Die Split Seconds im Interview – Ohne Fans wären wir auf einem seltsamen selbstgerechten Ego-Trip

Die Split Seconds exklusiv im Interview 

Credit: Kane Hibberd

Credit: Kane Hibberd

Das Soundkartell hat exklusiv mit der fünfköpfigen Band Split Seconds gesprochen. Dabei erzählen sie woher sie kommen, wie es auf dem Oktoberfest war und warum die Musikszene in Australien sie auflebt. 

Auf die Fragen hat hauptsächlich der Sänger Sean geantwortet.

In Deutschland seid ihr ja noch recht unbekannt. Wer sind die Split Seconds? Könntet ihr Euch bitte kurz vorstellen? 

Wir, die Split Seconds sind ein fünfköpfiges Ensemble, ehemals aus Perth, Western Australia. Jetzt leben wir in Melbourne, Victoria. 

Wie wichtig ist bzw. wäre Euch Erfolg in Europa? 

Wir wären liebend gern in Europa schon etwas bekannter, aber wir haben vor mal nach Europa zu kommen, versprochen! An dieser Stelle ist das noch ein kleiner Traum. 

Letztes Jahr habt ihr mit „You Will Turn Into Me“ euer Debütalbum veröffentlicht. Könnet ihr bitte mal die zehn Tracks beschreiben, wonach klingt euer Album?

Unser Album ist eine Ansammlung von Tracks, die durch unser Leben in Perth über all die Jahre frei entstanden sind. Im Grunde genommen geht es um unsere Erwartungen, denen wir in unsrem alltäglichen Leben konfrontiert werden. 

Welche Einflüsse hören wir dabei heraus?

Wir werden von allerlei Musik beeinflusst. Britische Bands wie Blur oder Supergrass oder amerikanische Bands wie The Walkmen oder Spoon mögen wir zum Beispiel wirklich gerne. Aber wir sind eben auch waschechte Australier, also fahren wir auch auf die Sachen von Paul Kelly und The Triffids ab. 

Die nächste Frage muss kommen: Gibt es eine Geschichte oder einen Hintergrund für euren Bandnamen?

Nein, nicht wirklich. Das ist einfach eine nette Formulierung oder Phrase. 

Welche Geschichte steckt hinter dem Track „Top Floor“? 

Top Floor wurde geschrieben, als Ich (Sean) vor ein paar Jahren in London war. Damals nahm ich einen Doppeldecker-Bus nach Hause und begegnete auf der obersten Etage des Busses einem überaus freundlichem Pärchen, das in London Urlaub machte. Ich dachte mir, es sei eine Schande all die tollen Sehenswürdigkeiten unbeachtet zu lassen. Das war eine tolle Nacht damals in London.

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 „Australien ist wirklich ein außerordentlich großes und offenes Land. Es bietet somit vielen vollkommen autonomen und unabhängigen Musikszenen ausreichend Platz. Natürlich kommunizieren diese Szenen auch untereinander, aber hauptsächlich agieren sie davon unabhängig. Das ermöglicht vielen großartigen Bands und Musikern einen großen Freiraum. Wir haben hier eine Menge Platz für jedermanns Musik.“

 

 

Welchen „Oliver“ meint ihr im gleichnamigen Track? Dieser Oliver taucht des öfteren in euren Texten auf…wer ist er? Keiner von euch heißt Oliver! Ist Oliver einfach nur erfunden? 

Yeah, er ist schlichtweg eine Erfindung! Je länger ich an den Texten und den Aufnahmen saß, desto mehr begriff ich, wie sehr sie sogenannte „Story-Songs“ wurden. Also dachte ich mir, es wäre besser sie zusammenzubinden und gaben dem jungen Mann einfach einen Namen. Aus irgendeinem Grund tauchte dabei der Name Oliver in unseren Köpfen auf. 

Gibt es dort also eine spezielle Verbindung zum Titel des Albums? 

Der geht auf den Gegenstand der „Erwartung“ zurück – Jeder von uns muss sich in etwas verwandeln. 

Credit: Daniel James Grant

Credit: Daniel James Grant

Um was geht es konkret in Eurem Track „She Makes Her Own Clothes“? 

Dieser Track geht auf ein Unwetter zurück, welches vor Jahren Perth heimsuchte. Das war damals ein massiver Hagel-Sturm – Er war von ungesehener Stärke. Ich nahm damals einen Bus nach Hause und sah auf dem Weg eine Prostituierte, die mitten bei dem Wetter ihrer Arbeit nachging. Sie tat mir ungehörig leid – und so versuchte ich ihre sehr unangenehme Situation und ihre Arbeit bei dem Unwetter im Song und somit in den Texten darzustellen. 

