Das Nebenprogramm auf Festivals

Heute schon genetworked? – Das Nebenprogramm auf Festivals

Heute schon genetworked? Fotocredit: Alexander Baxevanis

Heute schon genetworked? Fotocredit: Alexander Baxevanis

Auf Festivals geht es nicht mehr nur um Live-Musik, sondern auch um`s Networken und Kontakte knüpfen. Warum kann ein Festival nicht mehr nur ein Festival sein?

Das Musikbusiness ist schon so ein verrückter Haufen. Jeder kennt gefühlt jeden und man muss jeden kennen, damit man überhaupt jemand sein kann. Tja ja, das ist das Musikbusiness. Könnten wir sagen. Doch das Musikbusiness hat in den letzten Jahren ein wirklich interessantes Prinzip populär gemacht: Das Netzwerken.
Es ist ein Phänomen welch großen Stellenwert das Networken auf Festivals hierzulande in Deutschland mittlerweile hat. Nehmen wir das zum Beispiel das Reeperbahn Festival. Dieses Jahr feiert das Festival 10 Jähriges Bestehen. Nur logisch, dass dann auch ein außergewöhnliches Programm auf die Beine gestellt werden muss.

Es geht schließlich nicht mehr nur darum die zu befriedigen, die an diesen vier Tagen Festival gute Musik genießen möchten. Die gibt es ja Gott sei Dank auch weiterhin noch. Denn die Musik ist weiterhin der Bestandteil warum ein Festival organisiert wird. Soweit logisch.
Doch klicken wir uns auf die Homepage des Reeperbahn Festivals sehen wir direkt unterhalb des Reiters “Festival” den zweiten Reiter “Konferenz”. Der zweitwichtigste Bestandteil ist somit die Konferenz. Sie ist der kreative Input. Sie ist aber gleichzeitg auch der Inbegriff des Treffpunkt aller derer im Musikbusiness arbeiten. Heiß hier sollen sich Labels, Agenturen, Booker, Bandmanager, Blogger oder aber auch Journalisten treffen und sich vernetzen. Doch nicht nur: Mittlerweile kann man sogar als “normaler Festivalbesucher” ein Ticket für die Konferenz erwerben.

Auf der Homepage steht:

“Das Reeperbahn Festival ist Europas B2B Plattform für die Musik- und digitale Kreativwirtschaft”.

Sie bietet 170 Sessions, Networking-Events, Matchmakings, Showcases, Meetings und Award-Shows. Puh. Eine ganz schön lange Liste an Events. 3.500 sogenannte Fachbesucher werden auch in diesem Jahr wieder erwartet. In den Sessions zum Beispiel finden Diskussionen, Keynotes, Talks, Panels, Präsentationen und Workshops statt. Natürlich werden da dann als Referenten nur die Crème de la Crème des Musikbusiness eingeladen.
Das Reeperbahn Festival hat sich in den letzten Jahren sowieso als DAS Showcase-Festival etabliert. Wer was im Business auf sich hält muss die vier Tage in Hamburg direkt auf der Reeperbahn verbringen.

[Kurze Randnotitz: Ein Showcase Festival ist ein Festival bei dem sich neue und unbekannte Bands ebenso wie bekannte Künstler wie in einem “Schaukasten (engl. Showcase) dem Publikum präsentieren. Meistens steckt da dann ein Label dahinter, das ein Showcase für mehrere Bands ihres Labels organisiert.]

Hier kannst du fast eine Woche lang networken: Das Reeperbahn Festival; Fotocredit: Nina Zimmermann

Hier kannst du fast eine Woche lang networken: Das Reeperbahn Festival; Fotocredit: Nina Zimmermann

Face to Face Kontakte sind wichtig!

Anfang Mai fand in Aarhus das Spot Festival statt. Auch das ist ein Showcase Festival. Als wir vor einigen Wochen auf dem Spot Festival in Aarhus waren gab es da eine Neuerung im Programm und der Verortung für alle Delegierten des Festivals. Ab sofort gab es mit der Spot + Area eine zentrale Location auf dem Festival an dem nun offiziell das Networking stattfand. Heißt wenn Agenturen wie Believe Digital zum Brunch eingeladen haben, bestand hier die Möglichkeit mit allerhand Persönlichkeiten und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Doch es soll nicht nur beim Gespräch bleiben. Es soll daraus ein Geschäft werden. Ein fester Kontakt. Dazu sind diese sogenannten “Networking-Areas” ja schließlich da.

Diese Art von Kontaktaufnahme wird in heutiger Zeit immer wichtiger. Bedenken wir, dass wir heute oftmals nur noch eben schnell eine Nachricht auf Facebook, Twitter, WhatsApp oder eine E-Mail schreiben. Da ist es wichtig, dass man sich mal von Angesicht zu Angesicht begegnet. Dass wir wissen mit wem wir es da denn seit Jahren zu tun haben. Eine komische Situation, können wir hier vorab schon mal sagen.

