Wir brechen eine Lanze für Coldplay

Früher war besser und heute ist zum vergessen

Das Soundkartell spricht über Coldplay

Das Soundkartell spricht über Coldplay

Wir möchten heute an dieser Stelle eine Lanze brechen. Für Coldplay und für eine Industrie, die eine Band geformt hat und nicht andersherum. Das Soundkartell gibt ein Statement ab.

Nie hätten wir gedacht, dass es diese Entwicklung genommen hätte. Nie hätten wir gedacht, dass wir diese Band immer noch hören würden. Nie hätten wir gedacht, dass wir uns trotz der Enttäuschungen dennoch die neueren Alben dieser Band aus London kaufen werden. Doch, es handelt sich eben um jene Band, die sich seit ihrer Gründung 1998 Coldplay nennt.

“Früher haben die mir viel besser gefallen!”, “Schon “X&Y” war eines der schlechtesten Alben überhaupt!”, “Auch “”Viva La Vida” war auch nicht wirklich überragend!. Das sind so Sätze mit denen eingefleischte und beharrende Fans von Coldplay leben müssen und als die wir uns auch bezeichnen. Natürlich muss den Kritikern in vielen Belangen Recht gegeben werden.

Denn, die erste Platte “Parachutes” die zwei Jahre nach ihrer Gründung erschien und “A Rush Of Blood To The Head” waren für die damalige Zeit Meilensteine. Sie verhalfen dem Brit-Pop einen Siegeszu sondersgleichen und dann kam dieser Schnitt, gut drei Jahre nach dem zweiten Album erschien “X&Y” und von da an, ging es für alle Coldplay-Nörgler bergab.

Natürlich müssen wir auch dieses Mal eingestehen, dass die Kritiker Recht haben. Aber vielleicht könnten wir es aus der gesamten Retroperspektive bis heute so betrachten, dass “X&Y” der erste gewagte Schritt Richtung Mainstream war. Der Schritt war derjenige von ihrer Musik auf alle Fälle, egal was kommt – und es kam über die Digitalisierung des Musikbusiness so einiges auf uns zu – leben zu können. Ein vollkommen legitimer Anspruch, den Musiker dort verfolgen.

Also passten sie sich an. Keine Bript-Pop Gitarren mehr, keine einfühlsame und herzbewegend komponierten Stücke wie “Amsterdam”, “Warning Sign” oder “Sparks” mehr. Diese Art von Songs hatten für sie ausgedient und Coldplay konzipierte seine Songs von Grund auf neu.

Dass das mit “X&Y” gleich so gründlich in die Hose ging, konnte ja keiner ahnen und dennoch wurde die Platte gekauft. Komisch.
“Viva La Vida” kam dann als zehnjähriges Bandjubiläum heraus. Und: Sogar die Mütter, der Kinder, die so auf die ersten beiden Platten abgingen fanden Coldplay jetzt sogar gut. Meine Mutter lernte – so viel sei verraten – Coldplay erst durch eben jenes Album kennen.

Seitdem und auch mit dem Jahr 2008 änderte sich etwas grundlegend: Wir kauften keine Platten mehr in dem Sinne, wie wir es vorher taten. Spotify ward geboren und ab sofort entwickelte sich ein Markt, der sich von Jahr zu Jahr noch mehr digitalisierte. Gut, die Entwicklung geht aktuell gerade wieder danach, dass wir mehr Vinyl kaufen und so weiter, aber wirklich Einfluss auf die digitale Streaming-Welt hat das keinen.

Coldplay ist also unserer Meinung nach das beste Beispiel einer digitalisierten Band. Dass sie es jetzt mit ihrem neuen Album “Ghost Stories” verhindert haben, es streamen zu können ist eine andere Geschichte. Aber an sich ist es doch so, dass wir gar nicht mehr wahrnehmen, wann wir neue Musik hören. Dass neue Alben nur noch dann gehört werden, wenn sie es unserer Meinung nach verdient haben. Doch diese Entscheidung treffen wir nur noch nach dem Streaming. Es bleibt also keine Zeit mehr sich ernsthaft mit Musik zu beschäftigen und den Bands eine Chance einzuräumen, dass wir ihre CD hören.

So ging das Album “Mylo Xyloto” komplett unter und wirkte wie ein Leuchtturm, bei dem lediglich “Paradise” und “Every Teardrop Is a Waterfall” als hörbar galten. Dabei beinhaltet das Album 14 Tracks und wir kennen nur einen einzigen davon?
Irgendetwas läuft hier schief. Klar, Coldplay verdient kein Geld mehr mit ihren Alben und deshalb gelten ihre Live-Shows als die besten weltweit. Klar die das Verhalten wie wir Musik konsumieren ein anderes geworden.

Dennoch: Entweder gibt es den Typus “treuer Fan” nicht mehr oder es liegt an der Art Musik, die die Band macht. Eine Mischung aus beidem wird es sein, denn Coldplay sind – das ist Fakt – hervorragende Musiker, wenn nicht sogar die besten, die London und Großbritannien zu bieten hat. Nur merken wir, dass Bands wie sie es sind die größten Probleme damit haben, die Musik zu machen, die sie wirklich machen wollen, es aber nicht können, weil der Markt für diese “alte” Musik nicht mehr vorhanden ist. Brit-Pop Alben kauft eben kein Jugendlicher unserer Zeit mehr.

Und das ist schlichtweg unser Problem: Unsere jugendliche Generation beeinflusst mit ihrem sprunghaften Hörerverhalten und ihrem teilweise wirklich – miesen Geschmack – die Industrie so stark, dass wir den Künstlern fast keinen Vorwurf machen können. Der Geschmack der letzten Jahre, und dafür sprechen wir euch gerne alleine in diesem Raum, hat sich drastisch verschlechtert: zu viel Masse zu wenig Klasse. Oder nennt uns doch mal bitte einen eurer Lieblingssongs aus den Jahren 2008-2013 ohne gleich Google oder Wikipedia aufschlagen müssen.

Für Coldplay brechen wir auch in 20 Jahren gerne eine Lanze, denn vielleicht verläuft der Trend bei ihnen auch hoffentlich rückläufig, dass sie am Ende ihrer Karriere wieder zurückkehren zu ihrem alten Sound, mit den guten britischen Gitarren und einem Video wie in “The Scientist”. Zu hoffen wäre es.

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