Buchtipp: Sebastian Keck „Meine beschissene Angst und ich“

In unserer Gesellschaft ist es besser Krebs zu haben als eine Depression – Buchtipp „Meine beschissene Angst und ich“ von Sebastian Keck

Tiefe Einblicke in die schwierigsten Zeiten von Sebastian Keck gewährt er uns mit seinem Buch "Meine beschissene Angst und ich"

Tiefe Einblicke in die schwierigsten Zeiten von Sebastian Keck gewährt er uns mit seinem Buch „Meine beschissene Angst und ich“

Das Soundkartell bewegt sich mit dem Buchtipp auf unbekannten Terrain und hat dennoch genau den Richtigen dafür gewählt. Denn Redakteur Wolfgang Baustian hat nicht nur das Buch gelesen, sondern selbst einen Blick in die Vergangenheit gewagt.

„Manchmal muss man ein klein wenig sterben, um wieder ein wenig mehr leben zu können“

Das uns nicht nur brandheisse Musiktipps in die Mailbox flattern, möchten wir mit dem heutigen Buchtipp „Meine beschissene Angst und ich“ von Sebastian Keck beweisen. Okay, grundsätzlich hat das Buch erst einmal wenig mit Musik zu tun, außer das der Autor in der Deutsch-Hip-Hop-Formation Freidenker mitgewirkt hatte und mit seiner Crew bis 2014 immerhin fünf Alben an den Start gebracht hat. Doch ins Straucheln hat ihn nicht die Musik, sein kreativer Job als Chef einer Werbeagentur, seine Kiffer-Karriere oder seine neue Rolle als Vater gebracht, sondern war ein schleichender Prozess, dessen Ursprung bereits in der Kindheit zu finden ist. Die Rede ist von Angst, Panikattacken und tiefen Depressionen.

Doch wie konnte es nur soweit kommen und wieso trifft es vor allem so viele Menschen aus kreativen Bereichen? Und was das Ganze für Folgen hat, wissen wir nicht erst seit Nicholas Müller, dem ehemaligen Sänger und Mastermind hinter (der mittlerweile auch ehemaligen Band) Jupiter Jones. Genau wie dieser versucht auch Sebastian Keck das Erlebte durch das Niederschreiben für den interessierten Leser erfahrbar sowie nachvollziehbar zu machen und vielleicht mit diesem Mittel den Geistern der Vergangenheit ein weiteres Schnippchen zu schlagen.

„Was nicht jeder kann: Sich-in-Frage-Stellen, offen ausbluten, Demütigungen erzählen, klipp und klar die eigene Verletzlichkeit auf dem Präsentierteller sezieren lassen – das tut weh, das ist wie eine OP. Danach muss alles verheilen. Die Wunde schmerzt. Die Narbe bleibt. Es verheilt.“

Kein Thema zum Schweigen: Buch "Meine beschissene Angst und ich" von Sebastian Keck

Kein Thema zum Schweigen: Buch „Meine beschissene Angst und ich“ von Sebastian Keck

Es gehört allerdings schon ein wenig Voyeurismus sowie Leidensfähigkeit dazu, Sebastian Keck gut fünf Monate in einer Art Tagebuch durch alle Tiefen seiner Krankheit zu folgen, seinen Erfahrungen in der psychosomatischen Klinik sowie seiner Auseinandersetzung mit seinem Umfeld zu verinnerlichen. Ich darf schon mit Fug und Recht behaupten, dass das warum und wieso der Grundprobleme von Sebastian Keck mit der Generation der Nachkriegskinder zu tun hat, welche auf der Grundlage von Emotionslosigkeit, fehlender Empathie sowie überzogenen Erwartungen der Eltern groß geworden sind. Auch ich möchte keine Schuldzuweisungen machen, sondern lediglich ein Verhalten festhalten, für das unsere Eltern selbst keine Schuld trifft, weil sie es selbst nicht anders gelernt hatten.

Warum mache ich hier einen auf Psychoanalytiker? Weil ich selbst Anfang 2012 umgekippt war, anschließend über ein Jahr nicht arbeitsfähig war, ähnlich wie Sebastian Keck am Boden lag mit einer total ungewissen Zukunft und dennoch wie ein Berserker für meinen späteren Reha-Aufenthalt kämpfen musste. Daher war das Buch oft wie ein Spiegel für mich, so vieles kam mir bekannt vor. Und hätte ich alle wichtigen Passagen mit einem Textmarker kenntlich gemacht, wäre „Meine beschissene Angst und ich“ trotz des düsteren Themas ein verdammt buntes Werk geworden.

Doch das wirklich Schlimme an dem Thema ist eher, wie dieses nach wie vor in der Öffentlichkeit behandelt wird. Daher möchte ich meinen Beitrag mit einem Auszug aus dem Buch beenden und mich mich bei Sebastian Keck für seine schonungslose Offenheit, Aufklärung sowie der Möglichkeit der Anteilnahme bedanken … es war mir ein Fest!

„Jeder kennt das „Irrenhaus“, jeder kennt Geschichten darüber, da wo du hinkommst, wenn alles zu spät ist. Es gibt natürlich meilenweite Unterschiede zwischen einer geschlossenen Anstalt und einer psychosomatischen Klinik. Aber am Ende zählt sowieso nur, dass es Orte sind, an denen Menschen geholfen wird. Nichts davon ist zu verurteilen. Aber Vorstellungen davon, „was sich gehört“, machen es solchen Institutionen immer noch schwer, und psychische Krankheiten sind nach wie vor ein Makel. Und wer glaubt schon, dass hier auch messbar leistungsfähige Menschen behandelt werden, Manager, Macher, Genies, Künstler. Und Verrückte. Sensible Menschen oder ein nur Menschen.“!!!

Verlosung:

Der Herder-Verlag (www.herder.de) stellt drei Bücher zur Verlosung bereit. Wer gerne eines von den drei Büchern gewinnen möchte, schreibt eine Email mit dem Betreff „Meine beschissene Angst und ich“ mit seiner Anschrift bis zum 24.01.2020 um 18:00 Uhr an soundkartell@gmail.com oder kommentiert den passenden Beitrag auf unseren Social-Media-Seiten.

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