Interview: Zoi!s

Zoi!s im Interview

Vor ein paar Wochen haben wir euch Zoi!s aus den Norden vorgestellt. Mittlerweile ist ihre EP „Wieder Fremd“ erschienen und wir haben es uns nicht nehmen lassen den Jungs ein paar Fragen zu stellen. Was eine Stadt wie Schleswig den Musikmetropolen der Welt voraus hat und welche Frage Gitarrist Hannes besonders wichtig ist, erfahrt ihr hier. Lest auf jedenfalls bis zum Ende, um zu erfahren wo ihr die Jungs auf Tour besuchen könnt.

Zoi!s im Interview beim Soundkartell

Zoi!s im Interview beim Soundkartell

Soundkartell: „Wieder fremd“ ist eure mittlerweile dritte EP. Was hat sich seit der Ersten verändert? Wie schaut eure Arbeitsteilung und euer Prozess aus?

Rasmus: Nach Veröffentlichung der ersten und zweiten EP fiel es uns aufgrund vieler gespielter Konzerte schwer, sich mit neuen Ideen und Sounds länger als einige Wochen zu befassen, weshalb viele Demos entstanden sind, die letztendlich in unserer Dropbox landeten und nicht weiter beachtet wurden. Im Winter 2017 haben wir uns deshalb dafür entschieden eine Live-Pause einzulegen, um uns wieder regelmäßig zum Proben bzw. Songwriting zu treffen. Im Vergleich zu den letzten EPs haben eine strukturiertere Herangehensweise und reichlich Diskussionen zu dem beigetragen, was die fünf Songs der neuen EP nun ausmacht. In den meisten Fällen entsteht das instrumentale Grundgerüst beim Zusammenspiel von Hannes, Marv und mir, wobei Hannes seit jeher eine tragende Rolle im Songwriting-Prozess spielt. Ab einem gewissen Punkt nehmen wir eine Demo auf und Felix denkt sich einen passenden Text dazu aus. Bei dieser Platte haben aber schlussendlich alle dafür gesorgt, ein uns sehr zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Und zusätzlich gibt es unsere Musik zum ersten Mal auf Vinyl!
Marv: Wie Rasmus schon angedeutet hat, haben wir seit der letzten Veröffentlichung, gelernt unsere Lieder deutlich mehr zu überarbeiten. Die Songs auf der fertigen Platte sind teilweise doch deutlich anders als ihre ersten fertigen Demos. Ansonsten verfolgen wir nach wie vor den Ansatz, dass nur das Material weiterentwickelt wird, welches von allen Bandmitgliedern für gut befunden wird.
Felix: Für mich hat sich vor allem die Wahrnehmung der Musik verändert. Am Anfang haben wir weder mit der Ernsthaftigkeit noch mit der Ambition Musik gemacht, wie wir es jetzt tun. Das Ziel hat sich für mich von bloßem Spaß an der Musik zu einer Möglichkeit verschoben, mit unserer Musik auszudrücken, wofür wir stehen.
Hannes: Felix Sichtweise lässt sich für mich wohl vielmehr auf den gesamten Entwicklungsprozess für uns als Band beziehen. Speziell auf die neue EP bezogen kann ich aber auch Marv und Rasmus zustimmen – wir geben uns selten schnell mit Songs zufrieden und hinterfragen unser Material immer wieder aufs Neue. Oft hat das auch für frustrierende Momente gesorgt, allerdings sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es hat sich also gelohnt!

S: Wie hat sich euer Stil seit der erste EP verändert? Was auf „Wieder fremd“ ist neu? Was ist alt?

R: Grundsätzlich machen wir noch immer deutschsprachigen Punk-Rock mit einigen Einflüssen aus anderen Subgenres. Im Vergleich zur letzten EP „Splitter“ haben wir versucht, die Songs abwechslungsreich, jedoch trotzdem kompakt zu halten. Außerdem bin ich persönlich davon überzeugt, dass der Gesang zusammen mit dem Instrumental besser als je zuvor harmoniert und dafür sorgt, dass sowohl auf der Platte als auch live bei unseren Konzerten die gleiche Energie transportiert wird.
M: Neu ist definitiv, dass wir bewusst auch mehr Noise-Parts einbauen, weil wir diese besonders im Livekontext sehr schätzen.
H: Ich finde es immer schwierig, die eigene Musik zu beschreiben. Die neuen Songs unterscheiden sich meiner Meinung nach aber am meisten durch besseres Songwriting von der ersten EP. Das betrifft alle Instrumente. Allein das Schlagzeug hat wesentlich mehr Struktur als noch in den alten Songs. Auch haben wir uns noch weiter von der typischen drei Akkorde-Punkrockstruktur entfernt. Cool finde ich zudem, dass Felix Gesang noch immer nach ihm klingt, er sich aber deutlich weiterentwickelt hat.
F: Natürlich verändern sich im Laufe der Zeit die Interessen, die Lebensumstände und die damit verbundenen Probleme. Zusammen mit neugewonnenen musikalischen Eindrücken sehe ich die EP daher als einen gesamtheitlichen Fortschritt, ohne einzelne Dinge hervorheben zu wollen.

S: Wie seid ihr auf den Titel gekommen? Was bedeutet er für euch?

