Minor Victories

Minor Victories – Denn sie wissen was sie tun!

Minor Victories live im Technikum

Minor Victories live im Technikum

Anlässlich des Konzerts heute in München gibt es von Eddie Vollgas eine Rezension zu Minor Victories.

Es gibt Bandzusammensetzungen, da ist man doch immer wieder überrascht, wie diese Zustande gekommen ist. So wie bei Minor Victories. Denn hier handelt es sich um ein Konglomerat aus wiederum mehreren anderen Bands. Hier die kurze Zusammenfassung der Mitglieder, als da wären die Sängerin Rachel Goswell von Slowdive, Gitarrist Justin Lockey von den Editors, seinem Bruder James Lockey sowie Stuart Braithwaite von Mogwai.

Und wenn man dem Netz trauen kann, dann hat sich diese Konstellation lediglich aus dem Austausch elektronischer Nachrichten ergeben. Da darf man schon mal staunen. Aber so ist das heutzutage nun mal. Da wird dem Kollegen zur neuen Scheibe via Facebook oder Twitter beglückwünscht, wo man aber beim schnellen Austausch feststellt, das man ja eigentlich noch Kapazitäten frei hat, es sogar gewisse Synergien bestehen, vielleicht einem spontan noch ein, zwei weitere Typen einfallen, mit denen man sowieso schon immer mal zusammen eine Runde Jammen wollte, fix mal angetwittert und Zack, sitzen vier Künstler im Boot und schmeißen all ihre Kreativität in einen Topf.

Da kann natürlich auch viel Schrott bei rauskommen – oder eben etwas ganz anderes. In diesem Falle zum Beispiel das gleichnamigen Debüt-Album „Minor Victories“. Also, dann mal die Anlage angeschmissen, die CD aus der Verpackung gefriemelt und in den Player geschmissen, auf Start gedrückt und die Lautstärke aufgedreht und … sich überraschen lassen! Ich hatte so ziemlich gar keine Vorstellungen, was mich bei „Minor Victories“ zu erwarten hat.

Um so mehr gilt es das Hörbare in einen gewissen Zusammenhang zu stellen. Ganz ehrlich, hätte mir jemand gesagt, die CD wäre eine Compilation, hätte ich dies nach dem Hören der ersten Tracks sofort unterschrieben. Aber im Kontext mit der Entstehungsgeschichte von Minor Victories, den Künstlern als solches sowie ihr jeweiliges musikalisches Wirken, erscheint mir die CD mit ihren 10 Schöpfungen wiederum eher wie eine Ode der Vielfalt.

Selten hat man das Glück, von einem Track zum anderen solche Stimmungswechsel und Darbietungen erleben zu dürfen. So werden einem teils minutenlange Streichersätze geboten (Breaking My Light), minimalistischer Rock vergangener Epochen (Scattered Ashes – Song For Richard), sphärische ultradichte Kompositionen (Give Up The Ghost) oder umfangreiche symphonale Erscheinungen (Out The Sea). Dazu das Alles überdeckt von der Gothic-artigen Stimme von Rachel Goswell.

Das ist musikalisch ganz großes Kino. Wirkt das Gesamtwerk in seiner Komplexität schon fast ein wenig zu wechselmütig, muss man aber angesichts der Perfektion zugeben, dass das Ganze anscheinend auch wieder System hat. Fakt ist, dass „Minor Viecories“ eine Menge zu bieten hat. Soviel, dass auch nach mehrmaligen durchhören der CD es ganz bestimmt nicht langweilig wird.

Immer wieder finden sich Passagen oder Kleinigkeiten, die vorher gar nicht oder ganz anders wahrgenommen worden. Mein Highlight der Platte ist übrigens das Duett auf „For You Always“. Eins der Lieder, das ich am wenigsten so in der Art erwartet hätte.

Fazit: „Hallo, wir sind die The-Good- Old-Blues- Brothers-Boys- Band und wir spielen Country und Western“. Mit diesem entliehenen Satz (A.d.R.: Blues Brothers – der Film) habe ich jetzt bestimmt ebenso überrascht, wie Minor Victories mit der gleichnamigen CD. Aber wenn Musiker all ihr Können in eine Waagschale werfen, kommt in der Regel auch etwas durchaus anständiges heraus.

So eben auch gerne Country anstatt Rythm & Blues wie ehedem bei den Blues Brothers in Bob´s Country Bunker. Daher fiel mir unweigerlich dieser an sich merkwürdige Vergleich ein. Denn für ein Debüt-Album erscheint „Minor Victories“ musikalisch ziemlich perfekt. Stören wird sich der Eine oder Andere höchstens daran, dass sich die zehn Tracks recht schlecht einem Stil zuordnen lassen.

Aber vielleicht war das auch gar nicht das Ziel des Projektes. Eher das zu tun, was außerhalb von eigenem Bandvorgaben, musikalischer Zuordnung und externen Erwartungen vielleicht nur so umsetzbar ist. Und genau das ist es, was vielleicht den Esprit der Platte ausmacht. Mich hat es durchgehend überzeugt und ebenso gefesselt. So spannend wie CD selbst, bleibt die Zukunft von Minor Victories. Bleibt es bei der Liebelei mit dem Projekt oder wird sich das Ganze zu einem ernsthaften und andauernden Bündnis entwickeln. Da halte ich es wie der Bayer: Schau mer mal!

Ein Text von Eddie Vollgas

Minor Victories spielen heute Abend im Technikum in München.

 

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