Hate versus Liebe

Hate versus Liebe – Woher kommt der Hate gegenüber Bands?

Hate versus Liebe: Woher kommt der Hate und die Liebe gegenüber Bands/Künstler?; Fotocredit: Bart

Hate versus Liebe: Woher kommt der Hate und die Liebe gegenüber Bands/Künstler?; Fotocredit: Bart

Ich frage mich woher das Schwarz-Weiß-Denken gegenüber Bands wie Wanda, Annenmaykantereit, Joris, Revolverheld und viele mehr kommt. Ein Erfahrungsbericht und der Aufruf an Euch für Eure Erfahrungen.

Woran liegt es, dass es kein Dazwischen mehr gibt? Also, dass man Bands heutzutage entweder bis zum geht nicht mehr abfeiert? Oder die zweite Variante: Man hated sie ein. Man hört die Band aus Prinzip nicht, findet sie ziemlich scheiße. Ich ertappe mich in letzter Zeit – genau genommen seit 1,5 bis 2 Jahren – jeden Tag dabei, dass ich gegenüber bestimmten Bands Ressentiments hege. Ich hätte hier die üblichen verdächtigen wie: Wanda, Annenmaykantereit, Joris, Family Of The Year, Cro, Kakkmaddafakka, Revolverheld, Andreas Bourani, Fismoll, William Fitzsimmons, Casper, Clueso, Milky Chance, Mumford And Sons, Crystal Fighters und letztlich zum Beispiel noch Die Fantastischen Vier. Das wären jetzt mal eben schnell aus der Pistole geschossen alle Bands, bei denen ich große Probleme habe, sie gut zu finden. Entweder mochte sie früher mal, wie Casper oder William Fitzsimmons oder auch logisch: Milky Chance. Oder ich mochte sie noch nie!

Ich kann machen was ich will, ich kann mir die Musik nicht schön hören. Teil höre ich sie aus Prinzip gar nicht wie bei Annenmaykantereit oder habe mal kurz reingehört wie bei Wanda. Kann dann der Musik aber nichts abgewinnen, weil ich schon so voreingenommen bin. Leider. Leider? Ja schon, weil eigentlich würde ich ja unbewusst schon auch gerne mit der Welle mitschwimmen. Gut, dass man Ressentiments gegenüber Revolverheld, Andreas Bourani oder Die Fantastischen Vier hat beziehungsweise haben darf, ist meiner Meinung nach bei einem gewissen musikalischen Niveau nachvollziehbar oder?

Wenn ich mich mal selbst hinterfrage, war ich schon immer jemand, der prinzipiell eine gewisse Anti-Haltung gegen etwas hat. Der also nicht sofort draufschlägt und sagt: Yeah, das finde ich geil! Sondern ich hinterfrage es zuerst. Reflektiere es. Und da liegt wohl einer der springenden Punkte. Vielleicht machen das viele ja nicht? Vielleicht springen ja viel zu viele einfach auf diesen „Hype-Zug“ auf, ohne zu wissen wohin der eigentlich fährt?

Menschen identifizieren sich ja oft über ihre Musik mit einer Gruppe von Freunden, Bekannten und so weiter. Ich kenne nur wenige, die einen wirklich sehr eigenen ausgeprägten Musikgeschmack haben. Jedenfalls kommt es dann bekanntlich ja auch zu eher sozial-psychologisch untersuchten Gruppenphänomenen. Die Musik spielt da wohl insgesamt eine Nebenrolle, bzw. das gibt es zum Beispiel auch bei Kleidung. Es gibt dann also Leute, die entweder zur Gruppe gehören (wollen) (In-Group) oder eben diejenigen, die nicht dazugehören (wollen): Out-Group-Members. Musik wird so Teil der Identität der Angehörigen einer Gruppe. Sie halten zusammen. Sie feiern geschlossen eine Band oder haten geschlossen eine Band ein. Wobei die Hater erfahrungsgemäß immer erst nach Gleichgesinnten suchen müssen, wohingegen sich die Liebhaber schnell zusammenfinden.

Das klingt erstmal alles logisch und nachvollziehbar. Also alles normal? Irgendwie ja. Aber irgendwie auch nicht.

