Feature: Manu Delago „Environ Me“

Manu Delago „Environ Me“ Review + Interview

Manu Delago neues Album „Environ Me“ im Review + Interview; Fotocredit: Simon Rainer

Heute stellen wir dir das neue Album “Environ Me” von Manu Delago im Feature vor und stellen ihm an Ende des Review auch noch einige Fragen zu seinem neuesten Werk.

Es ist ja schon eine kleine Weile raus, die neue Platte des Komponisten und Hang-Spielers Manu Delago. Der Österreicher nimmt dabei die Rolle eines echten Forschers ein. Eher Sozialforscher. Denn im Zentrum seiner Arbeit steht die Auswirkung des Menschen auf unsere Umwelt. Dass das keine eindeutige Angelegenheit ist, sollte wohl schon im Vorfeld klar sein. Das ist ein komplexes Feld und hat mit etlichen Seitwärtsbewegungen und Ausflügen in eine ziemlich vertrackte Welt zu tun. Das spüre ich als Zuhörer seiner Tracks direkt von Minute 1. Der Opener “Interference” packt uns dabei direkt am Schopf und wirft einen regelrecht in diese noch ungewöhnliche Situation

Manu Delago liefert eine eindringliche Arbeit ab und dabei kommt ganz klare seine meisterhafte Fähigkeit zum Vorschein Elemente elektronisch zu manipulieren und daraus ein völlig neues Grundgerüst an Sound entstehen zu lassen. “Liquid Hands” bietet hier viel Deutungsspielraum und kann uns auf entsprechend einfache Weise zeigen, wie rasant es in seinem Songwriting zugehen kann. Vom einen auf den anderen Moment wird es hektisch.

“Environ Me” ist nicht einfach nur ein Konzeptalbum oder eine Platte, auf dem ein Künstler wie Manu Delago seine eigene Spielwiese betritt. Es ist eine Reise auf der jeder Song für sich steht und ein eigenes Element darstellt. Wie ein kleines Lebewesen mit einem individuellem Konzept. Von der Tierwelt über Feuer und Wasser bin hin zum vom Mensch gemachten Gegenständen wie Stahl, Zahnrädern, Klettband und noch viel mehr.

Der Lockdown im letzten Jahr führte unweigerlich zu dieser Platte, denn für ihn gab es erstmalig die Gelegenheit ohne Termine im Kalender wirklich rauszugehen und im Umfeld der Natur Musik zu machen. So entstanden ganz wilde Aufnahmen mitten in der Natur, die auch Teil der Videos seiner Songs sind. Dabei kam es zu abenteuerlichen Aufnahme Sessions und Videodrehs: Mit vier Perkussionisten in einem gefrorenen See, mit 20 Kontrabassisten in einem gefällten Wald, paragliding mit Orgelpfeifen und vielen anderen. Das allein hebt diese Platte schon von so vielen anderen Alben ab.

Wer sich zum Beispiel “Curveball” anhört, der wird ein Reißen hören. Dieses Reißen stammt von einem Klettband. Es erzeugt eine Art künstliche und kinetische Atmosphäre. “ReCycling” ist durch Klänge von Fahrrädern entstanden. Man hört es bremsen, klingeln und radeln. Dazu gesellt sich dann auch eine Tuba und man wähnt sich sofort irgendwie in Bayern oder eben wie in seinem zweiten Wohnsitz in Tirol mitten in den Bergen.

Für mich ist “Environ Me” ein Album das perfekt funktioniert, wenn man sich wirklich Zeit nimmt all die Eindrücke aufzusaugen. Perfekt für ein Kopfhörerkonzert zum Beispiel. Oder live eingespielt in einem klassischen Konzertsaal.

Ich habe dem Österreicher zur neuen Platte noch dazu einige wichtige Fragen gestellt. Die kannst du jetzt hier lesen:

Die Verbindung deiner neuen Songs mit der Natur ist unzertrennbar. Was war bei der Produktion des neuen Albums die größte Hürde als du einen Song ganz eng in Symbiose mit der Natur konzipiert hast?

Manu Delago: „Der Track ‘Liquid Hands’ wurde in einem See aufgenommen. Wir hatten ein Unterwassermikrofon und warme Trockenanzüge dabei, waren aber nicht darauf vorbereitet, dass der See Ende November bereits zugefroren sein würde. Also mussten wir mit einem Stein die Eisoberfläche zerbrechen, um in den See zu kommen. Dass die drei Stunden Aufnahmezeit im See nicht ganz warm waren, muss ich wahrscheinlich nicht weiter ausführen, aber dafür ist das Video sehr schön geworden.“

Dein gesamter Sound ist trotz der vielen künstlich erzeugten Sounds sehr organisch und nah an dem dran, was in unserer Umwelt wirklich an Geräuschen an uns vorbeirauscht. Wie schwierig gestaltet sich für dich die Umsetzung dieser Songs live auf der Bühne und welchen Anspruch hast du dann an dich selbst?

Manu Delago: „Ich habe drei Leinwände auf der Bühne und versuche die Umgebung bzw. unser ‘Environment’ in den Konzertsaal zu bringen. Die Visuals sind aber nicht nur sichtbar, sondern das Publikum wird auch den Originalton dieser Outdoor-Aufnahmen hören und ich werde live mit den Environment-Sounds interagieren. Mein Anspruch an mich selbst ist, eine Show zu präsentieren, in welcher Technologie und Umwelt in musikalischer Art und Weise verschmelzen und natürlich das Publikum zu verzaubern.“

Worauf würdest du dir wünschen, hätte der Mensch gegenüber seiner Umwelt nie begonnen Einfluss zu nehmen?

Manu Delago: „Die Spaltung von Atomen.“

Auf deinem Album gibt es eine Zweiteilung. Im ersten Teil hat der Mensch noch die Kontrolle, im zweiten verliert er sie aber an die Natur. Ist das eine Vision in deinen Songs, die uns auch bevor steht oder sogar eintreffen sollte?

Manu Delago: „An eine Zweiteilung dachte ich weniger. Manche Stücke wie ‘ReCycling’ (der Soundtrack zu meiner 5-wöchigen Fahrrad-Konzert-Tournee) oder ’Trees for the Wood’ (mit 20 Kontrabässen und einer anschließenden Waldbepflanzung) sind direkt mit Klimaschutz-Projekten verbunden. Bei anderen Tracks wollte ich einfach mehr ‘Awareness’ für unsere Umgebung schaffen, dass Menschen diese bewusster wahrnehmen und wertschätzen.“

LIVE:

08.10. Erfurt – Franz Mehlhose
09.10. Stuttgart – Club CANN
10.10. Hamburg – Nochtspeicher
11.10. München – Ampere
12.10. Karlsruhe – Jubez
13.10. Nürnberg – Neues Museum
14.10. Münsterlandfestival
15.10. Berlin – Silent Green

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