Interview: Zweite Jugend

Zweite Jugend im Interview

Zweite Jugend im Interview mit Silke

Da war Musik drin!

Zum ersten Sarstedter-Bier-Brauseminar, seit die Corona-Krise auch nicht Stopp vor der Braumanufaktur gemacht hatte und die Seminare leider ausfallen mussten, war es am Samstag dem 11.07.2020 endlich wieder soweit. Die Osnabrücker Electro-Band „Zweite Jugend“ war mit dabei und somit war diesmal richtig Musik drin.

Der Inhaber der Braumanufaktur, Maik Oliver Towet, zeigte am Samstag, den 11.07.2020, den beiden Bandmitgliedern Marcel Lüke und Eli Van Vegas zusammen mit ihren beiden Merchandise-Profis die Kunst des Bierbrauens. Pünktlich um 10 Uhr starteten die fünf, unter Einhaltung aller Hygienevorschriften, ihren Exkurs auf dem Weg zum eigenen Bandbier. Mit dem Namen „Körperliebe“ möchte die Elektro, Old School Band ihrer Familie (also ihren Fans) ein eigens gebrautes Bier servieren. Bis zum Mittag sogen die Vier alle Informationen auf und sahen Maik Oliver Towet dabei zu, wie er den feinen Gerstensaft braute.

Letzendlich in der verdienten Mittagspause angekommen fand die Band immer noch keine Ruhe. Musikredakteurin Silke Knauer vom Musikblog soundkartell.de hatte natürlich mitbekommen, dass die Osnabrücker Band in der Stadt ist und hatte sich spontan zu einem Interview eingeladen:

Soundkartell (SK): Ihr lernt heute Euer eigenes Bier zu brauen! Wollt ihr die Branche wechseln?

Zweite Jugend (ZJ): Ich glaube das war schon immer die selbe Branche. Zumindest sind sie sehr stark miteinander verwoben 😊




SK: Habt ihr schon eine Vermarktungs-Idee für das Bier und einen Namen?

ZJ: Das erste Bier hat den Konzeptnamen „Körperliebe“ nach unserem Titellied vom letzten Album. Wir haben aber auch schon ein paar weitere Namen für weitere Produkte, konzeptionell für das nächste Album.

SK: Das nächste Album ist schon in Planung? 2019 ist doch Euer zweites Album „Elektronische Körpermusik“ erschienen:

ZJ: Das Konzept für das dritte Album haben wir aber auch schon seit dem. Wir müssen nur die Lieder endlich mal aufnehmen.

SK: Dann können wir uns ja auf die Veröffentlichung vom dritten Album gemeinsam mit dem Bier freuen.

ZJ: Das Album wird wohl doch etwas länger dauern als das Bier. Da lassen wir uns Zeit. Schließlich müssen wir erstmal noch einen draufsetzen.

SK: Was ist für Euch die Weiterentwicklung vom ersten zum zweiten Album und wie wollt ihr in die Zukunft weiter gehen?

ZJ: Mit unseren vorherigen Projekten kommen wir aus dem EBM-Bereich, dort sind wir gut vernetzt und kennen viele Leute. Deshalb haben wir das erste Album etwas reduzierter und rumpeliger produziert, weil wir wussten dass wir in diesem Genre dann mehr Erfolg haben damit, was dann auch so war. Mit dem zweiten Album haben wir uns dann getraut auch andere Musik-Szenen und Fans anzusprechen und das dritte Album soll den Kreis noch einmal erweitern.

SK: An der letzten Single „Die ganze Nacht“ zusammen mit Sängerin Liss Eulenherz kann man erkennen, dass ihr Euch breiter aufstellt.

ZJ: „Die ganze Nacht“ und das letzte Lied „Kontonym“ vom letzten Album sind die Vorboten für das nächste Album. Wir haben versucht mit möglichst wenig Mitteln die Lieder vollkommen auszureizen. Mit nur zwei Synthesizern haben wir es geschafft, das Lied soundtechnisch komplett auszufüllen. Und jetzt möchten wir uns die Freiheit nehmen, künstlerischer zu werden. Das letzte Album war sehr tanzbar. Aber nun müssen wir auch an die Konzerte und Festivals denken und müssen auch mal 60-90 Minuten gut füllen können. Ich glaube wir haben uns den Freiraum geschaffen, dass wir auf dem dritten Album mal wieder ein bisschen abstrakter werden können; eine Mischung aus Partymusik und Klangkunst.

SK: Ihr betont ja immer, dass ihr das minimalistische und das reine an der Musik mögt.

ZJ: Was Instrumente angeht, sind wir ja bisher sehr minimalistisch runtergebrochen. Mit den Stärken vom ersten Album, mit dem was unsere Musik ausgemacht hat, sind wir im zweiten Album noch stärker, noch mehr geworden, ohne den Minimalismus zu verlieren. Eine Band führt man wie eine Mischform aus Unternehmen und Beziehung. Wir gehen strategisch vor und gucken, dass wir langfristig arbeiten und dass wir einen Plan haben. Die ersten drei Alben haben wir von Anfang an im Kopf gehabt.