Die Musikbranche wächst und somit auch die Anzahl der vermeintlichen Experten und Professionellen. Heißt der Bedarf an Networking-Veranstaltungen ist definitiv da. Die Veranstaltungen sind wie auf dem Spot Festival sehr gut besucht und werden auch äußerst gut angenommen.

Kleines Zwischenfazit bis hierher:

Die Konferenzen wie die auf dem Reeperbahn Festival oder aber auch die Veranstaltungen wie auf dem Spot Festival sind nicht nur einfach eine Nebensache. Auf Showcase-Festivals geht es eben nicht nur noch einfach um die Musik. Es geht schon eher um Entwicklungen, Trends und neue unbekannte Bands. Es geht um einen Austausch. Dieser Austausch soll in der realen Welt stattfinden.

Wären wir bei einer Band und hätten einen Manager…

Also angenommen ich bin jetzt mit meiner supertollen Band bei dem Festival XY am Start. Und habe einen Manager, der das mehr so in der Freizeit für uns macht. Welch großes Glück könnte uns da jetzt in einer solchen Networking-Area treffen?

“Wenn Manager X für seine Band beispielsweise eine neue Promoagentur sucht, kann man auf Networking-Veranstaltungen natürlich die ersten Kontakte knüpfen. Wenn alles gut geht, bekommt man Kontakt zu Leuten aus der Branche, die man so (per Mail o.ä.) vielleicht nie erreicht hätte.” – Katharina Lange (PR Manager bei Factory 92)

 

Das klingt an sich ja nach einer guten Sache. Da hätte das Networken dann tatsächlich auch seinen Zweck erfüllt. Wir resümieren deshalb so blöd, weil sich uns nach mehreren Festivals mit unzähligen Panels, Workshops, Keynotes und und und der Eindruck aufgedrungen hat, dass man nach solchen Veranstaltungen meistens eben nicht schlauer ist, als wir es vorher waren. Da wird oft und viel um den heißen Brei geredet. Und am Ende kommt nicht viel dabei rum. Klar sind die Vorträge interessant. Aber was bekomme ich denn danach in die Hand? Welchen inhaltlichen Input darf ich mir denn zum Beispiel von Vorträgen erwarten die sich “Music & Branding 1: Keynote” oder “So You Wanna Break It Big In Germany?” nennen?
Klar, das klingt auf den ersten Eindruck super spannend und exklusiv. Aber meistens sitzt du da dann in einer großen Reihe von Stühlen, mehrere Supervisors sprechen dann dort vorne eben zum Beispiel über das Thema, was es dazu braucht, dass internationale Bands den Sprung nach Deutschland schaffen. Und jetzt? “Aha.” Dachten wir uns beim Spot Festival. Es gibt doch kein Patentrezept für Bands aus dem Ausland, wie sie hier bei uns in Deutschland mit Garantie bekannt werden!

Das Spot Festival lädt zum Networken ein: Brunch von Hearbeats in der Voxhall

Das Spot Festival lädt zum Networken ein: Brunch von Hearbeats in der Voxhall

Klar ist uns, dass das Networking enorm wichtig ist. Es ist immer auch eine Frage der Perspektive. Ich bin dort mit meiner Redakteurin Alina wegen meines Musikblogs hingefahren. Heißt mich hat vor allem eben die Musik interessiert und wir haben so gesehen auch “genetworked”. Wir haben ir uns mit einigen Bands getroffen, mit denen wir bereits E-Mail Kontakt hatten und uns jetzt endlich das erste Mal Face to Face gegenüber standen. Ein tolles Gefühl!

Von den Konferenzen haben wir dieses Jahr nicht viel mitbekommen. Was einerseits natürlich schade ist. Aber sie haben uns thematisch eben auch nicht so angesprochen. Wichtiger war uns die Musik. Das eigentliche Grundgerüst des Showcase Festivals.

Ok. Also nochmal kurz als Fazit: Das Networking, die Showcases, die Konferenzen, Workshops, Panels und überhaupt das Meet & Greet auf Festivals ist mittlerweile unverzichtbar. Das ist ganz klar ein Trend und vor allem einer, der sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Der aber wie Katharina uns erklärt, nicht ein “Must-Have” auf Festivals im Allgemeinen ist.

Was machen bayerische Festivals?

Zumindest setzen die Festival-Planer in Hamburg mit dem Reeperbahn Festival und auch die Dänen, die damit jetzt gleichziehen wollen diesen Trend. Da stellt sich uns doch die Frage wie das in unserer Heimat, in Bayern aussieht?

Die Frage ist berechtigt, da es in Bayern zwar schon auch viele Festivals gibt, die aber outdoor, also mit Schlamm, Regen, Sonnenbrand und allen Wehwehchen stattfinden. Indoor Festivals sind uns bisher nur mit dem Nürnberg Pop Festival und dem Modular Festival in Augsburg bekannt. Das Nürnberg Pop gilt sogar als das zweit wichtigste Stadt-Festival Deutschlands. Aber beim Nürnberg Pop gibt es auch in diesem Jahr kein Konferenz-Programm. Keine offiziellen Networking-Areas oder Workshops.

