Peter Doherty

Peter Doherty „Hamburg Demonstrations“

Peter Doherty "Hamburg Demonstrations" Rezension von Ariane Seidl beim Soundkartell

Peter Doherty „Hamburg Demonstrations“ Rezension von Ariane Seidl beim Soundkartell

Ariane Seidl hat sich die neue Platte von Peter Doherty angehört und beim Soundkartell erfahrt ihr wie sie gefällt.

Beginnen wir diese Rezension mit einem Geständnis: Ich habe nie aktiv The Libertines gehört. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass die britische Indie-Rock-Band zu einer Zeit berühmt wurde, in der ich gerade damit beschäftigt war mit meinen Ausmalkünsten in der Vorschule zu glänzen. (Mehr oder weniger.) Manchmal ist das ein bisschen unangenehm. Zum Beispiel, wenn ich mich aus Versehen in Gesprächen über The Libertines wiederfinde und angespannt versuche, mein Unwissen zu vertuschen.

Möglicherweise ist dieses Verhalten überflüssig. Es in Ordnung nicht den kompletten Werdegang, die lückenlose Diskografie und die Stammbäume der Mitglieder einer jeden Band auswendig zu wissen. In manchen Fällen birgt das sogar Vorteile.

So konnte ich mir Peter Dohertys „Hamburg Demonstrations“ völlig unvoreingenommen anhören, ohne ihn an seinem Sein als Leadsänger von The Libertines oder den Babyshambles zu messen. Dass der mittlerweile 37-jährige damals von der Boulevard-Presse wegen seiner Drogeneskapaden ausgeweidet wurde und unverschämte Wetten über seine Lebenszeit über sich ergehen lassen musste, weiß ich nur durch meine Recherche. Für mich könnte Doherty ebenso ein englischer Newcomer sein, ein unbeschriebenes Blatt.

Peter Doherty "Hamburg Demonstrations" Rezension von Ariane Seidl beim Soundkartell

Peter Doherty „Hamburg Demonstrations“ Rezension von Ariane Seidl beim Soundkartell

Das am 2. Dezember 2016 erschienene „Hamburg Demonstrations“ ist nach „Grace / Wasteland“ (2009) das zweite Soloalbum Dohertys. Es vereint Britpop und Folk mit meist ausgefallenen und cleveren Texten. Mal klingt es munter („Kolly Kibber“), mal ist es melancholisch („She is Far“). Es beschäftigt sich mit Liebe („The Whole World Is Our Playground“, „I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone)“), aber auch mit den Ängsten vor Abstürzen und Vereinsamung („Kolly Kibber“).

Besondere Erwähnung verdient „Flags From The Old Regime“, ein Lebewohl an Dohertys gute Freundin Amy Winehouse. Die Einnahmen des bereits im Voraus veröffentlichten Songs wurden an die Amy Winehouse Foundation gespendet. Das Institut widmet sich der Hilfe für Menschen mit Suchtproblem.

„Hamburg Demonstrations“ ist lässig und rotzig, vielleicht sogar ein bisschen ranzig. Gut, zwischen all dem Pop-Geblubber, welches einen Großteil unserer nationalen Radiolandschaft bestimmt, mag es wirken wie der unangepasste Cousin im Kreise einer Spießbürgerfamilie. Fragt sich nur, ob das wirklich ein Kritikpunkt ist. Wer sich auf „Hamburg Demonstrations“ einlässt, der hat auf jeden Fall mehr zu gewinnen, als er verlieren kann.

Ein Text von Ariane Seidl.

Peter Doherty live:

20.02.2017 Frankfurt, Batschkapp
21.02.2017 Munich, Muffathalle
22.02.2017 Cologne, Live Music Hall
24.02.2017 Hamburg, Große Freiheit
25.02.2017 Berlin, Huxleys

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