Mooryc

Mooryc „Wiped Out“ Rezension

Mooryc "Wiped Out"

Mooryc „Wiped Out“

Am 14. Oktober erscheint mit „Wiped Out“ das neue Album von Mooryc. Ich habe mich reingehört.

Endlich! Ich hatte endlich mal wieder einen driftigen Grund ein Album in voller Länge zu hören. Wie aus der Hecke heraus hatte ich schon seit ein zwei Jahren beobachtet, was der gebürtige Pole Mooryc da an Pop, Indie und auch Folk Perlen zelebriert. Jetzt ist mit „Wiped Out“ endlich das neue und dritte Album raus und eines kann ich schon jetzt sagen: Es strotzt vor Gänsehaut-, Eintauch- und Dahinschmelz-Momenten. Ich spreche jetzt gar nicht von schnulzigen Nummern. Nein Maurycy Zimmermann hat hier ein Werk geschaffen, das für mich eines der besten internationalen Alben des Jahres ist. Ohne Übertreibung.

Mittlerweile lebt und musiziert er ja von Berlin aus, aber Mooryc ist so ein zeitloser Songwriter, der hier mit seinen zehn neuen Tracks eine Punktlandung hinlegt. Da ich das Album auf Reisen durchgehört und geradezu an mich gerissen hatte, war für mich der Opener entscheidend. Mit diesem Track begann für mich das Album. Und zwar deswegen, weil es mit „Bad Luck“ einer der besten Tracks auf dem Album ist. Ein treibender Beat, der sich schleppt. Ein Gitarren-Picking, das an Größen wie Andrew Bird erinnert. Bis seine markante Stimme einsetzt.

Zeitloser, zeitgemäßer und moderner kann Indie-Folk nicht klingen. Das Wort Pop-Diamanten ist auch gar nicht mal so weit hergeholt. Wobei beim Opener der Beat eine Seltenheit ist. Denn sonst kommen die Songs eher ohne aus und funktionieren auch als solche perfekt.
„Bad Luck“ ist einer der Tracks, den ich gefühlt Tausend Mal hören kann. Hier gibt es so viel zu entdecken und das immer und immer wieder.

Weiter mit „Certain Opportunities At Your Doors“ entfaltet sich über das Piano, flackernde Pop-Sounds und die tolle Stimme des Warschauer Musikers eine regelrechte Sogwirkung. Völlig unkonventionell und eher impulsiv improvisiert setzt er sogar mal kurz aus. Ein Moment der Stille. In Zeiten der heillos überproduzierten Tracks ist das eine echte Rarität.

Unaufdringlich, dezent und irgendwie auch süß, putzig. Mooryc ist ein Meister der Zurückhaltung geworden. Er ist jemand, der sich bescheiden gibt und hier auf seinem neuen Album seine Songs sprechen und sich ausdrücken lässt. Er zeichnet sie in ganz feinen Linien und Darstellungen. Dass dabei sein Indie-Folk so genial rüberkommt, ist da wie in „I Can’t Recall“ nur eine Randnotiz.

Für mich ist das eines der schönsten Alben in diesem Jahr. „Wiped Out“ ist etwas sehr Unscheinbares. Eher wie ein Schatten. Ein Bild, das bei mehrmaligem Betrachten vieles bereit hält. Freudige Erinnerungen an die Vergangenheit, schöne Momente. Und dann gleichzeitig dieses weinende Auge, das begreift, wie schnell doch alles an uns vorbeizieht.

Das neue Album von Mooryc hilft einem dabei etwas festzuhalten. Das scheinbar Leichte zu begreifen und es zu konservieren. Ohne ihm eine bedeutungsschwangere Schwere beizumessen. Das Album ist aber auch ein Zeugnis. Ein Beweis, dass wir beim Musik hören oft gar nicht mehr begreifen, um was es eigentlich geht. Hier ist der schnelle Hit absolute Nebensache. Der perfekte Plan ebenso. Auf Erfolg getrimmte Bands – von denen es wirklich zu viele gibt – versauen auch mir oft das eigentliche Hören. Single hier. EP da. Aber ein echt gutes Album mit Hirn und durchdachten Indie, Pop und Folk Songs? Ja, das findet ihr in „Wiped Out“. Punkt. Ohne Übertreibung, echt.

 

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