Egal wo ich mich in meinem Freundeskreis umhöre, gibt es diese extremen, schwarz-weiß denkenden Musikliebhaber. Die einen lieben Wanda über alles. Feiern ihre Attitüde, ihre Musik, einfach alles. „Wie Falco sind sie!“, fällt da zum Beispiel dann des öfteren.
Und dann sind da einige Freunde meinerseits die den Hype nicht nachvollziehen können. Sie drehen die Attitüde der Bands in Negative, finden das alles arrogant und schon auch etwas sehr aufgesetzt. Es gibt immer diejenigen die das eine positive Extrem herausheben. Eben zum Beispiel: Authentizität und dann diejenigen, die genau das Gegenteil davon behaupten: Aufgesetztheit.

Da ist es eigentlich schon fast egal welche Band gemeint ist. Annenmaykantereit ist da nur ein weiteres tagesaktuelles Beispiel dafür. Die habe ich sogar mal live gesehen und seitdem hat sich mein negativer Eindruck nur noch verstärkt. Dass ich mal eine Band so mittel finde, also, dass ich sie mal mag, mal nicht, das gibt es heutzutage nicht mehr. Schade eigentlich.

Joris oder Cro wären allerdings mal Ausnahmen. Anfangs fand ich die beiden unabhängig voneinander noch sehr gut. Bis sich irgendwann mal ein Hebel umgelegt hat. Mittlerweile kann ich beide nicht mehr hören. Keine Chance.

Hate versus Liebe: Woher kommt der Hate und die Liebe gegenüber Bands/Künstler?; Fotocredit: Bart

Hate versus Liebe: Woher kommt der Hate und die Liebe gegenüber Bands/Künstler?; Fotocredit: Bart

Früher waren es Bands wie Tokio Hotel oder Justin Bieber, die wurden von ihren ersten Tönen an gehated oder gefeiert. Mittlerweile hat sich hier bei mir aber auch etwas zum Positiven entwickelt: Man muss die Musik nicht mögen, aber ich habe großen Respekt vor dem, was die beiden beispielsweise auf die Beine gestellt haben. Das wäre wohl so eine Mittel-Position. Weder schwarz noch weiß. Einfach nur grau.

Vielleicht verändert sich das ja in einigen Jahren auch hinsichtlich Wanda, Annenmaykantereit. Ich glaube aber nicht, denn ich denke, dass ist derzeit auch so ein Lauf der Dinge: Hypes. Ich hoffe da bisher nur inständig: Dass Hypes genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Der einzige Unterschied ist dabei nur: Ich fühle mich als „Wanda-Hater“ nicht irgendeiner Gruppe zugehörig. Mir fehlt bei Bands wie Wanda, Annenmaykantereit, Crystal Fighters oder Joris immer der springende Punkt, wieso ich die jetzt so toll finden sollte? Was machen die bitte besser oder anders, was nicht 1000 andere Bands und Songwriter nicht schon besser gemacht haben?

Der Spruch „Musik ist immer subjektiv“ ist wohl bekannt. Ich finde aber bei der aktuellen Entwicklung passt der mal so absolut gar nicht.
Mich würde es deshalb interessieren, bei welchen Bands und Künstlern ihr die gleiche Erfahrung gemacht habt? Woher kommt Euer Hate oder Eure Zuneigung zu bestimmten Bands?

Schreibt mir einfach eine Mail an soundkartell@gmail.com oder via Facebook, Instagram oder Twitter.

2 Antworten zu “Hate versus Liebe

  • Du hast Kraftklub und Bonaparte vergessen 🙂 Ich finde, man müsste eingentlich zwischen Person/Band und der Musik differenzieren. Das fällt natürlich schwer. Es gibt Bands, die machen für meinen Geschmack „geniale Musik“, sind aber in meinen Augen absolut unsympathisch (Kings Of Leon). Leider gibt es meiner Meinung nach zu viel Musik, die absolut belanglos ist.

    Ein Großteil der Menschen hier mag eben auch deutschsprachige Texte – damit tu´ ich mich z. Bsp. extrem schwer. Aus dem Grund fallen viele Bands leider von Anfang bei mir durch. Das mag schade sein, aber man kann sich auch nicht mit allem beschäftigen und außerdem: gesunde Selektion tut gut! Ist ein riesiges Thema, das Bücher füllen könnte.

    • Hej!

      Ja da hast du recht! Gebe ich dir absolut recht. Ist halt alles sehr subjektiv aufgeladen und wird in all der Zeit irgendwie immer extremer, leider.

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