M: Der Titel spiegelt ziemlich genau unsere Ansicht auf die Gesellschaft wider. Vieles wirkt sehr befremdend auf uns.
F: Die Kombination der Wörter kommt übrigens im Text von „Ganz Unten” vor. Allerdings sind sie auch losgelöst von diesem Song für uns sehr vielsagend. Wie man den Titel nun interpretiert, ist eigentlich jedem selbst überlassen.
H: Genau. Obwohl „Wieder fremd“ auch ein Zitat aus dem Song „Ganz unten“ ist, findet sich das damit ausgedrückte „Gefühl“ auch in anderen Songs der Platte wieder. Ganz gleich, ob es sich dabei um politische, gesellschaftliche oder einfach nur zwischenmenschliche Thematiken handelt – wir haben immer wieder den Eindruck, auf immer gleiche Situationen zu treffen, in welchen man sich am Ende mindestens innerlich von der Gesellschaft distanziert fühlt. Und das auch egal an welchem Ort – immer „Wieder fremd“ also.

S: Schleswig ist ja nicht unbedingt die Musikmetropole der Republik. Was hat es vor Vorteile in einer Kleinstadt seine Karriere zu beginnen? Was hat Schleswig Städten wie Berlin voraus?

M: Eigentlich kann man sagen, dass wir alle gar keine großen Fans der Stadt Schleswig sind. Ich bin tatsächlich der einzige, der dort wohnt.
H: Wir kommen allerdings allesamt aus der Gegend und haben nach wie vor unseren Proberaum dort. In unseren Anfängen gab es nämlich ein vom Kulturnetz-Schleswig e.V. organisiertes Proberaum- und Künstleratelierkollektiv, in welches Rasmus und ich im Jugendalter hineingewachsen sind. Ich weiß noch genau, wie groß und faszinierend mir die dortige Szene damals vorkam und wie gut es sich anfühlte, irgendwann selbst seinen eigenen Proberaum beziehen zu können.
M: Die Stadt hat sich allerdings leider nicht wirklich bemüht, den Standort des Vereins zu erhalten, inzwischen wurden die Gebäude sogar abgerissen. Davon waren Bands aus etwa 40 Proberäumen betroffen und Schleswig verlor seine komplette Subkultur, da es keine Alternative gab.
Besonders den starken Austausch unter den dort beheimateten Bands vermisse ich sehr. Ich glaube in einer Großstadt hat man diesen Austausch eher weniger. Aber wirklich beurteilen können wir es eigentlich nicht.
H: Ich muss an dieser Stelle deshalb noch einmal ausdrücken, wie dankbar ich für die Möglichkeiten bin, welche ich durch das Kulturnetz in Schleswig hatte. Ich behaupte einfach mal, dass wir ohne den Austausch mit anderen Bands im damaligen Proberaumhaus niemals über bloßes Jammen hinausgekommen wären. Kleinstädte wie Schleswig können also für junge Menschen großartige Möglichkeiten bieten. Die Szene ist familiär überschaubar, die Räumlichkeiten sind bezahlbar. Gefördert werden solche Möglichkeiten allerdings viel zu selten und es ist unendlich schade, dass Schleswig sich durch das Ende des Kulturnetzes selbst beraubt hat.

S: Mit welchen Klischees über Norddeutschland möchtet ihr aufräumen?

M: Nicht jede Band von hier oben klingt genauso wie Turbostaat. So blöd das auch klingt, aber das hört man so oft, dass man mittlerweile selbst daran glaubt.
R: Sehe ich genauso!
H:Trotzdem natürlich nichts gegen Turbostaat! Die hatten damals übrigens ihren Proberaum gleich neben uns und sind mit Sicherheit ein wichtiger Einfluss gewesen.

S: Den letzten Punkt möchte ich euch gerne offen lassen. Hier ist die Gelegenheit für Liebesbekundungen, Bandempfehlungen, DEM Tipp beim Umtopfen für Pflanzen oder anderes. Vielleicht gibt es ja auch eine Frage, die ihr super gerne mal beantworten würdet, die euch aber bisher noch niemand gestellt hat.

R: Danke Mama und Papa. Im Tourbus Joghurt essen und dabei lachen.
F: Ich möchte mich ganz klischeehaft bei allen bedanken, die zu unseren Konzerten kommen, unsere Musik hören, uns schreiben, dass sie die Musik toll finden oder uns nach dem Konzert darauf ansprechen oder Fragen stellen. Ohne diese Menschen wäre das Musikmachen für mich bei weitem nicht so erfüllend.
H: Was Felix sagt! Ich drehe die Nummer hier allerdings einfach mal um und stelle selbst eine Frage, die mir wirklich wichtig ist: Würdet ihr lieber gegen hundert entengroße Pferde oder eine Pferdegroße Ente kämpfen müssen?

Für alle, die ein geiles Post-Punk Konzert besuchen möchten, sind hier die Tourdaten:

23.10.2019 – Oldenburg / Alhambra
24.10.2019 – Wuppertal / Bürgerbahnhof
25.10.2019 – Trier / villaWuller
26.10.2019 – Detmold / Alte Pauline
27.10.2019 – Duisburg / Djäzz Jazzkeller
29.10.2019 – Hamburg / Semtex
01.11.2019 – Kiel / Schaubude
02.11.2019 – Flensburg / Hafermarkt
23.11.2019 – Norderstedt / Soziales Zentrum (neu dabei!)
06.12.2019 – Bad Oldesloe / Inihaus
07.12.2019 – Hannover / Stumpf
13.12.2019 – Bremen / Haifischbecken

 

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