Feature: Broken Forest

Broken Forest im Interview

Broken Forest im Interview zur neuen EP; Fotocredit: Ricardo Cavani

Wir stellen dir heute die neue EP „Wild At Heart“ im kurzen Review vor, denn viel wichtiger ist für uns, was Broken Forest zur EP selbst zu sagen hat. Deswegen haben wir ihr weiter unten einige Fragen zum Thema Natur, ihre eigenen Erwartungen in die EP und ihr Sounddesign gestellt.

Seit ihrer Kindheit hat Luise eine große Leidenschaft für die Natur und ihre Verbindung zu unserem Leben und unseren Gedanken. Diese Themen überträgt sie ganz gezielt in ihre Musik. Es geht ihr in den fünf neuen Tracks vor allem darum, die Schönheit um uns herum einzufangen. Abern nicht nur das. Auch die Geheimnisse, das vielleicht eher Ungewisse und Düstere. Das gelingt ihr mit einer Art von Folk, der manchmal sehr sanft und eher introvertiert auf mich als Zuhörer trifft. Ich bin aber total fasziniert von ihrer Nähe zur Natur und wie sie all das in ihre Songs einfließen lässt. Weil ich mich da schon auch frage, ob ihre Songs da nicht eigentlich viel düsterer ausfallen müssten.

Mit “Wild At Heart” erschien deine neue, zweite EP. Welche Erwartungen hast du selbst in die neuen Songs und welche Erstreaktionen erhoffst du dir von deinen Fans?

Broken Forest: „Die Songs auf ‘Wild At Heart’ sollen die Hörer*innen mit auf eine Reise nehmen durch meine Klangwelten, zur Natur, zu meinen Lieblingsorten auf den Britischen Inseln, sowie ins tiefste Innere von uns selbst. Mit den Songs habe ich viele Hindernisse verarbeitet, die das Leben einem gerne entgegen bringt und der steinige Weg zurück zu sich selbst und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wenn sich Fans in deinen Songs wieder erkennen und finden und ihre eigenen Verbindungen zu ihnen erstellen, ist dies ein unbeschreibliches Gefühl und erweckt diese erst so richtig zum Leben für mich. Ich hoffe das sich die Hörer*innen auch in diesen neuen Songs wiederfinden und dass sie ihnen auf ihre eigene Art Kraft geben. Seit der Veröffentlichung meiner ersten EP ‘Lost in Fairytales’ habe ich viel an meinem Sound und Können als eigenständige Produzentin gearbeitet und ich bin überaus glücklich auch mehr spannenden Kollaborationen, wie mit der Band No King. No Crown. oder Produzent Simon Massey mit in die EP einfließen lassen zu können, so geben diese neuen Songs gebündelt eine erste Einstimmung auf mein Debut Album, an dem ich gerade arbeite.“

Du arbeitest ganz bewusst die Naturaufnahmen in dein Sounddesign hinein. Inwiefern ist das für dich persönlich eine wichtige Art und Weise bestimmte Eindrücke aus der Natur und Erinnerungen daraus in Form deiner Songs zu konservieren?

Broken Forest: „Die Naturaufnahmen bieten mir eine weitere Möglichkeit der Instrumentierung in meiner Musik. Ich habe oft eine sehr visuelle Art meine Songs zu schreiben, mir kommen Orte, Farben, Charaktere und Klãnge die mich entweder zurück zu einer Erinnerung bringen oder mir eine ganz neue Geschichte für ein Lied geben. In meinen Musikproduktionen spielen sie daher einen wichtigen Teil, das Bild der Songgeschichte oder Emotion zu malen und die Hörer*innen tiefer eintauchen zu lassen.“

Wieder mehr im Einklang mit dem natürlich Rhythmus zu leben liegt gerade voll im Trend. Wie realistisch muss man diesen Umgang selbst einschätzen, ohne, dass es zu schnell zu einer Art “Überromantisierung” der Natur kommt? Natur kann ja auch schroff, düster und tödlich sein…

