Trashlagoon

Dockville Festival Special #5 – Interview mit Trashlagoon

Trashlagoon im Dockville Festival Special #5

Trashlagoon im Dockville Festival Special #5

Das Soundkartell hat sich mit dem DJ und Producer Duo Trashlagoon unterhalten. Lest hier das Interview mit dem Duo. Wir sprechen über ihre Musik und vieles mehr.


Das Jahr 2014 war mit zwei EPs und einem Longplayer sehr produktiv. Wie habt ihr versucht diese Produktivität mit ins Jahr 2015 zu nehmen?

Niklas: „Nach soviel Output, war es uns wichtig, Inspirationen zu sammeln, Thematiken zu finden für kommende Arbeiten, sonst drückst du dich irgendwie aus, wie eine Tube. Viele Künstler entwickeln über die Zeit gewisse Muster oder Herangehensweisen. Uns ist es wichtig, alles immer wieder neu zu entdecken, durch Experimente.“

Inwiefern wird man an dem, was man im Jahr zuvor geschaffen hat immer daran gemessen?

Niklas: „Ich finde ein Album oder eine Single können immer nur Momentaufnahmen sein, die für uns selber etwas abgeschlossenes und persönliches sind. Wir tun das in erste Linie für uns. Ich bin gegen Maßstäbe in der Musik.“

Ihr seid nach Berlin gezogen. Inwiefern hat Euch dieser klischeehafte Schritt um ein entscheidendes Level in Eurem Sound weiter gebracht?

S: „Eigentlich gar nicht direkt, zumindest nicht musikalisch. Das Projekt an sich und die intensive Beschäftigung mit Technik und Musikalität hat uns wohl eher im Sound optimiert. Zwischen dem Debut „Blue Empire“ und heute, liegen 2 Jahre. In der Zeit ist in unseren Köpfen viel passiert.“

N: „Wir haben diese Entscheidung getrennt voneinander gefällt. Wir saßen eines Abends zusammen und wollten uns etwas „beichten“. Sebastian wollte Jazz-Gitarre studieren in Berlin und ich wechselte meine Uni, weil mir Düsseldorf nicht genug war. Eigentlich wäre die örtliche Trennung wohl nicht besonders vorteilshaft für Trashlagoon gewesen. So wurde alles gut. Sound-technisch hat es uns eigentlich nur weitergebracht, weil wir hier auf den Straßen wirklich tolle Aufnahmen mit dem mobilen Recorder machen können.“

Wie stark habt ihr Euch seit der Veränderung (Von Düsseldorf nach Berlin) und auch musikalisch in der Retroperspektive verändert?

S: „An unserem Studio Equipment hat sich ehrlich gesagt nicht viel geändert. Die Instrumente, die wir nutzen sind allerdings zu unserem Fleisch und Blut geworden. Mein persönliches Ziel Musik zu studieren hat mich in der Sichtweise bezüglich Harmonik, Arrangement also Songwriting und Rhythmik vorangebracht. Wobei die meisten Ideen dann wie immer aus dem Bauch heraus entstehen. Das Klanggerüst drum herum ist deutlich facettenreicher und komplexer geworden.“

N: „Die größte Veränderung ist in uns selbst geschehen. Wir haben einen höheren Anspruch entwickelt, an uns und unsere Musik. Zeitweise hat uns diese Vielfalt hier, fast etwas überfordert, sodass wir uns jetzt unseren ganz persönlichen Rahmen gesetzt haben, inwiefern wir zusammen arbeiten und uns beeinflussen lassen.“

Die Veränderung ging ja relativ schnell voran. Inwiefern ist das Eurem Sound geschuldet durch den ihr Euch doch irgendwie eine besondere Flexibilität bewahrt?

S: „Wir haben viel ausprobiert und entscheiden nun immer sehr feinfühlig, welche Songs auf eine Platte kommen. Das sind vielleicht 30 Prozent unserer Arbeiten. Daher ist es für den Hörer vielleicht nicht so ersichtlich, wie und in welchem Ausmaß die Entwicklung in der Zeit zwischen den Releases voran geschritten ist. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Gesellschaft, in der uns viel Arbeit von technischen Geräten abgenommen wird. Jeder kann Musik machen, Hits schreiben und auf Kurz oder Lang Erfolge genießen. Das fasziniert mich auch. Aus diesem Grund ging wahrscheinlich auch unsere Entwicklung so schnell voran.“

N: „Wie schon gesagt. Wir sehen ein Album oder eine Single als etwas in sich geschlossenes an. Je flexibler der Sound ist, desto interessanter finde ich persönlich einen Künstler. Ein Mensch ist nun mal etwas sich stetig veränderndes und so auch sein Output, denke ich. Alles ist im Moment sehr schnell.
Wir wollen das alles entschleunigen und lassen uns nicht mehr unter Druck setzten.“

Trashlagoon im Dockville Festival Special #5

Trashlagoon im Dockville Festival Special #5

Jetzt ist Deep-House schon recht lange im “Mainstream” etabliert. Was macht Trashlagoon anders?

