Nisse

Interview mit Nisse – „Ich habe eine bestimmte Vision – aber die behalte ich für mich.“

Im Interview Nisse aus Berlin

Im Interview Nisse aus Berlin

Nisse ist derzeit in aller Munde. Der deutschsprachige Electronica-Pop Künstler geht gerade durch die Decke und nimmt sich für sein Album „August“ ganz viel Zeit für die Musikblogger. So habe auch ich mich mit ihm über seine Musik, sein Leben und vieles mehr gesprochen.

Vom Dorf wegzukommen, dort aber doch irgendwie verankert zu sein und immer neidisch auf die Städter zu blicken. Dorthin ziehen und sich dort verwirklichen. Klingt logisch und im Vergleich zu anderen Musikern auch nicht gerade besonders einzigartig. In der Regel gibt es dann irgendwann wieder die umgekehrte Richtung. Beispiel Chakuza, der ja wieder zurückkehrte auf`s Land. Ist das auch für Nisse mal eine Option?

Nisse: “Ich liebe das Land und die Natur, aber als ich mit 17 Jahren in die Davidstraße nach St. Pauli zog, brauchte ich diesen harten Kontrast zu meinem bisherigen Alltag. Action gab es auch in den Dörfern in meiner Jugend, aber sicher weniger als in der der Stadt und eine Action die ich schon in und auswendig kannte. Ich möchte irgendwann zurück auf’s Land, aber nicht bevor ich nicht meine Aufgaben und mich selbst erfüllt habe. Ich genieße die Impulse der Städte wie Hamburg oder Berlin.”

Was mir persönlich sehr gut an deinem Projekt gefällt, ist, dass vor mir jemand steht und auch innerhalb der Songs jemand ist, der mir wirklich unbedingt etwas mitteilen möchte. Erkläre uns doch nochmal kurz welche Geschichten du uns in deinen Songs erzählen möchtest.

Nisse: “Es geht um Liebe, dem Streben nach Glück, die schönen und traurigen Geschichten des Lebens. Aber ich denke, ich beschreibe und sine diese Themen auf eine sehr eigene Art. Aus diesem Grund finde ich Musik zu erzählen oder zu erklären etwas schwierig, außerdem möchte ich den Hörern nichts vorweg nehmen. Das Album ist für mich eine Schatzsuche, bei der die Karte wie auch der Schatz selbst, darin liegen sich meine Lieder einfach anzuhören und sich auf eine Reise zu begeben. Nur noch wenige Dinge beflügeln, bei all den vorgegebenen Bildern und Viralen Eindrücken, unsere Fantasie. Da empfinde ich es als Privileg, mir heraus nehmen zu dürfen, meine Geschichte nicht vorkauen zu müssen.”

Deine Songs gehen mal Richtung HipHop, mal sind sie sehr poppig. Wie viele Gesichter hat Nisse?

Nisse: “Ich bin über die Jahre mit so viel Musik aufgewachsen und konnte zum Glück meiner etwas festgefahrenen Sicht, nur eine Richtung zu verfolgen, entkommen. Alles ist möglich und kann mich berühren, wenn es richtig und ehrlich gemacht ist. Entsprechend viele Gesichter bzw. Seiten haben das Album und ich. Der Sound entscheidet nach dem was die Geschichte verlangt. Auf dem Album sind 80er New-Wave Ansätze, indie- und Rock-Momente, Hip Hop-Grooves, Soul und RnB-Linien, viele klassische Instrumente treffen auf elektronische Kontraste.”

Wie schwer ist es für dich sich mal auf eines festzulegen?

Nisse: “Das wäre wie jeden Tag Spaghetti essen. Das geht vielleicht 4 Tage gut und dann wird einem übel. Ich bin in manchen Phasen des Schreiben und Produzierens dazu gezwungen neue Sachen zu probieren, andernfalls würde ich mich wohl langweilen. Aber ’sag niemals nie‘ vielleicht finde ich ja irgendwann dieses eine Gericht das immer und für den Rest meines Lebens schmeckt.”

