I-Wolf – Musik, für die wir uns Zeit nehmen müssen!

I-Wolf – Musik, für die wir uns Zeit nehmen müssen!

I-Wolf; © Elsa Okazaki

I-Wolf; © Elsa Okazaki

Am 25. Mai erschien Wolfgang Schlögl aka I-Wolf ein sogenanntes Zwillingsalbum: „Flesh + Blood“ und „Skull + Bones“ wurden sie getauft und sind seit mehr als 10 Jahren die ersten Produktionen, die wieder von ihm selbst stammen. Das Soundkartell bekam die beiden Platten exklusiv und versucht sie euch nun näher zu bringen.

Beide Platten wären an sich identisch. Sie teilen sich mehrere Songs, doch im Grunde genommen klingen sie unterschiedlich. Gerade deshalb müssen wir auch beide Werke getrennt voneinander betrachten. Die Tracks auf „Flesh + Blood“ sind allesamt äußerst impulsiv und exzessiv. Auffallend ist besonders ihr Enthusiasmus. Elektronisch sind die Tracks zudem auch alle angehaucht. Doch nicht im alten Stil wie vor 10 Jahren, wie wir vermutet hätten, sondern sehr zeitgenössisch.
Facettenreich und ausgefallen. So könnten und müssen wir jene Tracks darauf auch beschreiben, denn I-Wolf spielt z.B. in „Trailerpark Vodoo/Howling“ mit zahlreichen Elementen wie Dub-Rhythmen, aber setzt im nächsten Moment auch Jazz und Soul Bausteine ein. Die Mischung ist, wenn wir so wollen: phänomenal. Auffallend stark ist zudem auch, dass sich I-Wolf nicht mit kurzen Tracks zufrieden gibt. Beinahe alle überziehen die fünf Minuten deutlich und das liegt eben auch daran, dass er sich in der Zeit des Tracks so vielen Stilrichtungen bedient.

Eine große Besonderheit ist, dass alle 11 Tracks auf „Flesh + Blood“ in verschiedenen Städten innerhalb Europas entstanden sind. Zusammen mit den Chainreactions besitzt I-Wolf zudem eine komplett und harmonisch funktionierende Live-Band neben sich agierend. Fast könnten wir annehmen, dass die Chainreactions lediglich im Hintergrund musizieren. Aber weit gefehlt, sie stehen nicht unscheinbar hinter Wolfang Schlögl, im Gegenteil zu ihnen zählen weitere Herzblut Musiker wie der Portugiese Eduardo Raon, der die Harfe bedient. Weiterhin stehen ihm noch Mia Zabelka und Matthias Jakisic zur Seite, die beide an der E-Geige harmonieren. An der Gitarre und Bass spielt dabei mit Eddie Siblik ein weiterer Multiinstrumentalist.
Unterschiedlich zur Platte und einem Live-Auftritt wechseln sich am Schlagzeug Sixtus Preiss und Tom Marsh ab. Wodurch auch an diesem Instrument die Beats immer etwas verändert werden. Lauschen wir den Tracks „Wicked Paradise“ und „Turn Where Your Love Is“ so fallen auch unüberhörbar die drei weiblichen Stimmen von Nomadee, Aiha und Briknie auf. Sie ergänzen und erweitern somit die gesamten 11 Tracks von I-Wolfs Produktion ungemein.

Allein, dass die Instrumentierung auf „Flesh + Blood“ so unwahrscheinlich umfangreich ist merken wir, wie perfektionistisch I-Wolf an dieses Projekt des Doppelalbums herangegangen ist. Dabei ist I-Wolf, der ja mit bürgerlichem Namen Wolfgang Schlögl heißt Produzent und gleichzeitig auch Gründungsmitglied der Wiener Elektro-Formation Sofa Surfers. Neben jener Aktivität ist Schlögl noch an vielen weiteren Projekten beteiligt. Als sei das allerdings noch nicht genug, produziert und komponiert Schlögl vor allem für Theater- und Filmproduktionen. 2012 initiierte er sogar dabei zusammen mit Paul Divjak die Multimedia-Performance Bee Pop. Dabei übernahm er als Dirigent die musikalische Leitung von über 100 000 Bienen.
Dass Schlögl an zahlreichen Filmproduktionen und für das Theater zuständig ist, hören wir auch in seinen Tracks. Weitläufig sind wirklich viele der insgesamt 20 Tracks, der beiden Alben.

Widmen wir uns der zweiten Platte „Skull + Bones“ so wird uns schnell klar, wie sehr sich die beiden Werke unterscheiden. Das zweite Werk ist deutlich düsterer und strahlt eine geradezu asketische Finsternis auf den Hörer aus. Dabei bedient sich I-Wolf auch hier auch aus den Elementen des Jazz, Souls und Dub. Die Mischung der 9 entstandenen Tracks ist auch hier atemberaubend vielfältig, aber zugleich auch eingänglich gelungen. Anders als bei „Flesh + Blood“ spielte Schlögl die Tracks selbst ein und nahm sich lediglich Eddie Siblik und die drei Frauenstimmen zur Hilfe.

Ungewöhnlich kurz und somit auch prägnanter ist I-Wolf dabei der Song „You Know It Ain`t Right“ gelungen. Auf „Skull + Bones“ fällt es uns als Zuhörer allerdings leichter, das Genre genauer zu definieren, auch wenn er sich wieder vielen einzelnen Elementen bedient: Elektronica-Pop ist es, den Schlögl dabei in insgesamt 20 Tracks wirklich bis zur äußersten Perfektion produziert hat.

Kommen wir bei den 20 Titeln an das Ende beider Platten, scheint es fast so, als ob I-Wolf genau auf diesen Moment des Releases gewartet hat. 10 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, berücksichtigen wir dabei Entwicklungen und Innovationen an Instrumenten und auch schlichtweg an der Art und Weise Musik zu machen. Umso erstaunlicher scheint es, dass I-Wolf trotz der langen Wartezeit exakt in die heutige musikalische Kerbe schlägt, ohne dabei altbacken zu wirken.

„Flesh + Blood“ und „Skull + Bones“ sind hingegen zeitgenössische Werke geworden und bis wir als Zuhörer wirklich alle Sequenzen in den Songs durchdrungen haben, bedarf es auch einiger Zeit. Vielleicht war dieses technische Stilmittel auch deshalb bewusst gewählt, damit wir uns Zeit lassen. Und genau das ist es, was I-Wolf`s Musik außergewöhnlich gut macht und lässt unbewusst den Appell im Raum stehen: Nehmt euch Zeit beim Hören und versucht jede einzelne Sequenz zu begreifen!

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