Schlakks Interview

Schlakks Interview über „Einfach mal wieder“

Schlakks im Interview

Schlakks im Interview

Am 02. Mai erschien das neue Album von Schlakks mit vielen Feature-Gästen. Mit dem Soundkartell spricht er über den Release.

Du hast dich bei “Einfach mal wieder” bewusst dafür entschieden die Platte auch auf Kassette rauszubringen. Welches Zeichen möchtest du damit setzen oder ist das mehr ein Liebhaber-Ding?

Das ist mehr ein Liebhaber-Ding. Ein Zeichen will ich vielleicht insofern setzen, als ich einfach keine Lust darauf gehabt habe das Werk nur online zu veröffentlichen. Da wollte ich lieber noch eine limitierte Liebhaber-Geschichte dazu bringen, die etwas Besonders mit sich bringt. Jede Kassette ist ja auch ein Einzelstück und individuell gestaltet. Es steckt mir einfach zu viel meines Lebens darin, als dass ich es nur in irgendwelchen Clouds rumschwimmen lassen könnte. Andererseits war klar, dass ich dieses Mal eben nicht die volle Packung á la Vinyl usw. mache, um die Spontaneität und die Unbedarftheit zu bewahren. Es ist eben auch ein recht klassisches Mixtape im Rapkontext und ein Mixtape ist im klassischen Sinne eben auch ‘ne Kassette. Mannomann, klingt das real.

“Einfach mal wieder” ist mehr so spontan entstanden. Inwiefern hat Euch diese Spontanität wieder eine künstlerische Freiheit gegeben, die du vorher vielleicht nicht hattest?

Vor „Einfach mal wieder“ habe ich zwei Alben rausgebracht, bei denen ich einen sehr hohen Anspruch an die Texte hatte; ich habe, gerade bei „Tat und Drang“ einzelne Worte ganz genau betrachtet und mich kritisch damit auseinander gesetzt, worüber ich rappe. Zum Beispiel habe ich ganz bewusst Themen wie das Schreiben an sich oder Rap ausgeklammert, weil mir das irgendwie zu blöd war – obwohl ich solche Sachen auch selbst teilweise bei mir zuhause laufen hatte. Bei „Einfach mal wieder“ habe ich einfach drauf geschissen und auch mal eine Strophe in ‘ner halben Stunde geschrieben und bewusst nichts mehr verändert. Einfach, um den Vibe des Moments wirken zu lassen, denn der kann auch schnell durch nachträgliches Hin- und herschieben kaputt gemacht werden. Musik ist einfach auch sehr viel Gefühl, Intuition und Moment. Auch wenn ich bei den letzten Alben auch oft den Moment habe bestimmen lassen. Dann ist da aber auch noch die Gefahr Texte lyrisch zu überfrachten und ich glaube, bei Tat und Drang war das hier und da schon ein Grenzgang. Aber Ich weiß auch, dass mein nächstes Album wieder anders sein wird als „Einfach mal wieder“, ich bestimmte Themen und sprachliche Wege wähle und das Thema Rap zum Beispiel wieder in den Hintergrund treten wird. Das sehe ich auch als künstlerische Herausforderung an und glaube, dass da noch mehr Tiefen und Höhen drinstecken – zumindest für mich persönlich. Dementsprechend war „Einfach mal wieder“ sowas wie ein Befreiungsschlag, der verdammt gut getan hat. Jetzt ist aber auch gut und ich freue mich wieder auf die Albumproduktion. Aber ich glaube auch, dass das Album was von dem Gefühl von „Einfach mal wieder“ mitnehmen wird.

Textet man in einer solchen kumpelhaften Atmosphäre eher über Themen, die einen richtig annerven und die man uncool findet?

Kam das Gefühl beim Hören auf? Wenn ja: Nö, eigentlich gar nicht. Vielleicht brauche ich aber jemand anderen, um mal ganz ungefiltert ein wenig rumzumeckern.

Dieses: Freunde einladen, einfach Musik machen, alles so wie früher. Manchmal muss man ja im Leben feststellen, dass manche Dinge einfach nicht mehr so sind wie früher, warum hat das aber ausgerechnet hier sehr gut funktioniert und könnte so ganz easy nochmal klappen?

Es ist anscheinend noch genauso geil genau das zu tun wie früher. Und hat mir etwas gegeben, was ich vielleicht vermisst habe. Musik spielt eine riesige Rolle in meinem Leben, dabei neige ich aber vielleicht auch manchmal das zu vergessen, was abseits von geplanten Touren und Alben stattfindet – das, mit dem alles anfing. Für die Kassette sollte das erstmal alles egal sein. Außerdem habe ich in den letzten Jahren so viele großartige MusikerInnen kennen gelernt, mit denen ich einfach mal was gemeinsam aufnehmen wollte. Und dafür war es jetzt an der Zeit. Aber klar, du hast schon Recht, manche Dinge sind nicht mehr so wie früher. Ich könnte vielleicht heute auch nicht mehr jeden Abend irgendeine schnelle Strophe schreiben, die dann zwischen dem letzten Bier am Abend und dem Katerkaffee irgendwo versandet. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Da will ich dann doch irgendwie mehr.

Wie übertragt ihr dieses Gefühl auf den Zuhörer und wie schwierig ist es da nicht zu speziell zu klingen?

Na, durch Musik. Wir versuchen dieses Gefühl auszudrücken und vielleicht kommt es so bei den Zuhörenden an. Die Gefahr zu speziell zu klingen hat man natürlich immer, wenn man nicht das macht, was der Großteil erwartet und sich nicht an Promopläne hält. Ist aber auch eigentlich keine Gefahr, sondern eher positiv. Wir machen das nicht für die Musikindustrie, die Ecken und Kanten nicht gebrauchen kann. Zu allgemein zu klingen fände ich da viel schlimmer, eigentlich das schlimmste.

