neue Songs freuen, die vor Vielschichtigkeit, Abwechslungsreichtum aber auch von einem beständigem Bass und wahnsinnig kreativen Instrumenten und Percussions nur so strotzen. So etwas bekommt man als Band nicht hin, nur weil man Alt-J als Vorbild hat. So etwas ist mit harter Arbeit und einem richtig guten Musik-Gefühl verbunden, ebenso wie man spüren kann, dass dieses Quartett in sich absolut stimmig ist und sie es schaffen ihre Musikwelt und Atmosphäre auf den Hörer zu übertragen in der Kombination besonderer Klangwelten mit einer vielschichtig präsenten Stimme.

Spätestens mit der Veröffentlichung ihrer ersten EP sind die Indie-Bühnen dieses Landes nicht mehr sicher vor Sultans Court. Diesen Sound kann ich mir ganz besonders gut auf Bühnen und Plätzen vorstellen, auf denen die Menschen zum Tanzen zusammen kommen. Niemand wird still stehen können, die Festivals werden kochen, wenn dieser herztreibende Bass aus den Boxen dringt.

 

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