Interview: Redweik – „Deutsch wird oft als eine sehr unliebsame und harte Sprache gesehen“

„Deutsch wird oft als eine sehr unliebsame und harte Sprache gesehen“

Redweik im Interview

Redweik im Interview

Das Soundkartell hat sich mit den Jungs von Redweik aus München unterhalten. Dabei sprechen sie über ihr Debütalbum, über die deutsche Sprache und über die Liebe. Das gesamte Interview lest ihr jetzt hier.

Das Thema “Liebe” hat in euren Songs einen recht hohen Stellenwert oder?

Redweik: Das stimmt, aber wenn man da genauer hinsieht merkt man, dass wir uns durchaus kritisch damit auseinandersetzen: Die Liebe, die man von einem „Hochhaus“ stürzen will, die Frage ob man das wahre Glück schon gefunden hat, man sich treu und miteinander sicher fühlen kann – oder: „Sammelst Du Herzen“? Vielleicht will man auch „Keine Liebe“, zumindest nach Enttäuschungen und in bestimmten Phasen unseres Lebens. Warum? Weil man die Abhängigkeit, den „Rausch“ und die dazugehörige Ernüchterung und das Alleinsein fürchtet. Und überhaupt reden wir da nicht nur von der Gefühlsdimension der Liebe – selbst gesellschaftlich und vor dem Hintergrund neuer Medien kann man sich mal überlegen: Wo geht es hin? Was machen wir da auf Facebook und Co. oder auf Treff 18 und Datingapps eigentlich? Alles ist so nahe, scheint so nahe, alle sind schön und vielleicht gibt es ja immer was Besseres. Trotzdem wir glauben auch, dass Liebe „So schön“ sein kann und dass die Liebe auch nicht sterben wird. Aber in vielen realen Teilen unseres Lebens ist sie vielleicht (leider) anders geworden. – Entschuldigung für die lnge Ausführung an dieser Stelle 😉 – Und dann gibt es auf dem Album ja aber noch andere Themen: Befreiung aus der Alltagsmonotonie, Träume zulassen, nicht wie die anderen sein, sein Ding machen und nichts unversucht lassen, eben nicht „In Schönheit sterben“.

Soundkartell: Euch gibt es seit dem Jahr 2008. Seitdem gab es innerhalb der Band etliche Veränderungen. Was hat sich seitdem konkret verändert?

Redweik: Wir haben mit Tom unserem Bassisten vor zwei Jahren unsere endgültige Wunschbesetzung gefunden, überhaupt wir haben uns ein tolles Team zusammengesucht: Laserlaser unser Traummanagement :), Warner als Label und Universal als Verlag. Mit Robin und Kili haben wir nicht nur tolle Produzenten, sondern auch echte Wegbegleiter und kreative Freunde gefunden. Das ist uns auch sehr wichtig – mit Leuten arbeiten, die wir wirklich gerne mögen und die uns weiterbringen! Wir durften unser erstes Major-Album aufnehmen u.a. zusammen mit internationalen Top-Leuten, ich habe als Songwriter mit und für viele tolle Künstler schreiben dürfen und wir haben großartige Touren zusammen erleben dürfen und haben uns gezeigt, dass wir uns auch zwei Monate am Stück aushalten. Und für all das sind wir wirklich sehr dankbar und freuen uns auf die Platte und weitere Schulausflüge mit den Jungs!

Redweik im Interview

Redweik im Interview

Soundkartell: Robert, die Band ist ja nach deinem Nachnamen benannt. Bist du auch derjenige der beim Songwriting und allen anderen Entscheidungsprozessen die gewichtigste Stimme trägt?

