Feature: Sarah Lesch „TRIGGERWARNUNG“

Sarah Lesch „TRIGGERWARNUNG“ Albumreview

Sarah Lesch „TRIGGERWARNUNG“ Albumrezension; Fotocredit: Peter Runkewitz

Heute stellen wir dir das neue Studioalbum “TRIGGERWARNUNG” von Sarah Lesch vor.

Wofür brennst du? Wofür kämpfst du? Sie weiß es. Sarah Lesch proklamiert mit ihrem neuen Album einen Aufbruch. Sie provoziert und reiht ein Statement an das andere. So will sie Kraft- und Inspirationsquell sein. Sie möchte aber in ihren Texten auch uns als Zuhörer*innen Mut machen. Fragen wie die oben aufwerfen und uns zum Denken anstoßen. Noch dazu leben wir in einer Zeit, in der es zahlreiche Bewegungen gibt. Doch irgendwie ändert sich ja nie wirklich so viel, dass man sagen kann: Ok, die Welt ist für einen Moment ein guter Ort um zu leben. Die heile Welt gibt es nicht mehr.

Dass sich nichts ändert und das obwohl die Probleme so augenscheinlich sind, löst in Sarah Lesch Wut aus. Wut an sich muss man ja erst einmal spüren können. Es gibt genügend Menschen, die nicht streiten oder wütend sein können. Die kennen dieses Gefühl der Wut und Ungerechtigkeit nicht. Bei Sarah hat sich so einiges aufgestaut und das mündet dann nicht in tobender Wut oder Geschrei. Nein, sie versucht daraus Kraft zu schöpfen und es sind 10 neue Songs daraus entstanden. Klarheit und dennoch wahrhaftige Inhalte in ihre Songs zu verpacken, das war einer ihrer wichtigsten Ansprüche an dieses Album.

Sarah singt von Gewalterfahrungen, von Demütigungen, von den Härten in einer zwischen Stillstand und Aufbruch, zwischen Elend und Wohlstand zerrissenen Welt. Das klingt erstmal nach schwerer Kost. Die Lieder sollen aber eher dazu anregen das Heft in die Hand zu nehmen. Stark zu sein und einen echten Wandel vollziehen zu können. Sie sollen uns befähigen für uns und unsere Umwelt das Beste zu wollen. Wer jetzt denkt, sie richtet nur den Finger auf uns, der irrt sich. Denn Sarah ist einerseits ganz nah bei sich selbst. Die Songs sprechen ihr aus der Seele. Sie verpackt sie dann so gut, dass sie mit damit auch eine Nähe zu uns herstellen kann. Das passiert durch eine klare Sprache und ein deutliches Songwriting.

In „Schweigende Schwestern“ öffnet Sarah nach Jahrzehnten der Verdrängung und Aufarbeitung auch eines ihrer eigenen Traumata, um anderen Betroffenen dysfunktionaler Beziehungen und sexualisierter Gewalt Mut zu machen und zu signalisieren: Ihr seid nicht allein! Und um auch endlich für alle klarzustellen: Es passiert überall und ständig. Dass jede zweite Frau in Deutschland in ihrem Leben mindestens einmal sexualisierte Gewalt erfährt, ist schier unfassbar und dieses Unfassbare versucht sie in Worte zu fassen. Sarah ist dann auch gerne mal direkt und schonungslos ehrlich. Doch auch nicht bierernst, sondern hat dann auch mal ein Lächeln auf den Lippen.

“Ich trag dich nach Haus” ist so ein liebevoller Song, der einem in einem so dann doch lyrisch wilden Album Trost spenden kann. Das ist Balsam auf der Seele. “TRIGGERWARNUNG” kann so vieles sein. Trost, Wut, Angst, Scham, Ehrlichkeit und Dankbarkeit. Das sind für mich Gefühle, Situationen und Werte, die mir bei ihrem neuen Album im Kopf bleiben.

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