Im Interview: Backseat Gründer aus Hamburg

Interview mit der Agentur & Label Backseat

Sebastian und Arne von Backseat aus Hamburg

Sebastian und Arne von Backseat aus Hamburg

Das Soundkartell hat dem Label und der Agentur Backseat aus Hamburg einige Fragen gestellt.

Arne und Sebastian haben sich kürzlich mit ihrer eigenen Firma Backseat selbständig gemacht. Dahinter verbirgt sich eine PR-Agentur und ein Plattenlabel. Noch eine Gründung in Hamburg im Musikbereich mag man da erstmal denken. Und auf der anderen Seite denkt man sich aber auch: Geil, Hamburg ist halt einfach die perfekte Umgebung für solche kreativen Gründungen. Grund genug Arne und Sebastian gemeinsam ein paar Fragen zu ihren ersten Themen zu stellen. Denn da steht vom ersten Bürotag an ziemlich viel in der Pipeline: The Fratellis Comeback, Niklas Paschburg, Jo Goes Hunting und das israelische Projekt Phototaxis. Zu allen Themen habe ich den beiden ein paar Fragen gestellt. Davor geht es aber erstmal um Allgemeines.

Kürzlich erblickte das Label und die PR-Agentur Backseat die Welt. Warum braucht das Hamburger Musikbusiness noch eine PR-Agentur und wie hebt ihr Euch hervor?

Gut arbeitende PR-Agenturen kann es nie genug geben!
Es gilt, auch in Bezug auf die Medienpartner mit seinen Projekten herauszustechen. Angesichts der Masse an Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt verfolgen wir individuelle und vor allem kreative Ansätze. Nur wenn es gelingt zu überraschen, erhascht man Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit unseren Künstlern suchen wir nach Ansätzen, um das Künstlerische in die Kommunikation zu übertragen.

PR-Agentur und Label. Wer von euch beiden macht was bzw. wie teilt sich die tägliche Arbeit auf?

Die Leitung für bestimmte Projekte (meist Albumveröffentlichungen) obliegt immer dem Einen von uns Beiden. Gleichzeitig arbeiten wir inhaltlich beide in der PR sowie dem Labelbereich. Dadurch werden die wichtigen Entscheidungen immer gemeinsam getroffen und die Verantwortlichkeit ist immer geklärt.

Welche Ideologie verfolgt ihr bei der Auswahl Eurer Themen?

Von Ideologie würden wir nicht sprechen. Die Musik muss uns überzeugen, was auch immer dafür den Ausschlag geben mag. Lustigerweise hat das in all den Jahren (auch im Dienst von popup-records) nie eine böse Überraschung gegeben.
Anders gesagt: Wer gute Musik macht, wählt meistens auch keine AfD. Zudem ist es wichtig, dass das Gesamtbild stimmig ist. Wenn vom Sound über die Visualisierung bis zur Liveperformance eine zusammenhängende Sprache gesprochen wird, ist das viel Wert.

Welche Rolle spielt in Eurem Fall das Vitamin B, dass ihr Euch durch Eure vorige Arbeit bei Popup-Records schon ganz gut vernetzen konntet?

Dass wir schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel haben (gemeinsam sind es 17 Jahre), erleichtert uns den Einstieg in die Selbstständigkeit natürlich ungemein! In der PR kommt es darauf an, möglichst viele Medien zu kennen und im Idealfall auch die Menschen, die dahinter stehen. Selbiges gibt für die Akquise: Wir profitieren sehr davon, dass uns viele Bands, Labels und Management durch bisher Geleistetes Vertrauen schenken.
Sebastian und Arne von Backseat aus Hamburg

Sebastian und Arne von Backseat aus Hamburg

Zu The Fratellis:
The Fratellis sind zurück mit ihrem Comeback “In Your Own Sweet Time”. Ihr macht für das Comeback-Album die PR. Wie hoch ist da gleich zu Beginn Eurer Gründung die eigene Erwartungshaltung, dass das “Baby” gut ankommt?

Auf der einen Seite freuen wir uns riesig mit einer solch renommierten Band starten zu dürfen, aber es entsteht gleichzeitig auch ein gewisser Druck. Die eigene Erwartungshaltung ist bei einem solchen Thema sehr hoch und man möchte zum Start natürlich gleich ein Meisterstück hinlegen. Ob das Album am Ende aber gut ankommt liegt nicht in unseren Händen. Das entscheiden die jeweiligen Redakteure / Redaktionen.

Wie schwer haben es solche “Comeback-Themen”, die der Hörer schon kennt und welche Story, die nicht schon jeder Fan gehört hat, versucht man da dahinter zu erzählen?