Zweite Jugend im Interview mit Silke

SK: Ihr seid zu Zweit. Wart ihr denn gedanklich immer auf der gleichen Schiene unterwegs oder kam es auch zu Unstimmigkeiten?

ZJ: Wir kennen uns schon ewig und wir treffen uns so oft. In letzter Zeit haben wir auch einfach mal stundenlang über Naturwissenschaften oder Astrophysik geredet, alternative Physikkonzepte, Weltbilder usw.

SK: Diese Themen lasst ihr dann auch in Eure Texte einfließen?

ZJ: Ja, das machen wir.

SK: Wie wichtig ist es Euch politisches Geschehen mit aufzunehmen? Der Song „Euroträume“ und das zugehörige Video zeigt ja einen klar politischen Hintergrund.

ZJ: Das Lied haben wir 2015 in der Flüchtlingskrise geschrieben und produziert. Wir wollten den Ist- und Sollzustand aufzeigen. Also, die Vorstellung, wie etwas sein könnte, nur weil man darüber gehört hat und im Gegensatz dazu dann die Realität. Gerade auch dadurch, dass die meisten Menschen Zugang zum Internet haben heutzutage, verbreiten sich Gerüchte sehr schnell und die Menschen glauben es, ohne es einmal zu hinterfragen. Wir haben damals versucht uns in die Situation eines Flüchtlings zu versetzen und geguckt, was dieser glauben könnte, was ihn in Europa erwartet. Es ist nicht das Paradies, dass erwartet wird. Die Menschen kommen in Unterkünfte und haben hier erst einmal gar nichts, außer drei Mahlzeiten am Tag und ein Bett. Vor 120 Jahren gab es diese Situation schon einmal: Die Menschen dachten, dass in Nordamerika die Straßen wirklich aus Gold sind und alle wollten dort hin. Viele deutsche Auswanderer sind damals dort hingegangen, eben weil sie es wirklich geglaubt haben. Das es nicht der Realität entsprach, haben sie dann erst dort gesehen.

SK: Kommen die Video-Ideen auch von Euch? Mit wem produziert ihr die Videos?

ZJ: Wir haben alle Videos selbst produziert und konzeptioniert. Das Video zu „Die ganze Nacht“ haben wir zusammen mit der Sängerin Liss Eulenherz produziert, da sie selber auch Videografin ist.

SK: Das klingt ja alles nach viel Arbeit und ich weiß, dass ihr beide auch noch einem Beruf nachgeht. Darf ich fragen was ihr macht und wir ihr Eure Zeit einteilt?

ZJ: Wir haben den Vorteil, dass wir auch befreundet sind und unsere Zeit gemeinsam nutzen, um unsere Musik zu machen. Die Fans, die zu unseren Konzerten gehen, arbeiten ja auch und gehen dann am Wochenende ihrem Hobby nach und so ist es bei uns eben auch. Eli hat den den großen Vorteil selbständig zu sein und seine Zeit frei einteilen zu können.

SK: Was machst du denn?

ZJ: Eli: Ich habe Design studiert und arbeite jetzt als Kommunikationsdesigner und kann auch mal länger voraus planen, z. B. auch wenn eine Tour ansteht. Marcel: Ich bin im Vertriebsaußendienst und bin daher auch sehr flexibel in meiner Zeitplanung. Es ist uns sehr wichtig, dass diese Zahnräder ineinander greifen. Privat sind wir eher sehr zurück gezogen, wir haben uns sehr abgeschottet und eine Art eisernen Vorhang aufgebaut haben, damit wir unsere Kreativität aus der Ruhe schöpfen können. Wir machen uns frei von der Musik und beschäftigen uns mit anderen Dingen und kommen so auf neue Ideen und neue Musik. Dadurch, dass wir so zurück gezogen leben, sind wir auch sehr vorsichtig mit Menschen, die dazu kommen. Letztes Jahr haben wir Jens, unseren Merchandiser kennengerlernt und es hat schon lange gedauert, bis wir ihn ganz mit aufgenommen haben. Das ist vielleicht auch typisch norddeutsch. Die Menschen, die um uns herum sind, wie unsere Tourfotografin oder auch eben Jens, die nennen wir dann schon fast unsere Geschwister.

SK: Ihr nennt Eure Fans ja auch Familie. Daran kann man erkennen wie wichtig Euch das Zwischenmenschliche ist.

ZJ: Die Verbundenheit ist schon krass. Wenn man auf der Bühne steht und mit den Fans interagiert, das ist schon toll. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die uns wie rohe Eier behandeln, aber es gibt halt auch unzählige, die wir schon jahrelang kennen, die uns zu unseren Konzerten nachreisen und mit denen wir uns regelmäßig treffen und unterhalten, dass ist wie nach Hause kommen. Deshalb gehen wir mit dem Publikum auch nicht distanziert um.