Redweik: Die meisten Songs schreibe ich (Text, Melodie, erstes Arrangement), das nehme ich daheim auf dem iPhone oder in Miniproduktionssetup auf. Dann zeige ich den Song der Band. Da bin ich natürlich immer aufgeregt, wie das ankommt. Denn der Song muss nicht nur mich, sondern auch die Band berühren, uns gemeinsam aus der Seele sprechen, denn das soll er auf Bühne ja auch. Dann spielen wir gemeinsam den Song an im Bandraum, probieren Sachen aus, machen eine Vorprodukten (meist Wusch und ich) und falls die Produzenten und das Label auch noch glücklich damit sind, dann kommt so ein Song auf das Album. Also ja, ich schreibe die Songs, letztendlich entscheiden wir uns aber alle dafür, ob der auf ein Album, unser Album, kommt.

Soundkartell: Bist du auch derjenige, der das Zepter in die Hand nimmt, dass es innerhalb der Band voran geht?

Redweik: Ich bin natürlich schon ein bisschen der Bandpapa. Erstens ist die Band mit mir entstanden. Dann habe ich natürlich durch meine sonstigen Tätigkeiten (Unidozent, Gründungen etc.) auch etwas mehr mit Organisation am Hut. Und ich glaube die Jungs sind bei vielen Sachen auch ganz froh, dass ich die mache – zumindest höre ich da selten laute „hier!“-Schreie. Aber wir teilen uns durchaus verschiedene Sachen auf und treffen wie gesagt Entscheidungen gemeinsam. Und wann immer jemand etwas gut kann von uns, dann soll und muss er es auch machen – es geht uns ja um ein tolles Ergebnis!

Soundkartell: Ihr wart mit Bakkushan und Stanfour auf Tour. Welche konkreten Erfahrungen habt ihr dort gemacht, die euch als Band weitergebracht haben?

Redweik: Wir haben uns als Band einfach noch viel besser kennengelernt, wir haben vor vielen tausend Leuten wirklich mal ein Set gespielt, unsere Musik und unser Album (in Ausschnitten) ausprobiert in einem wirklich professionellen Setup und wirklich Bühnenerfahrung und Routine bekommen. Und natürlich durften wir auch mal ein bisschen RocknRoll oder wie das heisst machen, Nightliner, trinken, feiern, nicht wissen in welcher Stadt man gerade ist undundund… Aber natürlich auch alles selbst aufbauen, Kabel auf- und abrollen, selbst mit ein paar Stunden Schlaf viele hundert Kilometer fahren. Da gab es alles auf diesen Touren. Vor allem hatten wir genau das was wir uns immer gewünscht haben: Unsere Musik LIVE spielen und es kamen Leute, die es berührt hat, die Autogramme und Fotos wollten, am Merch-Stand Schlange gestanden sind.. das hatten wir nicht erwarten – aber wir haben uns so sehr darüber gefreut! Es war einfach eine großartige Zeit!!

Soundkartell: Wann tourt ihr denn selbst in Deutschland?

Redweik: Wir werden auf jeden Fall mit der Veröffentlichung unseres Albums im kommenden Jahr auch eine eigene Tour machen, da haben wir so Bock drauf!

Soundkartell: Vor wenigen Monaten habt ihr eure EP “Machine” veröffentlicht, was erwartet uns bzw. denjenigen, der euch das erste Mal hört?

Redweik: Wir hoffen man hört, dass wir wirklich viel Liebe in diese EP und dieses Album gesteckt haben. Wir haben uns da u.a. auch mit internationalen Leuten zusammengesetzt (Michael Brauer, Joe Zook), wollten einfach ein bisschen wegkommen von dem typisch deutschen Singersongwriter-Sound, obwohl wir natürlich deutsche Texte haben. Ansonsten versuche ich zugängliche Texte, die meinen Emotionen und Eindrücken entstammen zu schreiben, Texte, die einem nahe gehen können, weil man sie versteht – die aber auch eine Tiefe haben, die man für sich entdecken kann, die vielleicht ungewöhnliche Worte und Wendungen verwenden, oft aus dem Alltag – verpackt in das musikalisches Gewand, das ihnen unserer Meinung nach am besten gerecht wird.

