Interview: Kazy Lambist

Doing Yoga, tous les jours. Im Plausch mit Kazy Lambist.

Kazy Lambist im Interview von Nele

Kazy Lambist im Interview von Nele

Anlässlich der grauen und alles andere als fröhlichen Jahreszeit wollen wir Euch den heutigen tristen Dienstag mit unserem bisher verheimlichten Liebingsfranzosen ein wenig süßer gestalten! Dieser bringt nämlich genau die richtigen Sommer, Sonne, Sonnenschein Vibes in Euer Wohnzimmer, die Euch aufgrund zugezogener Vorhänge, Omas Stricksocken und Bodenfrost fehlen: Vorhänge auf für Kazy Lambist! 

Hach ja, die Franzosen und ihr Frankreich… Als wäre alles Zuckerwatte weich in einer Wolke aus Liebe verpackt. Das passiert, wenn ich an Frankreich denke. Ein himmlisch süßes Akkordeon pfeift mir durch die Öhrchen, ich befinde mich in einer engen gepflasterten Seitenstraße, überall hohe Altbauten, der Blick schweift zum Eiffelturm. Vor mir eine heiße Tasse Kaffee und das vermutlich beste Schokocroissant, das ich je essen werde, hmm. Aber genug mit all den Klischees! Neben Schokolade, Parfum und Liebe können die Franzosen vor allem eins: butterweichen, smoothen Indie Elektro Pop. Mit anderen Worten: einige meiner momentanen musikalischen Lieblinge wurden genau dort kreiert und versprühen genau diesen Esprit! „Tous les jours“, ein Song, der alles zuvor benannte in einem Päckchen verpackt! Ein wenig aufreizend, keck, süß, gefährlich und dabei absolut tanzbar. Ein Werk Kazy Lambists, den wir vor einiger Zeit vor der Nase sitzen hatten, ein Wunderkind, der sich mit viel Geschick und Hartnäckigkeit in die Herzen seiner Fans gebohrt hat und dies zudem sehr bodenständig und sympathisch! Lernt den Guten nun ein wenig näher kennen! Oh, und eigentlich heißt er Arthur…

Nele: Du bist in Montpellier geboren, aufgewachsen und wohnst jetzt immer noch dort – was fasziniert Dich so an dieser Stadt?

Arthur: Ich meine, ich bin oft genug unterwegs, oft in Paris… Ich mag es, zurück nach Montpellier zu kommen, da all meine Freunde, meine Freundin und meine Familie dort sind! Zudem ist es sehr gediegen und langsam. Es ist nicht so schnelllebig wie Frankreich.

Nele: Also bevorzugst Du die ruhigen Städte?

Arthur: Ja, um Dinge zu kreieren, bevorzuge ich es, draußen in der Natur oder zumindest außerhalb des ganzen Trubels zu sein.

Nele: Hast Du jemals vor, aus Montpellier wegzuziehen?

Arthur: Puh, also momentan nicht! Bzw. werde ich zwar umziehen, aber nicht weit weg von Montpellier… Momentan ist das okay, da wir ohnehin viel reisen. Mir reicht das. 

Nele: Wie bist Du zur Musik gekommen bzw. wie hat das alles angefangen?

Arthur: Als ich ein Kind war, habe ich mit dem klassischen Piano angefangen und hab‘ dann in einer Rockband und danach wiederum in einer Jazz Band gespielt, als ich ein Teenager war. Irgendwann fing ich dann an, zuhause am Computer selbst Musik zu machen und veröffentlichte sie irgendwann im Internet… Das hat ganz schön lange gedauert, weil ich wirklich schlecht im Umgang mit den sozialen Medien bin, haha. Man fand dann einige Sachen von mir zum Beispiel auf SoundCloud! Eines Tages habe ich ein Radio in Frankreich angerufen, das ich sehr gerne mag, nämlich Radio Nova. Die meinten dann, dass das so nicht funktionieren würde und ich sie nicht einfach anrufen könnte. Aber aus irgendeinem Grund wollten sie es sich doch anhören. Eine Woche später wiederum riefen sie mich an und sagten ja, sie würden meinen Song spielen! Und sie spielten ihn fast jeden Tag. So begann das alles, das war unglaublich.

Nele: Was hat Dich dazu veranlasst zu sagen, dass du selbst Musik machen möchtest?

Arthur: Am Anfang war es wirklich nur für mich, ich hab‘ Musik ausschließlich für mich gemacht. Ich mochte es, mich nach der Schule an meine Software zu setzen, Sachen auszuprobieren und einige Sachen aufzunehmen. Ich weiß nicht, ich würde nicht sagen, dass es eine Art Berufung gewesen ist, ich habe wirkich nur aus Spaß Musik gemacht und als es anfing bzw. Menschen anfingen, mir zu sagen, dass ich Konzerte spielen und Verträge unterschreiben solle, dachte ich okay, let´s go. Vorher habe ich nie darüber nachgedacht. Ich wollte immer Flugzeugpilot werden, haha.

Nele: Wo hast du Dich selbst noch vor drei Jahren gesehen?

