Adulescens

Adulescens „Ataxia“ Rezension

Adulescens "Ataxia" Rezension Gastbeitrag

Adulescens „Ataxia“ Rezension Gastbeitrag

Am 28. Oktober kam mit „Ataxia“ das Album von Adulescens raus, Ariane Seidl hat es sich angehört.

Adulescens sind die würden Abkömmlinge von bayrischen Legenden wie The Notwist oder Slut. Das verspricht zumindest die Biografie auf ihrer Webseite. Tatsächlich werden Johannes Wallner (Synthies, Gesang), Florian Strandl (Gitarre), Maximilian Wöre (Gesang, Schlagzeug), Maximilian Wallner (Bass, Gesang) und Michael Schlickenrieder (Gitarre) – fünf Anfang-Zwanziger aus Aichach in der Nähe von Augsburg – von vielen Seiten wohlwollend beäugt: Der BR hält sie für einen der hoffnungsvollsten Newcomer Deutschlands, andere loben sie für ihre ausgezeichnete Live-Qualität.

Insgesamt drei Jahre arbeiteten die Bayern an ihrem Debütalbum „Ataxia“, bevor es am 28. Oktober Release feierte. Entstanden ist es größtenteils in einer Schlosswirtschaft. Adulescens waren auf der Suche nach einem Proberaum und stießen dabei auf das ausgefallene Gebäude. Zunächst bauten sie einen Spiegelsaal zum Studio aus, später renovierten sie die übrigen Zimmer mit der Hilfe von Freunden und vermieteten die Räumlichkeiten schließlich als Probe- und Studioräume an andere Bands. Wenn das mal nicht nachhaltig ist.

Kaum war „Ataxia“ auf der Welt, da musste es sich schon Meinungen und Kritikern stellen. Die sind in den meisten Fällen überaus angetan. Ist das Debüt so einen gepflegten Semi-Hype wert?

Nun, eines steht fest: „Ataxia“ hat Energie – häufig jedoch einen ganzen Zacken zu viel. Fast jeder der zehn Songs beginnt vielversprechend, verliert sich aber spätestens in der Hälfte in einem instrumentalen Wirrwarr. Die Gitarren knirschen und gurgeln emsig vor sich hin, was auf Dauer ernsthaft anstrengend ist.

Insgesamt fällt es schwer, sich auf den textlichen Inhalt zu konzentrieren, da Schlagzeug, Synthies und Gitarren mitunter krachend und erdrückend auf einen einprasseln. Von allen akustischen Seiten wird um die Aufmerksamkeit des Hörers gebuhlt. Besonders angenehm ist das nicht.

Das Album wirkt unausgeglichen, kühl und undurchsichtig. Fast so, als hätte es gar kein Interesse daran, seinem Zuhörer etwas mitzuteilen. Was schade ist, da Songs wie „My Modest Monster“, Titelsong „Ataxia“ oder „Two Places“ beweisen, dass Adulescens ihr Potential nicht zu Unrecht attestiert bekommen haben. Dort zeigt sich die Band kurzzeitig deutlich aufgeräumter und weitsichtiger.

In der Theorie spricht rein gar nichts gegen ein experimentelles, energiegeladenes Album. „Ataxia“ aber übertreibt es. Dennoch sind Adulescens keinesfalls talentbefreit. Sie beweisen Experimentierfreude und überschreiten Genregrenzen. Das macht sie um ein Vielfaches mutiger, als viele ihrer Kollegen. Es könnte ihnen jedoch recht gut tun, hin und wieder einen Gang zurückzuschalten. Sollte es ihnen gelingen, ihren jugendlichen Aktionismus – der bisher noch unkontrolliert aus den Lautsprechern sprudelt – gezügelt und clever portioniert einzusetzen, so können wir uns in Zukunft auf lebhafte, energetische und dennoch kluge Songs freuen.

Ein Text von Ariane Seidl

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