Laura Marling „Semper Femina“

Für immer eine Frau – Laura Marling´s neues Album „Semper Femina“

Laura Marling neues Album

Laura Marling neues Album

Wolfgang Baustian hat sich Laura Marling’s neues Album angehört.

Laura Marlings neues Album „Semper Femina“ ist am 10.3.2017 erschienen. Ich hatte mich bereits im Vorfeld zur Anfrage der Rezension von dieser unheimlich tiefgreifenden sowie energiegeladenen Stimme der Britin einfangen lassen und freute mich sehr auf das Thema. Allerdings gibt es keine Rezension ohne eine Recherche. Wer ist Laura Marling und was bedeutet der Titel „Semper Femina“ überhaupt? Die Ergebnisse haben mich in der Tat befangen gemacht und ich wußte nicht, ob ich mir als Mann überhaupt ein Urteil über das neun Titel umfassende Werk bilden kann oder darf.

Bereits die Auflösung des Titels „Semper Femina“, der übersetzt soviel bedeutet wie „Für immer eine Frau“, beschlich mich das Gefühl, dass es hier um wirklich mehr geht, als schnöder Folk-Pop. Was angesichts der Person wohl auch gar nicht möglich ist, denn Laura Marling ist eine Ausnahmekünstlerin, die bereits als Teenager viel Beachtung für ihr Album „Alas, I Cannot Swim“ bekam und sich damit ihren Status im Indie-Folk-Himmel sichern konnte.

Wie die Auflösung des Albumtitel es bereits verriet, geht es hier um die Frau in ihrer Persönlichkeit sowie der Auseinandersetzung darüber, was es bedeutet eine zu sein. Vielleicht sind spätestens jetzt meine Hemmungen nachzuvollziehen, scheint sich mir ein Fettnäpfchen neben dem anderen aufzutun. Andererseits ist es für den männlichen Teil der Zuhörerschaft die Gelegenheit, Einblicke in die Gedankenwelt einer Künstlerin zu bekommen, die sich dem Thema des Feminismus auf der Ebene der Musik nähert.

Oh je, von Song zu Song ereilt mich ein Wechselbad der Gefühle. Lausche ich doch zum Einen zu gerne der Stimme von Laura Marling, versinke in den zum Teil sehr eindringlichen Arrangements der Lieder und finde mich bei den Texten immer wieder auf den Boden der Tatsachen. „Sie wäre so gerne frei, doch Frauen können es alleine nicht sein“ singt Laura Marling und scheint mit diesem Satz ihren eigenen Zwiespalt zu beschreiben, eine Frau sein und was dies für sie bedeutet. Immer mehr komm ich mir dabei vor, als ob ich heimlich ein intimes Gespräch unter Frauen belausche.

Schützenhilfe bekomme ich unverhofft bei der weiteren Recherche, denn das Album entstand zusammen mit dem jungen Blake Mills, der nach Aussage von Laura Marling der talentierteste Mensch ist, den sie kennt. Wenn also bereits beim entstehen dieser intimen Einblicke ein Mann beteiligt war und dennoch ein so intensives Album entstanden ist, sollte ich doch einmal mehr Selbstbewusstsein zeigen und mir der Chance bewußt werden, an etwas großen Teilhaben zu dürfen.

Allerdings gehöre ich auch zu den Menschen, die gerne Musik einfach nur so konsumieren, bin aber trotzdem nicht der Freund leicht verdaulicher Pop-Kunst. Jedoch werden bei „Semper Femina“ Stilelemente von Jazz über Folk bis hin zu Blues so miteinander verwoben, dass das Hören einstweilen anstrengt und recht avantgardistisch wirkt. Was „Semper Femina“ zu einem Album macht, dem man sich mit allen Sinnen widmen muss. Das schnuppert man eben nicht mal so weg. „Semper Femina“ will gehört, gefühlt und verstanden wissen.

Trotzdem bleibt am Ende das Gefühl, das Musik für jeden die Möglichkeit besitzt, das für sich Essentielle daraus zu ziehen. Von welcher Seite auch betrachtet, bleibt „Semper Femina“ ein anspruchsvolles Kunstwerk, dem man sich auch gerne schrittweise nähern kann. Denn soviel Talent will (oder muss) einfach kanalisiert werden. Erst dann bekommt es die Chance, sich der Allgemeinheit zu stellen und sich den Respekt und die Bewunderung zu verdienen. Und somit ist „Semper Femina“ auch bei mir endgültig angekommen.

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