Dafür, dass du hier und heute das machen kannst, hast du in deinem Leben hart dafür gearbeitet. Inwiefern ist es nach all den Erfahrungen, die du im Job und Leben gemacht hast dennoch ein Privileg die Musik mit dem Support im Rücken zu machen, für die du geradestehen kannst?

Nisse: “Vielleicht verstehe ich die Frage falsch. Es nicht „dennoch“ ein Privileg…es ist einfach ein Privileg 🙂
Ich habe die beschissensten Jobs gemacht die man sich nur vorstellen kann. Das was ich jetzt grade tue ist mein Traum. Er ist zwar härter als die meisten meiner vorigen Jobs, da es nicht nur auf den Körper geht, sondern vor allem meinen Kopf extrem beansprucht, aber ich bin sehr glücklich dass ich meine Energie endlich nur auf die Musik lenken kann. Ich bin durchgehend am Texten und Dichten. Mein Gehirn kann nicht wirklich aufhören nach Zeilen und Melodien zu suchen.”

Gegen welche Prinzipien würdest du als Musiker Nisse niemals verstoßen?

Nisse: “Mit Absicht schlechte Sachen schreiben oder komponieren.”

Deine Biographie zu Nisse liest sich ungewöhnlich persönlich. Inwiefern ist das aber notwendig um zu verstehen, welche Musik uns auf deinem Album im September erwartet?

Nisse: “Das ist zum einen wahrscheinlich sehr hilfreich, um zu verstehen, dass ich schon einiges erlebt habe, auf der anderen Seite aber völlig egal, da es im besten Fall keine Rolle spielt und sich ohne großes Vorwort direkt in meiner Stimme und den Texten wiederspiegelt. Ich wusste nicht wer Michael Jackson ist und wofür er steht als ich 6 Jahre alt war und habe es ohne die Sprache zu verstehen trotzdem genau gefühlt. Es klang einfach nach einem Menschen der mit etwas Gutem die Welt verändern wollte.”

Inwiefern ist das erst einmal der “Gipfel” deiner bisherigen Karriere?

Nisse: “Ich liebe dieses Album. „August“ ist ein Meilenstein in meinem Leben. Unabhängig vom kommerziellen Erfolg oder Misserfolg habe ich diese Musik, so gut ich es in diesem Moment nur konnte, zum Abschluss gebracht, nach langen Jahren. Für mich ist es die beste Sache, die ich in meinem ganzen Leben gemacht habe. Da kommt kein Schulabschluss oder abgeschlossene Lehre ran, das hier ist nur meins. Mein K2…Jetzt folgt der Mount Everest.”

Welche Ziele hast du dir für die Zeit danach gesetzt?

Nisse: “Ganz viel Live vor den Menschen spielen. Die Termine kann man auf http://www.facebook.com/NisseMusik oder bei http://selectiveartists.com/artists/nisse checken! Dann schreibe ich noch für und mit vielen anderen tollen Künstlern. Und irgendwann werde ich anfangen neue Ideen für das nächste Album festzuhalten.“

Ich könnte mir vorstellen, dass du vom Typ her eher derjenige bist der sich viele kleinere Etappenziele setzt, nicht großartig weit vorausplant….

Nisse: “Ja und nein. Ich habe eine bestimmte Vision, aber die behalte ich für mich. Auf dem Weg dahin werden aber die nötigen Hürden und einzelnen Aufgaben bewältigt und ich freue mich über jede geschaffte Herausforderung!”

Letzte Frage: An welchem Spot in Berlin hängt Nisse am liebsten ab? (Gibt`s davon vielleicht ein Foto?)

Nisse: “In meinem kleinen Studio-Kämmerchen oder immer wenn ich es schaffe mit Freunden draußen. Es gibt keinen bestimmten Ort, am liebsten dort wo die Sonne hin scheint und die Menschen eine gute Energie haben.”

Im Interview Nisse aus Berlin

Im Interview Nisse aus Berlin

Leave a Reply Text

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bestätige, dass du kein Computer bist. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

*