Chakuza

Albumreview zu „Exit“ – Eine klare Absage an Berlin

Das neue Chakuza - Album "Exit" in der Kritik; Credit: Mirjam Wählen

Das neue Chakuza – Album „Exit“ in der Kritik; Credit: Mirjam Wählen

An diesem Freitag erscheint mit “Exit” das neue Album des Österreicher Rapper Chakuza.  Es ist in gewisser Weise ein deutliches Statement an seine bisherige Heimatstadt Berlin. Wie es sich in die Alben anderer Deutsch-Rapper einreiht, erfahrt ihr hier beim Soundkartell

Rap ist salonfähig geworden. Vor noch nicht genau einem Jahr erschien das neue Album des Österreicher Rappers Gerard. Nun tut es ihm sein Kollege aus Linz, der schon länger in Berlin wohnt, gleich. Das neue Album von Chakuza ist seit heute in den Plattenläden erhältlich und erscheint bei Fourmusic.

Rap hat sich vor allen Dingen aber auch selbst verändert. Ging es Chakuza trotz seines letzten Albums persönlich nicht sonderlich gut, so ist “Exit” nun ein größerer trotziger Ruf danach, dass sein Rap-Ding weiterhin so durchzuziehen. So ist der neue Release ja nicht sein erstes Album und Berlin kennt er nun auch schon seit einigen Jahren.

Mit “Magnolia” ging es ihm vornehmlich darum, sich um zu orientieren. Es sollte identitätsstiftend sein. Dieser Schritt gelang ihm sehr gut und nun steht er da mit seiner neuen Platte und wir stellen uns die Frage, wie überstrapaziert ist Deutsch-Rap im Jahr 2014 noch? Brauchen wir noch eine weitere Platte, bei der es in den Texten um den Zeitgeist unserer Verfehlungen, schlechte Facebookfreunde und Lebenslügen geht?

Wir denken “Exit” ist der beste Beweis dafür, dass es gerade Songs wie “Off”, der Titelsong selbst, “Roofer” oder gar “Dunkel-Hell” sind, die wir gerade jetzt brauchen, um die Rap-Fahnen hochzuhalten.
Die Vocals sind so wie zuvor auch schon sehr angenehm kratzig und deep zugleich. Die Beats tragen absolut keinen Glamour oder etwas anderes Dekadentes auf.

Mit "Exit" nimmt Chakuza auch Abschied aus Berlin; Credit: Mirjam Wählen

Mit „Exit“ nimmt Chakuza auch Abschied aus Berlin; Credit: Mirjam Wählen

So selbstverständlich ist das nach einem so erfolgreichen Vorgänger-Album nicht. Und vor allem auch nicht, dass die Titel runtergehen wie Öl. Die Texte sind keineswegs holprig und überhaupt, leben die Songs von Chakuza davon, dass er ihnen geradezu Leben verliehen hat. Sie atmen und breiten sich großflächig aus.

Dabei lief es bei ihm nicht gerade rosig. Das Songwriting verlief überaus schwierig und selbst ein erster Rückzug in ein Künstlerhaus nach Holland verschaffte ihm nicht den erhofften Befreiungsschlag. Erst, als er selbst erkannte, dass es im Grunde zunächst einmal egal ist, für wen er die neuen Tracks schreibt, sollte es klappen.

Die Texte sind allesamt sehr emotional, melancholisch aufgeladen und es warten auch keine zahlreichen Kooperationen mit anderen Rappern auf. Chakuza und “Exit”, das ist ein Album, das nur ihm gehört. Wir merken, dass er jeden einzelnen Song in sein Herz schließt und auch thematisch nörgelt er über alltägliche, kleine Probleme. Fast erscheint der Eindruck, dass er auch damit nicht zu 100% zufrieden ist. Doch gerade das ist es, was auch Titel wie “1000 Dinge” zu einem überaus guten Song machen.

Chakuza hat für sein neues Album wohl selbst zu viel von sich verlangt. Kein Wunder, bei all der Flut an deutschsprachigem Pop, HipHop oder Rap läuft man als Künstler immer Gefahr in der befürchteten Bedeutungslosigkeit zu landen, wenn man nicht liefert.
Das hat er ohne Zweifel geschafft. Denn “Exit” ist ein durchweg gutes und vor allen Dingen angenehmes Rap-Album, das ohne Getöse auskommt. Auch wenn die Story um den Künstler natürlich immer auch so ist, wie sie passt und konstruiert wird: Chakuza hat eben eine Story, die andere nicht zu bieten haben.

Natürlich wird er sich auch in absehbarer Zeit wieder nach einem neuen Album fragen lassen müssen. Doch dann hat er wenigstens die Ruhe für sich, denn für ihn geht es jetzt raus aus Berlin und nach Bayern auf`s Land. Wenn das mal keine Ansage an die gestresste urbane Bevölkerung ist.

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