Bilderbuch – Österreichischer Deutsch-Rock mit selbstironischen Wortwitzen

Bilderbuch

Wie viele Bands kennt man denn hierzulande in Bayern schon aus dem Nachbarland Österreich? Band wie Ja, Panik, Kreisky oder Golden Reef würden vielleicht fallen. Aber mehr fällt einem dann auch nicht ein. Natürlich hat Österreich musikalisch auch einiges zu bieten, aber trotzdem traut man es ihnen nicht wirklich zu, die großen Überbands hervorbringen zu können. Die nächste Band, die wir uns jetzt näher ansehen werden kommt aus der äußerst ländlichen Gegend um Kremsmünster. Kremsmünster? Das sagt sogar einem bewandertem Geographen nicht wirklich viel. Knapp 6000 Menschen wohnen dort und man mag nicht so recht glauben, dass in dieser beschaulichen Gegend die Band Bilderbuch bereits zwei Alben veröffentlicht hat. Mittlerweile wohnen die Anfangszwanziger jedoch in Wien.Wir schrieben bereits das Jahr 2005, als Maurice Ernst (Gesang, Gitarre), Peter Horazdovsky (Bass), Andreas Födinger (Schlagzeug) und Michael Krammer (Gitarre) die Band Bilderbuch gegründet haben. Wobei man hinzufügen muss, dass Michael Krammer erst später dazu stoß. Nachdem sie zuallererst etliche regionale Bühnen vor Ort bespielt haben, begannen Bilderbuch mit einem größeren Publikum im Rücken die Arbeiten an ihrem Debütalbum „Nelken & Schillinge“, das 2009 veröffentlicht wurde. Will man es ökonomisch auf ein paar Worte reduzieren: Die Nachfrage nach ihrer Musik stieg in den letzten Jahren enorm an! Auch beim jugendlichen Radiosender FM4 erhielten sie schon Airplay.

Nach ihrem Erstlingswerk erschien schon zwei Jahre später die zweite Platte „Die Pest im Piemont“. Ein wirklich sehr ausgefallener Name für ein Album, den sich Bilderbuch hat einfallen lassen. Äußerst kreativ wirkt er zugleich, und auf beiden Alben findet man gewaltigen und treibenden deutschen Rock & Alternative wieder.

Startet man das Album „Pest im Piemont“ mit dem Opener „Ein Boot für uns“, schallt es einem gleich mit „Unsre Jugend wird dahin sein…ich frag mich wirklich wer ich bin“ eine realtiv markante Textstelle entgegen. Markant deswegen, weil es sich das Album auf die Fahnen geschrieben hat, vom Erwachsenwerden zu erzählen, und da passt diese erste Textzeile dann wie die berühmte Faust aufs Auge. Äußerst beschwingt und gefüllt mit kreativen Melodien so kommen Bilderbuch schon in den ersten vier Minuten des Albums rüber. Zugleich fällt der anspruchsvolle, intelligente aber dennoch leicht mitsingbare Text auf. Der Track „Ein Boot für uns“ gibt dem Hörer von Beginn den Marsch vor. Und so geht es mit „Karibische Träume“ nahtlos weiter. Auch hier ertönt ein wunderbar rhythmischer Song, der sogleich zum tanzen einlädt. Die Beats des Schlagzeugs wechseln zwar recht sprunghaft, aber diese Sprünge passen perfekt mit den schwungvollen und rockigen Gitarrenriffs zusammen. Schon bald merkt man, dass ihre Musik, so wie sie es selbst texten wie „Rauschgift“ wirkt. Anfangs kommt man in die Songs recht schwer rein, aber wenn sie einen gepackt haben und man schon etwas textsicherer ist, kann man davon nicht mehr genug haben.

Weiter geht es mit „Die Kirschen waren toll“ gewohnt schroff und kantig und vor allen Dingen eingängig. Bis Maurice`s Gesang einsetzt, eröffnet eine imposantes Feuerwerk aus Gitarrensolo, wummernden Bass und treibenden Schlagzeugbeats den Track. Wirklich ganz großes Kino, das Bilderbuch hier zusammen mit seinen verspielten und kreativen Instrumentaleinsätzen und den so intelligenten Texten kreiert.

Bilderbuch arbeitet in seinen Songs gänzlich ohne modernes Schnickschnack wie Synthesizern, sondern konzentriert sich in Songs wie „Pflaumenwein“, „Geist“ oder „Ein schreckliches Omen“ auf grundsolide Gitarrenriffs und rockt dabei unglaublich gut. Sie klingen nicht wirklich wie Punk oder Rock. Schon eher deutscher Alternative. Wie man es in Deutschland vielleicht von Madsen kennt.

Das gesamte Album „Pest im Piemont“ überzeugt durch überragendes Songwriting und auch ältere Songs wie „Kopf ab“ oder „Discokugel“ brellieren dabei.

Bilderbuch bleiben in all ihren Tracks schräg und der teilweise nervige Gitarrensound ist bewusst so in die Songs gestreut worden. Die Texte sind allesamt sehr ironisch, absurd aber dennoch hinreißend clever geschrieben. So tauchen Textpassagen wie „Joghurt auf der Bluse, eine Katastrophe, so geht das nicht“, oder sie bezeichnen in „Auf Sand gebaut“ eine Frau als „Baum im Garten“ und „Sie ist Liebe, sie ist stolz, wenn ich sie fälle, hab ich Holz“. Man muss sich die Lieder von Bilderbuch mindestens zweimal anhören, um die zahlreichen Wortwitze raus hören zu können.

Wer bisher von Bilderbuch noch absolut nichts gehört hat, wird ab sofort von ihnen nicht mehr lassen können. Bilderbuch schaffen eine sonderbare Abhängigkeit zu ihrer Musik, obwohl ihre Gitarrensound ab und an nerven, kann man nicht davon lassen sie zu hören!

Live zu sehen bekommt man Bilderbuch dieses Jahr auf dem Frequency Festival, dem Obst Wiesen Festival oder auch im hohen Norden, auf dem Dockville Festival. Die großen Bühnen bespielen sie also auch dieses Jahr noch, und eigentlich sollte man sich Bilderbuch nicht entgehen lassen.

Hier kommt ihr auf ihre wirklich schön gestaltete Homepage: http://www.bilderbuch-musik.at/

Und hier könnt ihr sie auf ihrer Facebookseite liken: http://www.facebook.com/bilderbuch?ref=ts

Zu guter Letzt gibt es hier den grandiosen Titel „Die Kirschen waren toll“ von Bilderbuch in voller Länge:

[soundcloud]http://soundcloud.com/bilderbuch/die-kirschen-waren-toll[/soundcloud]

 

 

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