Inwiefern ist deine Platte eine bewusste Gegenbewegung zu so ziemlich allem: angesetzte Releasedates, Konzept-Album und perfektionistische Texte?

Puh. Naja, bezüglich Konzept und Perfektionismus ist das Ding wohl erstmal eher eine Gegenbewegung gegen mich selbst. Zu den angesetzten Releasedates ist zu sagen – schon auf unserem Level ist es ja leider auch so, dass wir schon in gewissen, ganz normalen Unfreiheiten sind. Wenn wir ein Album veröffentlichen und es keinem sagen, dann wird es auch keiner hören außer uns – die Frage ist ja, wie man damit umgeht. Aber du hast das schon richtig beobachtet – bei der Kassette war es auch in diesem Punkt die Idee nicht zu viel Promogeschiss im Vorhinein zu machen, einfach die Musik rauszuhauen und auch sich selbst heraus wachsen zu lassen. Ein bisschen wie früher halt. Denn bei den letzten Veröffentlichungen haben wir uns natürlich schon unweigerlich mehr Gedanken gemacht, wie wir die Sachen veröffentlichen. Dieses Mal sollte das in den Hintergrund treten.
Schlakks im Interview; Fotocredit: Sarah Buth

Schlakks im Interview; Fotocredit: Sarah Buth

Du sagst „Einfach mal wieder“ ist einfach da. Siehst du eine gewisse Gefahr, dass “Einfach mal wieder” auch dann einfach mal weg sein kann und schneller verpuffen kann?

Ja klar. Wir wollen einfach guten Kram machen und dabei in Ruhe wachsen, abseits, von Hype und Konzepterarbeitung. Und wer Bock drauf hat, begleitet uns. Und wir haben uns im deutschsprachigen Raum ja mittlerweile auch einen Kreis von Leuten erspielt, die uns zuhören. Das findet allerdings abseits von den großen Hypes statt. Da finden wir nicht statt und das wird wahrscheinlich auch nie der Falls ein, dazu ist das einfach nicht glatt genug. Gott sei dank. Wir wollen uns aus dieser Schnelllebigkeit auch ein bisschen rausziehen. Das sind nicht wir. Wir wollen aus uns selbst heraus wachsen und das funktioniert seit ein paar Jahren eigentlich auch ganz gut so, denke ich. Davon mal ab: „Einfach mal wieder“ ist ja nun so analog auch nicht, man findet es bei Spotify und all den anderen Konsorten.

“Spielplatz” befasst sich mit der gesamten Rap-Branche und vor allem dem Rap-Journalismus. Das ist ja so gesehen schon eine richtige Watschen, wie wir in Bayern so schön sagen. Welche Reaktion darauf würdet ihr Euch denn dazu wirklich wünschen?

Die Utopie wäre natürlich, dass sich grundlegend etwas ändert oder sich Menschen diesbezüglich kritisch mit ihrem Handeln und dem Handeln anderer auseinandersetzen. Ansonsten sind wir natürlich auch bereit in den Dialog zu treten. Eigentlich haben wir auch niemanden „gedisst“ – denn alles, was wir ansprechen, sind nur Beobachtungen und wörtliche Zitate. Wer sich gedisst fühlt, tut das dann eher aufgrund seiner eigenen Worte und Handlungen. Also, liebe (Rap-)-Medien: Wir können gerne drüber reden. Ihr könnt es aber auch natürlich weiterhin ignorieren, wie gewohnt.

Der Release platzt ja so gesehen mitten im Jahr raus. Wo steht man denn da und welche Pläne stehen noch an?

Wir erwachen gerade, was live angeht, aus dem Winterschlaf. Außerdem starten wir quasi jetzt in die Produktion des dritten Albums. Das ist jetzt eindeutig der Fokus für dieses Jahr, die ersten Beatskizzen von Opek und Razzmatazz stehen schon – sowohl zeitlich als auch örtlich haben wir dieses Mal so gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit wie bislang noch nie. Eine 7“ mit aniYo kore ist außerdem schon fertig und bald auf dem Weg ins Presswerk. Für Herbst/Winter planen wir darüber hinaus voraussichtlich wieder eine Tour. Das ist noch nicht ganz dingfest, aber angedacht. Ist also genug los.

Welcher ist der Track, der trotz all der Leichtigkeit und Ungezwungenheit doch am längste gebraucht hat, bis alle zufrieden waren und wieso?

Es gibt keinen, der da aus der Reihe fällt. Aber es gab immer mal was: Bei „Spielplatz“ wurde die Cuts nochmal überarbeitet, bei „Schön hier zu sein“ stand die erste Strophe nach einer Stunde, allerdings wurde aus einem angedachten Feature dann doch ‘ne Solonummer, bei der das Schreiben der zweiten Strophe sich hingezogen hat. Buddi und ich haben ‘ne Zeitlang einfach keinen gemeinsamen Termin gefunden, obwohl die Strophen schon standen. Bei „Durch die Tage“ war das Beatprojekt von Omaure von seiner Festplatte verschwunden, so dass wir da ein bisschen rumbasteln mussten…das übliche halt.

Was würdest du am liebsten einfach mal wieder machen, was du früher einfach so gemacht hast, ohne drüber nachzudenken?

Zu acht ‘nen Joint teilen und dann Klingelmännchen machen.

Das Album solltet ihr Euch holen. Das gibt es hier im Stream. Lohnt sich definitiv, denn das ist eine tolle HipHop Platte geworden, die noch dazu wirklich feinste Features beinhaltet.

 

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