Jan Böhmermann: Robin Hood der Musik?

Der Hüter des guten Geschmacks – braucht die Musik einen Jan Böhmermann?

Das Thema beim Soundkartell - Böhmermann; Artwork: Wolfgang Baustian

Das Thema beim Soundkartell – Böhmermann; Artwork: Wolfgang Baustian

Ist Jan Böhmermann der Robin Hood der Musik?

Ich bin da jetzt mal ganz ehrlich: ich war noch nie ein Freund von diesen knallharten Satirikern vom Schlage eines Stefan Raab (was für ein Wortspiel) oder Jan Böhmermann. Ich stehe dem Humor „sich auf Kosten anderer“ zu amüsieren sehr gespalten gegenüber.

Nun hat es sich aktuell aber Herr Böhmermann anscheinend auf die Fahnen geschrieben, der Gralshüter des guten Musikgeschmacks zu sein. Mit Kritik gegenüber der vom Kommerz ausgepressten Musikbranche oder falscher Ethik in Verbindung mit Musik habe ich auch kein Problem. Allerdings mit dem Niveau sowie dem Hintergrund der verbalen Auseinandersetzung.

Denn eines darf man bei Menschen wie Jan Böhmermann nicht vergessen: sie selbst sind ebenfalls purer Kommerz und generieren ihre Einschaltquoten von der Aufmerksamkeit ihrer Aktionen. Jan Böhmermann ist ja nicht auf einmal der Robin Hood der vielen fleißigen Independent-Musiker. Er muss sich selbst ständig neu erfinden und im Mittelpunkt des Interesses bleiben – und das mit allen Mitteln, denn das Klischee will halt gefüttert sein.

Darüber hinaus sollte auch der Sinn einer Kritik stets hinterfragt werden, welche Ideen oder Lösungen diese überhaupt anbietet. Denn ohne die macht eine Kritik eigentlich gar keinen Sinn. Natürlich kann sich jeder hinstellen und sagen, dass er dieses oder jenes einfach nur für großen Mist hält. Aber konstruktiv (und besonders intelligent) ist das nun wirklich nicht.

Und letztendlich finde ich es auch nicht sehr verantwortungsvoll und vorbildlich, auf der Art und Weise seinen Marktwert zu steigern. In unserer Gesellschaft wird schon genug hirnloses Zeug vertrieben und gerne willkürlich der verbale Stinkefinger gezeigt. Gerade da sollte eine Person, die im Moment um so mehr im Rampenlicht steht, auf die Wirkung seines Handelns achten.

Ich habe nichts gegen Satire und sie darf auch gerne bissig sein. Und ich mag es Dinge beim Namen zu nennen. Beides läßt sich bestimmt auch bestens miteinander vereinbaren. Aber es gibt Satiriker, die dieses Genre eindeutig authentischer vermitteln, als die Jan Böhmermann dieser Welt. Ich zu mindestens möchte mir einen Jan Böhmermann nicht vor dem Karren meines Musikgeschmack binden lassen. Das bin ich mir und dem Soundkartell schuldig.

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