Die Leoniden im Plausch, Limo schlürfend und fit wie ein Turnschuh

Leoniden im Interview

Leoniden im Interview

Leoniden im Interview

Nele hatte einen äußerst aufschlussreichen Plausch mit den Boys von den Leoniden.

Jeder wird dieses Gefühl nach einem durchzechten, viel zu mies übertriebenem Festivalwochenende kennen: man sitzt in der Bahn, der Kopf knallt sechs bis sieben mal auf die Tischkante, man stinkt nach Bier, polkt Käfer und Ravioli aus den Haaren, hat zwei fehlende Zehnägel, der Po is‘ eingeschlafen und die Lunge qualmt stärker als jeder Industrieschornstein… Ja genau, na Ihr wisst schon! Und dennoch quält man sich jedes Jahr auf’s Neue zu ein und demselben Festival, sieht ständig die gleichen zwielichtigen Gestalten und lässt seinen Körper an einem Wochenende spontan mal um die 50 Jahre ältern. Nur geil. So. Und nu’ stellt Euch einmal vor, das Wochenende würde nich’ nur aus fünf Tagen, sondern aus fünf Wochen bestehen! Ganz genau. Eigentlich unmöglich.

Tjaha, wenn es da nicht die Leoniden gäbe! Jene, die das Unmögliche Mögliche machen! Ganze fünf Wochen waren sie on Tour, bevor wir sie zum Plausch bei ’ner Limo in der Großen Freiheit getroffen haben. Fünf Wochen Schlafentzug, komplett verkrachte Fans, ein Konzert verrückter als das andere… Wo nehmen die fünf Burschen aus dem Kieler Norden diesen ganzen Elan her, huh?

„Es ist eigentlich so simpel wie kitschig, dass wir einfach das, was wir tun, wirklich gerne tun.“, verrät uns Sänger Jakob. Zurückgelehnt auf seinem Stühlchen, bewaffnet mit Limo und ’nem Grinsen so breit, breiter als das Lachen eines Honigkuchenpferdchens! Und ja, er sieht tatsächlich ziemlich frisch aus! Die fünf Wochen Leistungssport on stage sieht man ihm gar nicht an. Das könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass es sich bei den Leoniden nach eigenen Angaben um komplette Freaks handle, die selbst, wenn sie sich nich’ 24/7 der Band committed hätten, die restliche Freizeit nur noch mehr für die Band machen würden. 

Fünf Burschen in fünfjähriger Beziehung

Seit 2014 arbeiten, leben, lieben diese nu’ schon in dieser Konstellation zusammen, das sind fünf Jährchen Beziehung, fünf Jährchen mit Höhen und Tiefen. Vor allem aber Höhen, wie man an ihrem Erfolg erkennen kann – sie schlagen ein wie ’ne Bombe und werden Ende des Jahres in die vierte (!) Runde ihrer „Kids Will Unite“ – Tour gehen! In die Vierte! Grund genug, den lieben Jakob zu fragen, wo er sich und seine Lebensabschnittsgefährten in fünf Jahren sehen wird:

„Mhmm. Pf. Wow. Schwierig.“.  Jakob kann und will sich nicht so richtig einer Naivität hingeben. Er meint, dass sie immer so’n gesunden Pessimismus in sich trägen, dass sie immer wissen würden, dass das jetzt auch alles schiefgehen und vorbei sein könnte – aus irgendwelchen Gründen. Und danach planen die Leoniden auch immer ihre Zukunft, sie sind diesbezüglich überhaupt nicht risky unterwegs und sitzen lieber im sicheren Boot mit Schwimmweste und Außenmotor. „Da is’ so viel möglich, aber wir sind so glücklich damit, wie es jetzt gerade is’, nich’ nur, wie es sich jetzt gerade entwickelt (…) Selbst, wenn wir in fünf Jahren genau hier sind, heute, vor ’ner ausverkauften Show in der Großen Freiheit in Hamburg, ey, was hätt’n wir anderes gewollt.“, so Jakob. Wie widerlich süß. Für diese bodenständige Aussage hätte der Groupie in mir ihn am liebsten sofort zu Grund und Boden geknutscht. 

Wenn man den Erfolg der Leoniden nun mathematisch betrachten würde – so ungefähr hat Jakob nämlich versucht, mir das alles zu erklären – wird man feststellen können, dass das alles ziemlich steil geht! „Wir werden auf jeden Fall noch größer als wir jetzt sind, das is’ ja, das kann ja gar nicht (…) Wenn man sich das mathematisch mal so anguckt, wär’s unmöglich, wenn der Graf auf einmal so sagen würde: „BRHHHPF!“ So. Außer ein riesiger Skandal passiert.“  