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Würdet ihr der These zustimmen, dass Australien immer mehr zum „neuen Großbritannien“ der heutigen Musikszene wird? 

Von dieser These habe ich noch absolut nichts gehört, aber ich bin mir sicher, dass wir das Zeug dazu haben! Australien ist wirklich ein außerordentlich großes und offenes Land. Es bietet somit vielen vollkommen autonomen und unabhängigen Musikszenen ausreichend Platz. Natürlich kommunizieren diese Szenen auch untereinander, aber hauptsächlich agieren sie davon unabhängig. Das ermöglicht vielen großartigen Bands und Musikern einen großen Freiraum. Wir haben hier eine Menge Platz für jedermanns Musik – Vielleicht gibt es deshalb diese These. 

Inwiefern ist euer Sound der typische Indie-Pop Sound? Was zeichnet euren Sound insbesondere aus, was ist DER Split Seconds Sound? 

Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht! Wir versuchen natürlich einigermaßen abwechslungsreich zu klingen – aber um ehrlich zu sein: Wenn wir wüssten wie der Sound genau ginge, würden wir den ja die ganze Zeit so produzieren. 

Wie läuft euer typischer Songwriting-Prozess ab? Gibt es dort spezielle Rituale?

Yeah, normalerweise versuche ich mich dabei komplett zu isolieren und konzentriere mich dabei einzig und allein auf das Songwriting. Ich lasse mich wirklich richtig leicht ablenken. Zwangsläufig bin ich also immer alleine, wenn ich an neuem Material arbeite. 

Können wir von euch in den nächsten Monaten Konzerte in Deutschland erwarten?

Oh man, wir hoffen es doch! Vielleicht nicht in den nächsten Monaten, aber wir hoffen dann doch sehr bald dort spielen zu können! 

Ihr Australier zählt mitunter zu der Gruppe, die am häufigsten das Oktoberfest besucht. Wart ihr schon mal da? 

Yeah, vor ein paar Jahren war ich mal dort. Unser Gitarrist Rhys war auch schon mal da. Ich habe damals in einem kurzen Zeitraum so viel Bier getrunken, dass man mich schon um vier Uhr am Nachmittag in Bett bringen musste! Die restlichen Tage meines Urlaubs verbrachte ich dann hauptsächlich bei den Fahrgelegenheiten. Eine gute Zeit war das. 

Welches ist das größte Klischee, das ihr von den Deutschen habt? 

Freundchen, wir Australier machen uns absolut nichts aus Klischees! 

Was ist das größte Laster, das ihr habt?

Bier und vietnamesisches Essen!

 

„Ohne Fans wäre man – denke ich – auf einem seltsamen selbstgerechten Ego-Trip unterwegs.“

 

Habt ihr mit eurem Debüt schon so viel Geld verdient, dass ihr davon leben könntet? 

Also ich kann es heute noch nicht.

Worauf freut ihr euch im Jahr 2013 am meisten? Was sind eure Pläne als Band? 

Wir stehen kurz davor, wieder neues Material aufzunehmen, was wirklich außerordentlich spannend ist. Wir haben mittlerweile wieder wirklich viele neue Songs und wir hoffen natürlich so viele Gigs wir möglich spielen zu können. Es gibt für uns nichts besseres als live zu spielen! 

Wie wichtig sind für euch echte Fans? 

Super wichtig! Fans sind mitunter das Wichtigste für uns. Ohne Fans wäre man – denke ich – auf einem seltsamen selbstgerechten Ego-Trip unterwegs. 

Wie muss man sich eine Live-Show von euch vorstellen? Was macht diese so speziell? 

Wir wollen dabei so energiegeladen wir möglich sein. Ohne Rückwärtssalto natürlich. Daran arbeiten wir aber noch (lacht).

Für euch als Band: Welches ist euer größtes Idol und welcher ist euer größter Einfluss?

Unsre persönlichen Idole sind meistens Cricket und Football-Spieler, aber die Band von der wir wohl am stärksten beeinflusst wurden sind Spoon. Sie klingen zumindest nicht so, als ob sie sich zu viel Mühe geben würden.

Was hört ihr aktuell privat? 

Ich höre im Moment die neue Platte von Nick Cave. 

Stellt euch vor ihr seid als Band allein auf einer Insel und euer iPod hätte nur noch Batterie für einen Song. Welcher wäre das? 

Dance Wiv Me – Dizzy Rascal and Calvin Harris.

 

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