Soundkartell: Mit “Keine Liebe” habt ihr ein komplett deutschsprachiges Album aufgenommen. Warum habt ihr euch für Deutsch in euren Texten entschieden?
Redweik: Deutsch wird zwar oft als eine sehr unliebsame und harte Sprache gesehen – aber letztendlich ist es die Sprache, die unsere Zuhörer verstehen und sprechen, meine Muttersprache, in der ich glaube mich am besten ausdrücken zu können, in der ich Nuancen zeigen kann, in der ich Alltagssprache mit Tiefe mischen kann. Das stört mich auch bei vielen „deutschen“ englischen Texten – die sind gerne mal sehr belanglos und verstecken sich hinter einer netten Phonetik.

Soundkartell: Das Album erscheint Anfang 2014. Welche Erwartungen setzt ihr in das Album?

Redweik: Das ist unser „Baby“, um dann doch mal das Englische zu bemühen 🙂 Auch wenn es „Keine Liebe“ heisst, haben wir da viel Liebe reingesteckt und hoffen natürlich, dass wir sowohl mit der Platte also auch live viele Leute damit abholen können, sie das entdecken was wir damit meinten und sie mitfühlen können.

Soundkartell: Was bedeutet das Wort “Emotion” für euch und in welchem Kontext steht der Begriff innerhalb eurer Musik?

Redweik: Emotion ist für mich der Motor, der uns Dinge tun lässt. Ich sehe mich als sehr emotionalen Menschen. Bei mir gibt es da auch noch eine starke rationale Seite – das ist vielleicht genau auch der Ansatz der Texte: Emotionen werden rational beobachtet oder begreifbar gemacht – da sind Schmerz und Heilung ja nahe zusammen. Musik, Texte entstehen aus Emotion und erzeugen Emotionen bzw. machen sie wieder-erlebbar. Dann ist die Emotion vielleicht so was wie Ursprung und Ergebnis von Musik und Texten. Irgendwie auch seltsam, wenn man so darüber nachdenkt.

Soundkartell: Letztes Jahr habt ihr bei Warner Music unterzeichnet. Inwiefern war das der konkrete Schritt dorthin, von der Musik leben zu können? Wie konntet ihr die Labelbosse überzeugen?

Redweik: Das war ein sehr wichtiger Schritt und auch ein grosser – Warner war und ist unser Wunschlabel, weil sie wirklich nachhaltig eine Band aufbauen und fördern wollen. Das haben wir auch daran gemerkt, mit welchen Leuten wir zusammenarbeiten durften, über welchen Zeitraum etc… aber es ist natürlich auch „nur“ ein weiterer Schritt, denn letztendlich muss man immer noch selbst für seine Musik und seinen Traum kämpfen, dafür arbeiten, immer wieder auch Dinge hinterfragen und dranbleiben. Ein Major-Label ist noch lang keine Garantie für den Lebensunterhalt. Wir machen auch alle noch andere Dinge nebenbei, ich nenne das gerne „wirtschaftlich-psychische Grundabsicherung. Und letztendlich entscheiden die Fans, die Konzertgänger und viele andere in den nächsten Schritten, wie gute das „Baby“ dann auf die Strasse kommt. Und man wir abrieten auch einfach immer weiter an unserer Musik, ich schreibe sehr viel, für mich, uns und auch andere Künstler (von Indie-Singersongwriter bis Howard Carpendale) – so ist einfach auch immer Musik in meinem Leben.
Und die Labelbosse konnten wir – so hoffe ich – vor allem durch unsere Musik, unseren Traum überzeugen und vielleicht dadurch wie wir auch als Menschen sind.

Soundkartell: Für euch ist Coldplay eine wichtige kreative Quelle, die euch auch in euer Musik beeinflusst. Wie versucht ihr euch dennoch davon abzugrenzen und ein Alleinstellungsmerkmal in eurer Musik herauszuarbeiten?