SK: Eine meiner Lieblingsfragen ist immer: Große Bühne oder kleiner Club. Aber ich denke, ich findet Euch auf beiden Elementen gut zurecht?

ZJ: Hauptsache kein Mittelding! Kleine Clubs sind super, die sind so schön direkt. Ich bin ein Frontmann, der gerne mal auf Kuschelkurs geht und die ersten Reihen auch versucht physisch zu erreichen, zu umarmen oder so, da es ja auch oft Freunde sind. Auf den großen Bühnen geht das teilweise auch, da kann man ja hinspringen 😊 In einem kleinen Club fällt es einem meistens gar nicht auf, dass es wenig Leute sind, auf einer großen Bühne hingegen, sieht es immer nach wenig Menschen aus. Beim WGT in Leipzig letztes Jahr haben wir im Haus Leipzig gespielt, da passen ca. 2000 Leute rein und das fühlte sich nicht mehr an als 400 Leute. Da muss man sich in Erinnerung rufen, wie viele Leute da wirklich stehen! Aus Publikumssicht ist das natürlich ganz anders.

SK: Ihr hättet dieses Jahr das E-Tropolis-Festival mit Namen wie Front 242, Covenant und Hocico gespielt. Das ist ja schon eine große Bühne. Gerade nach der Veröffentlichung Eures zweiten Albums wäre das ja ein riesen Erfolg gewesen, um auch neue Fans zu begeistern.

ZJ: Das wird ja nachgeholt nächstes Jahr.

SK: Wie empfindet ihr denn den Stillstand jetzt? Nutzt ihr die Zeit und arbeitet an neuen Ideen oder denkt ihr eher „Oh nein, wir verlieren jetzt ein ganzes Jahr“?

ZJ: Nein, das eher nicht. Natürlich hätten wir gerne die ganzen Konzerte gespielt. Der Großteil wird ja verschoben. Verloren haben wir glaube ich nichts. Vielleicht haben wir sogar etwas gewonnen. Unsere Fans kommunizieren nun viel näher mit uns. Wir haben genau eine Woche vor dem E-Tropoli extra noch das Video zu „die ganze Nacht“ fertig gestellt und den Song veröffentlicht. Für die ganzen Konzerte hatten wir Liss natürlich auch als Gastsängerin eingeplant. Erst waren wir schon ziemlich geschockt, weil wir gerade dabei waren, uns auch an die größeren Bühnen zu gewöhnen. Durch diese Krise haben wir uns jetzt mal ein paar Wochen gar nicht um die Musik gekümmert und uns einfach mal so getroffen. Jetzt haben wir festgestellt, dass wir durch die Pause viel ruhiger und nüchterner an das neue Album gehen können.

SK. Ihr gebt Die Kupps und Nitzer Ebb als Einfluss auf Eure Musik an. Habt ihr die Bands schon einmal getroffen?

ZJ: Eli: Mit Die Krupps bin ich mit einer anderen Band als Support-Band mitgereist und Nitzer Ebb kennen wir indirekt über eine Backstage-Begegnung und durch Bekannte. Durch Festivals und andere Konzerte kommt man automatisch in den Kontakt zu anderen Bands.

SK: Ich möchte Euch jetzt gar nicht länger vom Bier brauen abhalten. Habt ihr noch etwas, was die Welt über Euch wissen soll?

ZJ: Es wäre schön, wenn die Konzerte wieder los gehen. Wir kämpfen dafür und versuchen über Hygiene-Konzepte vieles wieder möglich zu machen. Marcel: Was ich schön finde, ist, dass die Fans bei uns geblieben sind. Sie haben den Kontakt gesucht und uns auch gefragt, wie es uns geht. Das finde ich richtig gut. Direkt nach dem Lockdown haben uns die Fans angeschrieben und gefragt, wie das für uns ist. Und ich glaube viele Menschen haben ihre Zeit nun auch genutzt, um neue Musik kennen zu lernen und wir haben dadurch neue Fans gewonnen.

SK: Ich bedanke mich bei Euch für dieses sehr sympathische Interview und wünsche Euch, dass ihr bald wieder live loslegen dürft.

Nach dieser anstrengenden Arbeit gab es eine leckere Stärkung und es konnte nun in den finalen Brauabschnitt gehen, so dass zum Schluss alle gemeinsam ein Schlückchen des eigenen Bierchens probieren konnten. Selbstverständlich muss das Bier nun erst noch reifen und die goldene Pracht kann erst in 4 Wochen zur Verköstigung abgeholt werden. Klar ist den Jungs auch geworden, dass man dieses Handwerk nicht nebenbei betreiben kann und das hier professionelle Hilfe für ihr Bandbier angesagt ist, aber die besten Verbindungen wurden ja geknüpft. Wichtig ist: Es hat allen viel Spaß gemacht, es war ein erfolgreicher Tag.

 

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