Arthur: Drei Jahre zuvor habe ich meinen Vertrag unterschrieben, also ich wusste, dass ich zukünftig Musik machen würde… In den nächsten drei Jahren werde ich ein anderes Album machen müssen und ich hoffe, dass es ein gutes werden wird und das ist alles, haha. Ich weiß nicht, ich kann mir das nicht wirklich ausmalen, ich kann nicht wirklich die Verträge brechen, also muss ich sowieso machen, was ich gerade mache. Vermutlich werde ich in 10 Jahren Musik für andere Menschen machen, Instrumentals für Sänger zum Beispiel, das wäre sehr spannend. 

Nele: Setzt Du Dich selbst unter Druck?

Arthur: Nein, das habe ich beim ersten Album gemacht, aber ich glaube, beim Zweiten wird es okay sein. Ich denke, bei dem ersten Album hatte ich ein wenig Angst, jeden zu enttäuschen und ich meine, jetzt ist es mir egal, weil ich bereits ein Album gemacht habe… Bei dem Zweiten möchte ich wirklich nur das machen, was ich machen möchte und das ist das Wichtigste für mich.

Nele: Inwieweit hast Du Dich während der letzten drei Jahre – seit du den Vertrag unterschrieben hast – musikalisch weiterentwickelt?

Arthur: Uff, das ist schwierig zu sagen, weil ich – was den kreativen Teil angeht – nicht sagen kann, ob ich mich weiterentwickelt habe… Aber ich weiß jetzt mehr über den technischen Kram, ich weiß jetzt besser, wie man die Kreativität in etwas transformiert, dass man sich dann auch anhören kann, haha. Mittlerweile treffe ich Menschen im Studio und arbeite dort mit ihnen an Songs. Davor habe ich alles in meinem Schlafzimmer gemacht und nun gehe ich in große Studios in Paris und treffe echte Sound Engineers. Das ist alles unheimlich spannend. Jetzt weiß ich, was es braucht, um einen guten Song zu machen. Davor habe ich Sachen gemacht und wusste nicht so wirklich, was ich da mache. Ich meine, jetzt kann ich mehr machen… Davor habe ich nur Songs ohne ein bestimmtes Ziel gemacht und jetzt kann ich gewisse Ziele anlaufen, präziser arbeiten, da ich das technische Wissen habe. Auch hinsichtlich der Konzerte habe ich mich weiterentwickelt. Wir haben viele Shows gespielt und am Anfang war ich sehr ängstlich und wollte nicht auf die Bühne gehen. Jetzt fange ich an, das zu mögen.

Seit einigen Jahren tritt er nun schon unter dem Namen Kazy Lambist auf. Künstler wie Bonobo und Serge Gasbourg haben ihn seit frühster Kindheit inspiriert und ihn auf seinem bisher eingeschlagenen Weg begleitet! Er hört viel Jazz Musik, aber auch Rap, viele unterschiedliche Sachen, aber hauptsächlich immer elektronische, französisch angehauchte Sachen, wie in etwa Daft Punk oder Sébastien Tellier. Fun Fact: Wenn er sich aussuchen könnte, mit einem Künstler seiner Wahl zusammenarbeiten zu können, würde er Kanye West präferieren! Nicht etwa, weil er diesen mag, nein. Er ist sich sicher, dass es wirklich interessant sein könnte, mit diesem zusammenzuarbeiten, da er ein wirklich kreativer Art Director ist.

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Nele: Wenn Du nur noch einen einzigen Song den Rest deines Lebens hören könntest, welcher wäre das?

Arthur: Uff, den würde ich am Ende ganz, ganz sicher hassen, haha… Es gibt da einen Song von Metronomy, den ich sehr mag, und er heißt „This could be beautiful“! Es ist ein älterer Song und manchmal zeige ich ihn Freunden und diese reagieren mit „euh, ich weiß nicht“. Aber ich finde ihn sehr toll und habe ihn bereits tausende Male gehört.

Nele: Was ist Dein größter Wunsch?

Arthur: Etwas tun zu können, das ich wirklich mag! Vielleicht wird es in 10 Jahren anders sein, vielleicht werde ich etwas anderes als Musik machen müssen, aber ich möchte einen Job haben, der nicht nervig ist. Ich fühle mich gerade sehr glücklich, dass ich etwas tun kann, das ich mag. Und ich versuche, es mir immer wieder klarzumachen. Vielleicht wird es nicht immer so sein und ich genieße es, dass es gerade möglich ist.

Omi würde sagen: Was für ein bescheidener, junger Mann. Ein unheimlich talentierter Künstler, der mit seinen süßen 26 bereits genau weiß, wo es im Leben für ihn noch hingehen soll – und wenn nicht, dann eben nicht! Wir haben uns in seiner Nähe sehr wohlgefühlt und auch nicht schlecht gestaunt, als er dann live und in Farbe auf der Bühne zu bewundern war. Einer unserer absoluten Geheimtipps für den sich anbahnenden Winter, ein Wärmepilz bei Minusgraden! (Im Sommer bei ’ner Kugel Eis übrigens auch ganz toll!)

 

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