S: „Keinen klassischen Deep House eben. Uns fällt es ohnehin schwer unseren Sound einem Genre unterzuordnen. Dafür enthält er zu viele Einflüsse. Aber solange Musik geschmackvoll und authentisch ist, ist sie auch im Mainstream gut aufgehoben.“

N: „Wir sind musikalisch sehr offen. Privat hört eigentlich keiner von uns klassischen Deep-House. Interessanterweise klingt es bei uns am Ende dann aber immer ein bisschen danach. Das sind halt einfach wir und unsere momentanen Möglichkeiten aufzunehmen. Sollten wir irgendwann einmal die Möglichkeit haben, in einem großen Studio zu arbeiten, dann wird es sich vielleicht weniger Club-tauglich anhören.“

Und: Wie versucht ihr Euch durch Eure Art und Weise Tracks zu produzieren von der Masse abzuheben?

N: „Ich höre persönlich fast nur Alben in ihrer Ganzheit. Mich fasziniert es einfach total, diese eigene Welt zu fühlen, die ein Kopf erschaffen hat mit all den Einwirkungen und Einflüssen seiner Umwelt. Es macht mir Spaß in diese Welten einzutauchen und es stört mich, wenn Künstler nur Singles rausbringen oder musterartig Releases veröffentlichen. Es geht uns eigentlich auch gar nicht darum, abgehoben zu sein, sondern unsere Vorstellungen so originalgetreu wie möglich zu verklanglichen.“

S: „Wir versuchen unsere Gedanken und Träume und vor allem Gefühle lebendig zu machen durch unsere Musik. Klar, sind wir zum teil beeinflusst von House oder Technomusik. Dieses Funktionelle haben unsere „Tracks“ aber nur zum Teil. Wir wollen unsere Geschichte erzählen. Deswegen sind wir auch so interessiert daran Alben zu produzieren damit wir ein Stück Musik haben, welches uns später vielleicht an etwas intensives erinnert, was wir erlebt haben. Viele EP´s heute enthalten 2 Stücke: Ein Harter und ein weicher. Dieses Muster empfinden wir irgendwie als langweilig. Für uns ist das einfach nicht so interessant. Wir hoffen das jemand ein ähnlich intensives Gefühl hat, während er unsere Musik hört, wie wir als wir es geschrieben haben.“

Auf dem diesjährigen Dockville Festival tummeln sich schon wieder mal zahlreiche angesagte DJs und Producer. Was können wir von Eurem Gig und bei perfekter Open Air Kulisse von Euch erwarten?

N: „Live Musik, Improvisationen und Experimente, totale Flexibilität, Risiko und ganz viel unveröffentlichtes von Trashlagoon.“

Ihr sagt selbst, dass Eure Tracks sehr persönlich sind und einige Phasen Eures Lebens beschreiben. Warum ist das für Euch sozusagen eine scheinbar unausschöpfliche kreative Quelle, für das, was ihr als Duo macht?

N: „Wir kennen uns nun fast 15 Jahre. Es gibt viel Spannendes zu erzählen. Wir sind wirklich durch die verschiedensten Phasen, meist gemeinsam durchs Leben gegangen und haben uns gegenseitig beeinflusst. Mit unserem Debut-Album haben wir grade erst die frühe Jugend reflektiert. Es gibt noch so vieles zu erzählen.“

Sind bei diesen persönlichen Einflüssen überhaupt Prognosen erlaubt, wo ihr Euch selbst am liebsten sehen würdet in Zukunft?

N: „Im Studio, welches hoffentlich immer größer und größer wird.“

Wir sind ja persönlich in einem Jahr nicht gefeit vor den kommenden Up and Downs. Vor was habt ihr den größten Respekt/Angst?

S: „Computertechnik in Live-Situationen ist für uns ein großer Angstfaktor. Wir haben nicht sehr großes Vertrauen in diese Ableton Live-Set Technik. Sonst wird alles gut. Ganz sicher.“

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