Von vollgekotzten Verstärkern zum besten Song der Welt

Und ja, was soll man sagen, Skandale sind auszuschließen – sorry an alle missgünstigen Vorstadtbands! Ob ihr wollt und/oder nicht, die Leoniden kommen, sehen und siegen. Sie sind eine Band, die’s in Deutschland geschafft hat, sich von nicht deutschsprachiger Musik zu ernähren. „Wir sind nich’ reich und wir werden auch nicht reich damit, das is’ aber auch okay (…) Wir sind happy und ich hoffe einfach, dass es mindestens so bleibt.“ Musik, Love und Happiness! Amore mio! Und wie ihr vielleicht bereits festgestellt haben werdet, handelt es sich bei Jakob um einen Meister der Worte! Alles, was er sagt, klingt logisch, plausibel und lässt einen nur noch mehr dahinschmelzen. Das vermutlich Skandalöseste, was man den Jungs im Übrigen nachsagen kann, ist Lennarts Auftritt beim Daughterville 2014. Dort hat er es nämlich tatsächlich geschafft, seine Gitarre beim ersten Song in so ’ne Lampenfassung zu werfen. Und die kam halt nicht mehr ‚runter. Aber – aus seinen Fehlern lernt man ja bekanntlich! Und mit jeder Peinlichkeit, die passiert, wird bei den Leoniden immer an einem Plan gearbeitet, wie man das in Zukunft komplett vermeiden kann. „Und das war der Tag, tja, ab da hatten wir Ersatzgitarren!“ …Im Übrigen war das auch der Tag, an dem Lennart in seinen eigenen Verstärker gekotzt hat. Vor Aufregung.

Leoniden im Interview

Leoniden im Interview

Das mit der Aufregung hat sich mittlerweile allerdings gelegt. Bereits mit ihrem ersten Album „Leoniden“, welches sie 2017 auf den Markt umherschmissen, haben sie alle in ihren Bann gezogen! Witzig, spritzig, tanzbar – purer Sex. Und auch ihr neues Album „Again“ hält, was es verspricht: Abriss! Nochmal! …Nur anders. Also so’n bisschen. Auf jeden Fall gereifter und konsequenter. „Wir hatten viel mehr Zeit, miteinander, und auf der Bühne, sodass wir quasi auch unsere Stärken und Schwächen neu finden konnten.“ Kommunikation ist das A und O, gerade in einer Band is’ es wichtig, über Vorlieben und Interessen zu philosophieren, zu diskutieren, sich die Köpfchen abzuhacken und danach aber auch wieder ‚ranzuschrauben. Das hat sich bei den Leoniden alles wie selbstverständlich vor und während des Schreibens von „Again“ entwickelt! Unfassbar viel Zeit und Herzblut sind in das neue Stück geflossen, die Jungs haben sich über ein halbes Jahr lang, jeden Freitag von 9 Uhr bis 9 Uhr in ihrem Schreibkabuff in Kiel isoliert und geschrieben, gezankt, geheult, weitergeschrieben. Sie brauchen den Zeitdruck und den, den sie sich untereinander gegenseitig machen – jeder von ihnen will immer den besten Song der Welt schreiben! „Das is’ dann wie Edelsteine pressen (…) Es is’ auch echt schmerzhaft an vielen Stellen. Wir schmeißen echt sehr, sehr, sehr, sehr viel weg und das reicht halt, wenn zwei Leute sagen: „Schockt mich gar nicht.“, dann sagen wir ja gut, dann Tschüß. Schon echt viel weggeschmissen.“

Gute Musik is‘ gute Musik

Bei einer Band wie den Leoniden, die sich nich’ so richtig einer bestimmten Stil-Schublade zuordnen lassen, dennoch kein Problem damit haben, wenn man das Ganze als Indie-Rock bezeichnet – da das schon „viel richtig“ sei – interessiert es uns vor allem, welche Künstler sie so inspirieren und was gute Musik denn eigentlich so ausmacht! Jakob fand vor allem schon immer Künstler sweet, die Sachen gemacht haben, die ganz neuwertig waren, die es so vorher noch nicht gab. Er liebt es, Sub-Genres zu erforschen und zu gucken, was Musik alles kann. Zusammen mit den anderen vieren, Lennart, JP, Djamin und Felix, ist er aber auch nochmal an den Punkt gekommen, dass gute Songs einfach gute Songs sind – auch, wenn ein Robbie Williams – Song musikalisch die Welt eigentlich nich’ revolutioniert hätte, wäre es trotzdem ein Song, der Menschen so verbunden hätte, dass man auch dem Pop seine Power lassen müsse und dass auch total schamlos annehmen könne. Dass Pop auch was Gutes sei. „Wir versuchen ja auch immer, Songs zu schreiben, die wir fünf alle richtig gut finden und meine Mutter danach auch noch richtig gut findet. Dann ist es wirklich ein guter Song. Also weißt Du, bei der Musik, die ich so vorher gemacht habe, musste ich meiner Mutter immer erklären, warum das cool is’ oder gut is’ (…) und alleine die Erklärung sollte ne Musik nicht brauchen müssen. Zumindest nicht eine, die wir machen.“ 

