Hearts Hearts

Hearts Hearts Interview „Wir fühlen uns musikalisch sehr beweglich.“

Hearts Hearts im Interview beim Reeperbahn Festival Special

Hearts Hearts im Interview beim Reeperbahn Festival Special

Die Indietronica Band Hearts Hearts steht uns im Reeperbahn Festival Special Rede und Antwort.

Es ist der dritte Act, den ich hier beim Soundkartell im Reeperbahn Festival Special vorstelle. Es handelt sich um das Indietronica Projekt Hearts Hearts aus Wien. Die vier Österreicher David Österle, Daniel Hämmerle, Johannes Mandorfer und Peter Paul Aufreiter haben dieses Jahr ihr Debütalbum „Young“ releast. Darüber spreche ich unter anderem mit ihnen. Aber auch darüber wie ihr Sound live wahrgenommen wird.

Soundkartell: Mit “Young” erschien dieses Jahr Euer Debütalbum. Könnt ihr Euch noch an die positivste Rückmeldung auf das Album erinnern, über die ihr Euch allesamt gefreut habt?

Hearts Hearts, Johannes: Was Pressestimmen anbelangt hat uns die Rezension in Drowned In Sound wohl am meisten gefreut. Nicht nur weil „One of the most arresting debuts in recent years“ ein sehr bekräftigendes Resümee ist, sondern weil der Text sich unseren Songs tatsächlich im Detail gewidmet hat. Aber die berührendsten Statements kommen eigentlich meist auf Konzerten nach dem Abgang, wenn die Leute einfach auf einen zugehen …

Gab es irgendeine Resonanz, über die ihr schmunzeln musstet und ihr gesagt habt: “Ok mein Gott egal. Ist halt seine Meinung.”?

Ja, klar – die gibt es wohl immer. Eine kleinere Rezension aus Frankreich etwa bescheinigte uns, mit Verweis auf Radiohead und Alt-J, dass unsere einzige Stärke hier deren Imitation wäre. Das lässt einen natürlich schmunzeln, vor allem weil all jene Bands, unter denen wir bisher in der Rubrik „klingt genau wie …“ verhandelt wurden, musikalisch unterschiedliche Wege gewählt haben.

Eure Musik wirkt zum Beispiel in “I Am In” auf mich oftmals sehr in sich gekehrt. Wie wirkt sich das live auf das Publikum aus?

Hm, wir hören das irgendwie öfter – auch über unsere Live-Performances selbst. Was es im Publikum macht, ist schwer zu sagen, aber wir spüren zwischen Bühne und Zuschauerraum doch öfter Mal so etwas wie „Feedback“: dass sich die Stimmung der Lieder durchaus in irgendeiner Form auch überträgt, sich gegenseitig verstärkt und hochspielt.

Stehen die Leute stoisch vor der Bühne und wippen mit geschlossenen Augen mit?

Gerade „I Am In“ lädt schon sehr dazu ein, ja …

Eure Tracks sind vom Songwriting her und in ihrer Struktur nicht so sehr an Konventionen gerichtet und wirken nicht limitiert. Inwiefern bahnen sich Eure Songs selbst Wege, die ihr dann im Songwriting gar nicht mehr beeinflussen könnt/wollt?

Puh … das ist deshalb schwierig zu beantworten, weil die Wege der zehn Stücke auf „Young“ doch höchst unterschiedlich verlaufen sind. Manche Lieder haben tatsächlich eine sehr starke Eigendynamik entwickelt, die wir keinesfalls drosseln wollten, weshalb viele der Sounds am Album auch eine gewisse Rohheit oder Verspieltheit haben. Andere Momente sind aber durchaus kontrollierter entstanden, bzw sind während der Produktion zwei Titel, “AAA“ und „Potemkinsche Dörfer“, gänzlich „umgeworfen“, zerpflückt und neu geordnet worden. Es ist oftmals ein ziemlich eigenwilliges Spiel, zwischen Aktion und Reaktion, Kontrolle und Offenheit.
Hearts Hearts im Interview beim Reeperbahn Festival Special

Hearts Hearts im Interview beim Reeperbahn Festival Special

Inwiefern ist es mit Eurem Sound immer schwieriger einen Platz in den Medien (Airplay im Radio) zu finden und raus aus der Nische zu kommen?

Wir denken, dass viele Bands, denen man diesen Platz in der Nische zuspricht die Erfahrung gemacht haben, dass das Arbeiten in sogenannten „Randbereichen“ auch bestimmte Vorteile hat. Das Bild der Nische vermittelt ja eine räumliche Enge, die real in der „Mitte“ des Musikgeschäfts, in kommerzielleren Strukturen weitaus präsenter scheint. Wir fühlen uns musikalisch sehr beweglich und wollen uns diese Freiheit und die Lust am Tun unbedingt erhalten. Airplay zu haben ist wichtig um Leute zu erreichen, aber die Kanäle zu neuer Hörerschaft sind vielfältig und haben sich medial stark gewandelt. Wir sind eigentlich sehr hoffnungsvoll, dass unsere Musik, unser Spagat zwischen Pop und Experiment weiterhin nicht uns allein in Gang halten wird.

Ihr spielt dieses Jahr beim Reeperbahn Festival. Ein toller Abschluss für das Jahr 2016?

Ja, das lässt sich so sagen – ohne dabei vorschnell den Wintermonaten ihr Überraschungspotential abzusprechen. Wir hatten bisher ein – in mehrfacher Hinsicht – intensives, gutes Jahr und am Reeperbahn Festival auftreten zu dürfen ist ein großartiger Moment für uns. Wir freuen uns wirklich schon sehr uns dort zu verkabeln.

Was wollt ihr unbedingt von diesem Gig beim Reeperbahn Festival mitnehmen?

Etwas „Unbedingtes“ haben wir nicht, aber wichtig wäre für uns vor allem der Sprung hinaus über die Landesgrenzen. Vermehrt andere Länder zu bespielen ist nicht nur ein schöner Gedanke, sondern wäre für unsere Entwicklung einfach wichtig. Alles, was dazu führt, zählt also zu den offenen Hoffnungen an das Festival.

Österreich ist dieses Jahr stark vertreten beim RBF. Wie stark ist die Österreich-Connection in diesem Jahr und wie hat sie sich deiner Meinung nach weiterentwickelt?

Ich denke, dass sich an den vertretenen Bands sehen lässt, wie schön breit die österreichische Musikszene eigentlich aufgestellt ist. Die diesjährige Auswahl bringt durchwegs bemerkenswerte Musik mit nach Hamburg und unterscheidet sich dabei untereinander dennoch markant – was die Geräumigkeit der Nische wieder unterstreicht.

Vielleicht weg den von überdimensionalen Hypes…hin zu gesundem Wachstum?

Was derzeit in Österreich als so lebendige Musikszene pulsiert, hat sich über lange Zeit und parallel zu den vertrauten Hypes stetig entwickelt. Ich denke nicht, dass die großen Erfolge einen Strategiewechsel dieser vielen Bands, die unter weniger Aufmerksamkeit Musik schaffen, bewirkt haben. Was der Hype aber definitiv mit sich gebracht hat, ist spürbar mehr Mut im Agieren der Bands. Ich denke man darf wirklich gespannt bleiben, wozu diese Mischung noch führt.

 

HEARTS HEARTS im Rahmen von Austrian Heartbeats presented by Austrian Music Export & ByteFM
Mi, 21.09. / 22.30h
Häkken, Spielbudenplatz 21-22
https://www.reeperbahnfestival.com/de/festival/hearts-hearts

 

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