Der große Vorteil bei einer solchen Veröffentlichung ist natürlich die Historie des Künstlers. Den meisten Redakteuren ist der Name The Fratellis ein Begriff. Vielleicht waren und sind sie noch immer Fans, haben die Band bei Bier und Wein live gesehen oder sie persönlich beim Interviewtermin kennengelernt. Man muss also nicht bei null anfangen und das hilft bei der Arbeit ungemein. Am Ende ist es aber die Musik die überzeugen und begeistern muss.

Wie sehr muss man solche Themen immer wieder anstoßen, weil sie vielleicht trotz des großen Namens kein Selbstläufer sind?

Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das noch gar nicht so genau sagen, die Kampagne hat ja gerade erst begonnen. Das erste Feedback ist aber sehr gut und wir hoffen, dass wir darauf aufbauend das Album gut an die Frau und den Mann bringen können.

Zu Niklas Paschburg:
Das Thema Niklas Paschburg und seine Single “Spark” hebt sich schon stark von The Fratellis ab. Inwiefern bereichert ein so unterschiedlicher Sound die Arbeit im Allgemeinen und was wäre für Euch das Alleinstellungsmerkmal von Paschburg?

Wir denken, dass Fans von Postrock bei Niklas Paschburg ebenso auf ihre Kosten kommen wie Fans der klassischen oder elektronischen Musik. Das macht es sehr besonders und für uns in der PR gestaltet es sich ebenso herausfordernd wie bereichernd.

Wie dankbar sind Künstler wie er, die ihre Geschichte ganz von allein erzählen?

Hinter jeder tollen Musik steckt doch eine gute Geschichte! Es liegt an uns Promotern wie auch Musikjournalisten, diese herauszukitzeln. Wenn wir Pressetexte von unseren Partnern geschickt bekommen, steht dort häufig zunächst nichts Spannendes. Fragt man dann nach der Inspiration des Künstlers zu diesem oder jenem Track, erhält man oft erstaunliche Antworten.

Zu Jo Goes Hunting:
Der Holländer ist wahrlich kein Newcomer. Wie kam es zu dem Signing für GAS?

Wir lernten die Band im Rahmen der „Dutch Pop Nights“ kennen und haben sie drei Nächte hintereinander live gesehen; mit jedem Auftritt versprühten sie mehr Magie! Als der Manager von unserer Labelgründung erfuhr, rief er direkt an. Vom timing passte es wunderbar, da auch ihr englisches Label gerade loslegen wollte.

Das Projekt wird durch Dutch Pop gefördert und die fördern ja bekanntlich aufstrebende Künstler aus den Niederlanden. Welches Potential kann das Album in Deutschland entwickeln, welches es in seiner Heimat vielleicht noch nicht entfalten konnte?

Wir sehen eine ähnliche Entwicklung wie in Holland vorraus: Dort entwickelt sich das Projekt hauptsächlich über die einzigartigen Liveauftritte. Die Albumproduktion ist etwas für Entdecker, da wird viel mit Sounds experimentiert und nicht allzusehr auf Radiotauglichkeit geachtet. Dies wird die PR zunächst erschweren, doch die extreme Qualität der Band wird sich mittelfristig durchsetzen, da sind wir fest von überzeugt und gehen das entspannt an.

Zu PHOTOTAXIS:
PHOTOTAXIS aus Israel ist das erste VÖ von Backseat. Was erwartet uns bei ihrem vierten Album “NEVERLANDER”?

Spoiler Alarm ? Wir wollen hier nicht zu viel verraten, aber das neue Album besticht vor allem an neu gewonnener Klarheit. Die Songs, wie die Texte aber auch das Artwork und das gesamte Erscheinungsbild sind noch stärker ausgearbeitet worden und schaffen dadurch mehr Raum für Inhalte und Geschichten.

Die Musikszene in Israel kennt man kaum. Inwiefern ist PHOTOTAXIS der beste Beweis dafür, dass die Szene ein bisschen unterschätzt wird?

Ob Phototaxis der Beweis dafür ist, dass die Musikszene in Israel unterschätzt wird, können wir nicht beantworten. Man kann aber festhalten, dass interessante und spannende Musik nicht unbedingt aus UK, Schweden oder den USA kommen muss. Es lohnt sich immer mehr mal über den Tellerrand zu gucken. In vielen musikalisch noch unbekannteren Ländern wie Israel oder auch Polen passiert gerade sehr viel und wir freuen uns unseren Teil dazu beizutragen guter Musik eine Plattform zu bieten damit sie entdeckt und gehört werden kann.

Das Label und die PR-Agentur solltet ihr unbedingt auf dem Radar haben. Hier kommen ab sofort in regelmäßigen Abständen spannende Musikthemen auf Euch zu. Backseat sind auf Facebook, Instagram und auf Spotify!

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