Gute Hits sind eben gute Hits! Die Leoniden haben’s verstanden – wie kaum ein anderer. Und wenn dann da doch mal Rotz aus der Feder träufelt, wird dieser umgehend von den anderen Bandkollegen aufgefangen und weggewischt. Somit is’ es eigentlich schier unmöglich, Teil der Leoniden zu sein und Unfug zu stiften. Mal unabhängig davon, dass „typisch Leoniden automatisch „typisch gute Musik“ bedeutet,  bedeutet „typisch Leoniden“ auch, dass die Boys keine Remixe ihrer Songs erstellen lassen! „Wir sind da einfach so“, grinst Jakob. Die klassischen Feature-Gedanken kommen den Fünfen nicht. Aber wenn man das mal aus ’ner anderen Perspektive betrachtet und die Band „Leoniden“ außen vorlässt, gibt es für sie als Künstler nur wenig andere Artists, bei denen sie sich nicht vorstellen könnten, mal mit ihnen zusammenzuarbeiten! Der klassische Feature-Gedanke jedoch, der ist pfui. Man solle keine Albumplätze opfern – das rücke die Songs in ein gewisses Licht (…) Und irgendwie is’ das einfach Müll. „Dass man sich mit jemandem zusammensetzt und einfach Songs schreibt, find’ ich total cool. Aber so dieses Feature (…) irgendwie sind wir da vielleicht doch nicht Hip Hop für genug.“

Kleiner Vorgeschmack auf das, was kommt

Auf die Nachfrage hin, ob wir uns denn dieses Jahr auf etwas Spannendes, Ausgefallenes freuen können, antwortet Jakob mit: „Also, wir haben da so ’ne kleine Idee – da geht es nicht um Songs schreiben, aber wir haben ’ne Idee. Mal gucken, ob wir das dieses Jahr noch machen.“ Oho, da kribbelt’s doch im Bäuchlein! Wir können gespannt sein, denn wer die Leoniden kennt, weiß, dass die besten Überraschungen von ihnen kommen, hehe. Wie Ostereier-Suchen bei Omi und Opi, damals mit 7 – man weiß nich’ so genau, was einen erwartet, aber freut sich wie Bolle!

Auch, wenn die fünf nicht so richtig wissen, was in Zukunft sein wird, können sie uns zumindest Auskunft über diesen Sommer geben! Die Leoniden freuen sich aus den verschiedensten Gründen auf verschiedenste Sachen! 2019 wird viel im Ausland getourt, da geht’s mal nach Dänemark, mal nach Budapest, sie supporten AnnenMayKantereit, fliegen eventuell nach Amerika, treten beim Hurricane auf… Ja, beim Hurricane! Da klappt auch Jakob die Kinnlage herunter. Ein Festival, bei dem er selbst noch vor 10 Jahren zu Gast war. „Das is sowas wie (…) wie im Radio laufen!“. Oh, und im Folgenden nu’ ein ganz persönlicher Festivaltipp der Jungs! Ganz besonders freuen sie sich nämlich auf das Kosmonaut Festival, welches seit 2013 jährlich in Chemnitz stattfindet und ursprünglich von den Boys von Kraftklub  ins Leben gerufen wurde. „Das ist einfach das schönste Festival, auf dem wir je waren.“ Jakob kann zwar nicht genau sagen, ob das aus der Publikumsperspektive auch so sei, doch der Bandcareaspekt im Backstage sei deutlich durchdachter als bei vielen anderen Sachen. Die wissen einfach, wie’s geht. Nächster Aspekt – es werden viele, viele, viele dort sein, die sie endlich wiedersehen werden! …Zum Beispiel die drei von Blond, wie mir Jakob sichtlich erfreut erzählt.

…Ihr müsst wissen, dass Blond gute 1,5 Stunden später zusammen mit den Jungs auf der Bühne standen und die Große Freiheit abgerissen haben. Ich war auch erstmal schockiert, haha. 

Gute Mucke, von Jakob für Euch

So, und last but not least, et voilà, drei Platten, die laut der Nase Jakob in keinem Plattenschrank fehlen sollten! Das wäre einmal das Werk „Relationship of Command“, bei dem es sich um ein „fantastisches und richtig gut produziertes Hardcore Schrägstrich Post-Hardcore Album“ von „At the Drive-In“ handelt! Daneben im Regal befindet sich „Dangerous“ von „Micheal Jackson“, „als Kontrast, weil’s einfach richtig guter Pop ist“ und bei dem dritten Album handelt es sich um, Trommelwirbel bitte… „Keine Ahnung. Wirklich keine Ahnung (…) Aber eigentlich müsste ich sagen, dass da unsere Platte stehen sollte. Mach’ ich einfach – nehmt die mal mit!“

Genau, nehmt die mal mit! Die wird in 100 Jahren nämlich Goldstaub sein. Mindestens. Hoch und heilig versprochen.

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