Broken Forest: „Dies ist wohl war, aber so kann auch die Stadt sein. In meinen Augen heißt ein Leben im Einklang der Natur nicht immer gleich abgeschieden von allem und jedem ein Leben zu führen. Es können oft auch schon die kleinsten Dinge im Leben sein, die einen großen Unterschied machen, wie dem Rhythmus der Natur aufmerksamer zu folgen (wann werden die Tage kürzer oder länger, wie verändern sich Bäume in der nahen Umgebung usw.), Jahresfeste zu feiern, dem Mondzyklus zu beobachten, sich saisonal ernähren, oder sich mit Pflanzen und Tieren in der Heimat auseinander zu setzen. Es gibt so viele Wege die Natur wieder in unser Leben zu lassen. Am Ende des Tages sollte natürlich jeder für sich herausfinden und entscheiden, inwieweit es für einen möglich oder wichtig ist und wie mit vielem im Leben, macht es oft eine gute Mischung. Es ist sicherlich eine große Aufgabe des modernen Menschen die richtige Balance zu finden zwischen Fortschritt und Natur.“

Besteht bei einer sehr nahen Bindung zur Natur nicht die Gefahr, dass die Bindung zur Gesellschaft verloren geht und daraus eine große Einsamkeit mündet?

Broken Forest: „Den größten Teil meines Lebens bisher habe ich in der Großstadt verbracht und gerade dort habe ich es oft erlebt, wie sich Leute umgeben von einer Vielzahl von Menschen unglaublich alleine und einsam fühlen. In meinen Augen ist die momentane moderne Gesellschaft, wie wir sie nennen nicht darauf ausgelegt in Gemeinschaften zu leben, die für einander da sind. Neben der Musik und Natur habe ich eine große Faszination für Mythologie, Folklore und Geschichte. Ich finde es interessant zu lernen, woran sich die Menschen vor hunderten und tausenden von Jahren gehalten haben. Man führte oft ein Leben abgestimmt auf die Zyklen der Natur und lebte in eng verbunden Gemeinschaften von verschiedenen Generationen die aufeinander acht gaben. Natürlich geht es mir nicht darum, dass wir wieder zu genau diesem Leben zurückkehren, aber ich glaube, dass uns viele Weisheiten von diesen Zeiten über die Jahre verloren gegangen bzw. in Vergessenheit geraten sind. Mehr Bewusstsein zu bringen im hier und jetzt zu leben, die Tage, Monate nicht so an uns vorbei rauschen zu lassen und Festlichkeiten zu feiern, die zusammen und einander näher bringen. Aber auf jeden Fall sehr interessant, dass ihr diese Frage stellt, denn es ist eines der Themen, die ich in meinem Debütalbum mehr im Detail aufgreifen werde.“

In welchem Song entdecken wir deiner Meinung nach einerseits dieses Rohe der Natur und durch welchen Song gleicht es sich zur Symbiose wieder aus?

Broken Forest: „Für mich trägt jeder Song der EP viele Facetten der Natur in sich, aber gerade in ‘Atlantic Winds’ stand für mich ein sehr mystischer und roher Sound und Text im Vordergrund. Dieser Song entstand an der Westküste Irlands, an einem sehr verregneten Tag, an dem die Wellen des Atlantischen Ozeans gegen die schroffen Klippen kämpften, der Wind peitschte einem nur so um die Ohren und man kehrte durchnässt zurück. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich das Gefühl hatte mein Leben geht in eine komplette Falsche Richtung, in der ich immer weniger von mir selbst erkannte und es waren gerade diesen harschen Verhältnisse und die Landschaft, abgeschieden von Menschen, die mir etwas Klarheit verschaffen konnte, in dem ganzen Gedanken Wirrwarr. Im Gegensatz dazu steht ‘Spirit of The Meadows’. Der Song träumt von der Leichtigkeit weiter Wiesen und der darüber tanzenden und singenden Feldlerchen. Es ist ein sehr sanftes und verspieltes Lied, erzählt durch die Augen der Feldlerche, welche man überall in den weiten Feldern Schottlands antrifft und es zelebriert für mich die kleinen Momente im Leben, die man nicht einfach so an sich vorbeiziehen lassen sollte.“

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