Redweik: Das machen wir durch deutsche Texte 😉 Nein – mal im Ernst: Wir haben sicherlich einige Einflüsse, Musikrichtungen und Bands, die wir gut finden. Letztendlich will man aber als Band natürlich etwas einzigartiges schaffen, zumindest in der Kombination der Dinge. Wir haben auch bewusst verschiedene Mischer ausprobiert – u.a. Michael Brauer von Coldplay, aber auch einen Joe Zook, der The Hives, One Republic oder Katy Perry gemacht hat. In Kombination mit unseren Soundvorstellungen, unseren Produzenten und unserer Art Songs und Texte zu machen hoffen wir dann natürlich, etwas ganz eigenes geschaffen zu haben. Aber natürlich sucht der Hörer immer nach Referenzen, um das Gehörte einordnen zu können „Texte wie“, „Sound wie“, „sehen aus wie“ usw…

Soundkartell: Mit welchen Vorurteilen seht ihr euch als Musiker konfrontiert?

Redweik: Das vielleicht fatalste Vorurteil – ein 80er-Jahre-Relikt: Hey, ihr seid doch im Fernsehen und bei einem Major-Label! Was macht ihr denn jetzt mit dem ganzen Geld? Oder auch: Ja, Musiker, wolltest immer lange schlafen und Groupies haben? Nein – gerade in der heutigen Zeit (und das ist jetzt nicht „früher war alles besser“ gemeint) muss man mehr denn je bei der Sache und trotzdem vielfältig sein. Die großen Stars sind tot. Und keiner weiß, ob es sowas wie Nirvana, Michael Jackso usw. je wieder geben wird. Es wird alles diversifizierter, spezieller – schon allein durch die modernen Medien und Präsentationsmöglichkeiten wie youtoube und Co. Da muss sich jeder seinen Platz suchen – ich waren aber auch vor reisserischen Slogans wie „Freiheit im Internet“ und „die Künstler verdienen doch bei Konzerten so viel!“ – wer ist denn „die Künstler“? Eine US-Elite, ein paar deutsche Urgesteine wie Grönemeyer und Co. – aber wenn ihr mal bei gut funktionierenden Band wie Jupiter Jones oder ähnlichen nachfragt – da gibt’s sicher keine Privatjets. Und nach wie vor: bei Musik ist die Währung Hoffnung. Das merke ich ja schon beim Songwriting, für uns und auch für sehr etablierte Künstler. Man reist auf eigene Kosten an, beschäftigt sich viele Tage mit Songs, schreibt sie, weiß nicht ob und wann und wie erfolgreich sie veröffentlicht werden. Und dann würden manche Leute noch sagen – ja gut, aber Carpendale und Lindenberg verdienen doch super auf Konzerten und Urheberrechte brauchen wir nicht. Spätestens dann muss jeder Songwriter sich einen ganz anderen Job suchen (oder sich völlig andere Prinzipien und Ertragsmechanismen etablieren bzw. dann gibt es Musik halt nur noch als Hobby). Sorry, das musste ich mal loswerden an der Stelle 🙂

Soundkartell: Stellt euch vor, ihr sitzt im ICE von München nach Hamburg und ihr habt die Möglichkeit als Band eine Durchsage zu machen und euch somit den Mitfahrern bekannt zu machen. Wie würde eine solche Ansage von euch aussehen?

Redweik: Verehrte Fahrgäste. Bitte nutzen sie in Zukunft die deutlich günstigeren und schnelleren Angebote unserer Newcomer-Konkurenz (Städtebusse, Car-Sharing, Mitfahrzentrale) – dann haben sie Zeit und Geld, sich das REDWEIK-Album „Keine Liebe“ zu kaufen und kommen auch sicher nicht zu spät zu unseren Konzerten. Auf 2014 und eine gute Reise!

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