Ganz anders hingegen als auf dem Modular Festival. Das Festival (findet vom 04. bis 06. Juni) statt setzt auf zwei zusätzliche Bausteine: Den Programmpunkt “Kunst und Kultur” und auch auf das Programm der Workshops. Innerhalb der beiden Programmpunkte wird zum Beispiel der Pop-Preis verliehen. Viel Spannung und Redebedarf verspricht die Diskussion “WE ARE THE NIGHT! AUGSBURG UND EINE CLUBKOMMISSION?”. Dieser Punkt im Programm scheint uns einleuchtend. Das betrifft so ziemlich alle. Bands und Künstler, Clubbesitzer, die Stadt und den Rest aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Das betrifft vor allem auch die Stadt. Das Thema “Clubkultur” sticht auf dem Modular Festival sowieso stark hervor.

Bei den Workshops wird viel gejammed und vor allem pädagogisch viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Nicht umsonst trägt das Festival den Namen “Das Jugend- und Popkulturfestival”.
Vergleichbar ist das Modular Festival mit den anderen beiden Festivals wie dem Spot Festival oder dem Reeperbahn Festival natürlich nicht. Deshalb gibt es ja die Trennung “Showcase-Festival”. Die Parallele liegt vielmehr darin, neben dem normalen Musikprogramm auch noch ein Programm zu bieten, dass nochmal ein erweitertes Publikum auf das Festival zieht. Aber auch den Veranstaltern des Modular Festivals ist klar, dass das Nebenprogramm zusätzlich zu einem Festival ein klarer Trend ist. Das liegt ihrer Meinung nach daran, dass ein solches Programm eine Plattform schafft. Eine Plattform um sich auszutauschen. Ganz egal ob man jetzt Booker, Tontechniker, Bandmanager oder einer der Workshopleiter auf dem Modular Festival ist.
Wir müssen an dieser Stelle aber auch sagen, dass das Modular einen ganz anderen Auftraggeber hat. Bezuschusst wird das Festival nämlich von der Stadt. Und da stand wie Heidi Hofstetter die Vorsitzende vom Stadtjugendring-Augsburg erklärt, die Jugend- und Popkultur ganz klar im Vordergrund. Heißt die Macher sagen ganz klar: Es gibt als nur Musik. Es gibt die Kunst und eben die Kultur. Und dann sind da eben noch die Tontechnier zum Beispiel.
Das Modular Festival hat ganz klar einen anderen Fokus und so werden im Grunde auch andere Workshops angeboten als im Vergleich zum Reeperbahn Festival oder dem Spot Festival. Es geht hier also nicht so sehr um`s Networken, sondern vielmehr um die Musik, die Newcomer, die Region Augsburg und auch darum ein Vorbild für andere Städte zu sein. Ihnen sagen und zeigen zu können: Seht her, hier funktioniert die Förderung von Pop- und Jugendkultur. Wir haben ein lautes, jugendliches Festival, das natürlich auch Müll und Lärm produziert. Aber die Stadt zieht mit. Das Modular ist fest in das Stadtleben und die Kultur dort integriert. So geht das. Und da muss man dann nicht extra des Networkens Willens hinfahren um neue Kontakte zu knüpfen. Die entstehen auch so und es gibt sogar auch dieses Jahr wie mit Bumbu, Wunderwelt, NoSpam oder Blindspot einige Newcomer auf dem Festival, die ihr so wohl gar nicht auf dem Schirm gehabt hättet.

Ein letztes Wort.

Fakt ist, dass egal ob Showcase-Festival oder ein “normalo” Festival wie das Modular Festival: Der Trend während eines Festivals noch ein Nebenprogramm zum Networken, mit Workshops, Panels und weiß der Geier, ist wahnsinnig beliebt. Er ist im vollen Gange und wird die Festivalprogramme noch weiter beeinflussen. Ganz egal, ob du zum Brunch auf dem Festival eingeladen bist und ein paar Manager und Labelvertreter sprichst. Oder eben ganz entspannt Open Air dein Bierchen mitten in der Stadt Ausgburg schlürfst. Festivals machen einfach Bock und wir dürfen uns gerne auch mal für 3-4 Tage wichtig fühlen. Digitale Festivals oder Festival Facebook-Events gibt es nämlich Gott sei Dank noch nicht und so kommen wir schön Face to Face in Kontakt mit jedem. Versprich dir aber bitte nicht zu viel von den super tollen Rahmenprogrammen. Außer du bist halt wirklich mal ein Labelmanager, Manager einer Band oder eben einfach ein wichtiger Mensch in der Musikbranche. Dann gehörst du zum bunten Haufen.

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