Gerard Interview

Gerade Interview „Mir geht es nur darum kreativ zu sein.“

Gerard im Interview; Fotocredit: Kizin Sane

Gerard im Interview; Fotocredit: Kidizin Sane

Zum neuen Album „AAA“ habe ich Gerade einige Fragen gestellt.

Das neue Album von Gerard ist für mich ein Rap-Album, das bleibt. Eines, das vor allem in diesem Jahr 2017 einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Der Österreicher ist ein unfassbar guter Beobachter, saugt Stimmungen in sich auf und formt diese dann um in manchmal verschachtelte Gedanken. Genau so geföllt mir das und weil es über das neue Album so viel zu sagen gibt, habe ich ihm einige wichtige Fragen gestellt.

Wie fühlt sich der Release deines neuen Albums „AAA“ auf dem eigenen Label an?

„Sehr schön. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl etwas geschaffen zu haben was es vorher noch nicht gab. Einfach, dass all diese Ideen und Gedanken, die man sich im Laufe von 1-2 Jahren so macht plötzlich in der Welt verstreut sind.“

Bisher habe ich relativ viele zweiteilige Meinungen gehört. Manche tun sich ziemlich schwer warm zu werden. Inwiefern hast du damit schon im Prinzip alles erreicht, dass sich die Leute mit deiner Musik auseinander setzen und du es ihnen gar nicht mal so leicht machst?

„Ich selbst bin auch Fan von Musik die erst beim mehrmaligen hören all ihr Potential entfaltet. Vorallem in der heutigen Zeit wo alles sehr gleich und austauschbar klingt, finde ich es schön wenn man durch Kunst etwas gefordert wird und das versuche ich auch mit meiner Musik. Wie das draußen ankommt ist für mich ehrlich gesagt zweitrangig. Ich hatte immer gleich viel Spaß am Musik machen, egal ob ich 100 oder 10 000 Alben verkauft habe.“

Du bist ein guter Beobachter deiner Umwelt. Wie groß ist die Gefahr, dass genau diese Aufmerksamkeit nicht irgendwann zu Reizüberflutung wird?

„Das kann ich nicht sagen, ich bin es gewohnt mich oftmals mit meinem Kopf einfach auszuklinken und alles um mich runder herum zu beobachten und auf mich wirken zu lassen. Ich habe manchmal in meinem Kopf soviele Ideen in verschiedene Richtungen, das ist bestimmt manchmal etwas überfordernd, aber dann meditiere ich etwa oder mache Sport um wieder etwas Klarheit zu bekommen.“

Irgendwie hat so jeder deiner Songs seine eigenen Ecken und Kanten. Manche wirken flacher, manche größer produziert. Welche zwei Tracks auf dem Album gibt es für dich, die besonders von einer gewissen Diskrepanz leben (die sich ergänzen oder abstoßen)?

„Ich würde auf jeden fall sagen dass gleich die ersten 2 Songs „Chaos“ und „Mehr“ sich total ergänzen und gleichzeitig abtoßen. „Chaos“ ist in ein paar Minuten entstanden, es ist eine I Pad skizze, die ich einfach so freestyle mäßig mal aufgenommen habe und gar nichts mehr daran gemacht habe. „Mehr“ hingegen ist total poppig, glatt, eingängig und wir haben lang an dem Song herumgebastelt.“

Wann wurde dir künstlerisch bewusst, dass das Handwerk, das du mittlerweile ausgefeilt hast eine „Bank“ für deine Fans ist? A la „guter Content setzt sich immer irgendwann durch“.

Gerard im Interview; Fotocredit: Kizin Sane

Gerard im Interview; Fotocredit: Kidizin Sane

Gerard: „Eigentlich schon bei meinem Album „Blur“, welches ich mit 22 veröffentlicht habe. Beim Album vorher hatte ich mir extremen Aufwand angetan, viel geplant und keinen hat es interessiert und dann hab ich bei „Blur“ einfach nur gemacht und plötzlich war das Feedback super und es kamen die ersten Dinge ins Rollen. Ich habe auch in meinen fast 10 Jahren in denen ich Musik mache soviele Hypes kommen und gehen gesehen. Ich habe einfach gemerkt, wenn man sein Ding macht, nicht so sehr darauf achtet was gerade in ist oder nicht, dann erreicht man früher oder später immer Hörer. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das muss einem egal sein, immer weiter machen. Oder wie Andy Warhold schon meinte: „Just make Art““

Gefühlt gehen gerade viele Rapper einen filmischen Weg. Marteria hat seinen eigenen großen Film, Dissythekid dreht nebenher einen Kurzfilm. Inwiefern ist Rap auch immer noch Sprache im Bild/bewegten Bild für dich und wird es immer bleiben?

„Ich kann nicht sagen wie lange Rap noch Ausdruck meines künstlerischen Schaffens ist. Ich merke immer mehr, dass es mir nur darum geht kreativ zu sein. Ob man Ende ein Gerard Song dabei rauskommt, ein Buch, ein Film, eine Firma oder was auch immer ist mir egal. Vorallem Film ist ein Bereich, der mich immer mehr reizt.“

Gibt es für dich einen Schlüsseltext auf dem Album, der der Knackpunkt deines Schreibens der Texte für die neue Platte war?

„Meine Lieblingszeile ist: „Ich geb alles was ich hab, nehm mir dafür alles was ich will“. Ist auch irgendwie mein Lebensmotto. Wenn du viel Energie wo reinsteckst kommt auch irgendwann viel zurück.“

Auf dem neuen Album singst du jetzt auch wieder öfter. Ist das bei „Luftlöcher“ ein Stilmittel das bleibt für zukünftige Produktionen?

„Ich denke ja. Zur Zeit will ich meine comfort zone noch mehr verlassen als ich es ohnehin schon tue. Und da gehört Singen devinitiv dazu!“

In Prozent: Wie viel deines kreativen Inputs hast du bisher in deinem Projekt von Beginn an bis heute ausgeschöpft?

„Mhm gute Frage. Ich denke „Gerard Musik“ ist zur Zeit etwa zu 40 Prozent wo ich sie in 5 Jahren sehe.“

 

Gerade mal 40 Prozent seines kreativen Schaffens. Krass. Denn dafür ist „AAA“ schon nahezu perfekt, denn das Album braucht ein bisschen. Auch bei mir. Manchmal fühlte ich ihn dabei ertappt, wie der ein oder andere Beat vielleicht etwas billig daherkommt. Damit tut man ihm aber Unrecht, denn wer ihn kennt, der weiß: Das ist mal wieder ein Lebenswerk, ein Meilenstein und davor habe ich bei Gerard höchsten Respekt.

 

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